Sonntag, 6. Oktober 2013

BVB verliert das Spiel und Mats Hummels

Borussia Dortmund ist nicht mehr Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. In einem denkwürdigen Borussen-Duell in Mönchengladbach unterlag der hochüberlegene und teilweise perfekt auftrumpfende BVB mit 0:2 und verlor nicht nur das Spiel und die Pole-Position in der Liga sondern auch seinen Abwehrchef Mats Hummels durch Platzverweis. Außerdem verlängern die angeschlagenen Nuri Sahin und Sven Bender die ohnehin schon viel zu lange Verletztenliste des BVB.

Vor 54.000 Zuschauern im ausverkauften Borussia-Park (darunter ca. 7.500 BVB-Fans) änderte Jürgen Klopp seine Mannschaft gegenüber dem CL-Spiel gegen Marseille nur auf einer Position. Roman Weidenfeller kehrte für Mitchell Langerak auf seine angestammte Position zwischen die Pfosten des Dortmunder Tores zurück.
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DER BVB-WOCHENRÜCKBLICK   -   JEDEN MONTAG AN DIESER STELLE
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Großkreutz und Bender gegen Rafael (Foto: kicker)
Von Beginn an dominierte der BVB das Spiel und schnürte die Gladbacher in deren Hälfte ein. Das brutale Gegenpressing der Dortmunder schmeckte den Gastgebern überhaupt nicht. Die "Fohlen" kamen kaum aus der eigenen Hälfte und sahen sich den flüssigen und ballsicheren Kombinationen der Dortmunder  nahezu hilflos ausgesetzt. Lediglich ihrem überragenden Torhüter ter Stegen sowie der Abschlußschwäche des BVB hatten es die Gladbacher zu verdanken, daß sie zur Pause nicht schon hoffnungslos in Rückstand lagen.  Der perfekt organisierte und teilweise brillant aufspielende BVB vergab Torchancen fast im Minutentakt. Reus (5.,) Hummels (16.), Großkreutz (23.), Reus (25.), Aubameyang (28.) und erneut Reus (33.) vergaben mehrmals den längst fälligen Dortmunder Führungstreffer. Zwischendurch scheiterte Nuri Sahin mit zwei Freistößen (13. und 40.).

Nach der Pause zeigte sich Gladbach etwas mutiger, stand nicht mehr ganz so tief wie in Halbzeit eins und versuchte sich sogar das ein oder andere Mal mit Offensiv-Aktionen. Dennoch blieb der BVB drückend überlegen und kam durch Aubameyang zu der nächsten hundertprozentigen Torgelegenheit (58.). Kurz darauf vergab Wendt für die "Fohlen" deren erste Chance des Spiels. Dortmund zeigte sich jedoch unbeirrt und belagerte weiterhin das Tor der Gastgeber, vernachlässigte nun aber immer mehr das Spiel über die Außenpositionen und ließ auch die nötige Entschlossenheit (Mkhitaryan, Lewandowski) vermissen, um noch in abschlußreife Situationen  zu kommen. Der BVB, insbesondere der ansonsten starke Reus, rannte sich zunehmend im von Gladbach vielbeinig verteidigten Zentrum fest. Die Gastgeber ihrerseits konnten sich nun auch immer öfter vom brutalen Druck des BVB befreien, auch wenn die Angriffsbemühungen nicht zwingend genug waren, um Dortmund in Gefahr zu bringen.

Schlüsselszene: Hummels gegen Nordtveit (Foto: kicker)
Mit den Einwechslungen von Hofmann und Blaszczykowski reagierte Klopp nach über einer Stunde auf die nun zunehmend müder wirkenden Aktionen seiner Mannschaft. Nach Blaszczykowskis Großchance in der 79.Minute kippte schließlich das Spiel. Einen unnötigen Ballverlust des ansonsten sehr emsigen Nuri Sahin nutzten die Gladbacher und kamen durch Nordtveit in eine aussichtsreiche Abschlußsituation. Mats Hummels kam bei seinem Rettungsversuch einen Sekundenbruchteil zu spät und brachte den Norweger regelwidrig zu Fall. Dem insgesamt schwachen und unsicheren Schiedsrichter Gräfe blieb in diesem Fall keine andere Wahl, als Dortmunds Abwehrchef des Feldes zu verweisen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kruse eiskalt und souverän zum 1:0 für Gladbach.

Die geschockten Dortmunder bäumten sich trotz Unterzahl nochmals auf und verzeichneten durch einen Reus-Freistoß noch einen Lattentreffer. Im Gegenzug jedoch traf Rafael gegen die aufgerückte und entblößte Dortmunder Abwehr zum alles entscheidenden 2:0. Das Spiel, das eine Torschußstatistik von 27:6 und ein Chancenverhältnis von 10:3 für Dortmund aufwies, war nun völlig auf den Kopf gestellt. Der BVB hatte eines seiner besten Auswärtsspiele der jüngeren Vergangenheit ebenso verloren wie die Tabellenführung der Bundesliga. Diese übernahm der große Rivale Bayern München, der am Abend bei Bayer Leverkusen zu einem 1:1-Unentschieden kam und nun mit einen Punkt Vorsprung vor den Schwattgelben die Liga anführt.

Frustriert nach seinem Platzverweis: Mats Hummels (Foto: kicker)
FAZIT

Zwei Dinge gilt es zu kritisieren. Der BVB vergab Torchancen en masse und versäumte es besonders in den ersten 45 Minuten, den Sack vorzeitig zuzumachen. Desweiteren fehlte es den Standardsituationen, insbesondere den Eckbällen, an den entscheidenden
Überraschungsmomenten.
Ansonsten kann man den Schwattgelben keinen Vorwurf machen. Der BVB bot eines seiner besten Auswärtsspiele der jüngeren Vergangenheit und beeindruckte durch fast perfektes Gegenpressing und extreme Ballsicherheit.
Also BVB: Mund abputzen, kurz schütteln - und weiter geht´s. In den nächsten zehn Tagen sind bis zu 12 Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Bleibt zu hoffen, daß sich das Lazarett währenddessen nicht noch weiter vergrößert, denn danach beginnt der nächste Saisonblock mit strapaziösen englischen Wochen in Bundesliga und Champions League. Zwar haben unsere Schwattgelben nun das erste Ligaspiel verloren, doch die gezeigte Leistung lässt weiterhin auf eine erfolgreiche BVB-Saison hoffen.

DIE STATISTIK

Borussia M´gladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Xhaka - Herrmann, Arango - Raffael, Kruse
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Durm - Bender, Sahin - Aubameyang, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Einwechselungen: 56. Brouwers für Dominguez, 77. Hrgota für Herrmann, 82. Kramer für Nordtveit - 72. Hofmann für Bender, 77. Blaszczykowski für Mkhitaryan, 89. Günter für Sahin
Tore: 1:0 Kruse (81., Foulelfmeter, Hummels an Nordtveit), 2:0 Raffael (86., Arango)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin), Rote Karte: Hummels (81., "Notbremse"), Gelbe Karten: Stranzl, Kramer - Großkreutz, Lewandowski
Zuschauer: 54.011 (ausverkauft)

DIE STIMMEN ZUM SPIEL

 Jürgen Klopp: "Das war ein ungewöhnliches Spiel. Wir bereiten uns stets gewissenhaft auf den jeweiligen Gegner vor. Diese Überlegenheit über einen so langen Zeitraum war in keiner unserer Analysen als Möglichkeit zu erkennen. Meine Mannschaft hat über lange Zeit ein außergewöhnlich gutes Auswärtsspiel gemacht, den Gegner unter Druck gesetzt und brutal gutes Gegenpressing gespielt, aber kein Tor geschossen. Wir sind selbstkritisch genug und durchaus der Meinung, dass wir unseren Anteil an dieser Niederlage haben. Wir hatten Ballbesitz, aber nicht ganz so klare Torchancen. So haben wir das Spiel offen und Gladbach am Leben gelassen. Dann mussten wir sehr ungünstig wechseln, weil wir gewinnen wollten. Dabei hätten wir jede defensive Absicherung gut gebrauchen können. Den Elfmeter habe ich im Fernsehen noch nicht gesehen. Mit zehn Mann war es kein Zuckerschlecken, einem Rückstand hinterherzurennen. Dann kriegen wir das zweite Gegentor - und haben verloren. Das fühlt sich bescheiden an. Wenn die Niederlage etwas weniger weh tut, werden wir auch die positiven Dinge mitnehmen in die Bewertung."

Fassungslos über die vergebenen Torchancen: Jürgen Klopp 
Lucien Favre: "Die erste Halbzeit haben wir verschlafen. Das war ein Wunder, mit einem 0:0 in die Kabine zu kommen. Dortmund hat top gespielt und hatte klare Torchancen, Wir haben viel zu langsam gedacht und agiert, wenn wir den Ball hatten. Es war ein super Pressing von Dortmund - und eine Katastrophe von uns. Ich habe meiner Mannschaft in der Pause gesagt, dass sie endlich Fußball spielen muss. Wir gewinnen klar unverdient mit 2:0, wenn man beide Halbzeiten sieht. Wir haben gewonnen - das ist nach der ersten Halbzeit fast ein Wunder."
Jonas Hofmann: Der Fußball kann ungerecht sein, das haben wir heute am eigenen Leibe erfahren müssen. Wir haben Gladbach eigentlich über 90 Minuten deutlich dominiert, gerade in der ersten Halbzeit war unsere Dominanz erdrückend. Das macht die Niederlage natürlich schwer zu ertragen. Andererseits muss man natürlich sagen, dass wir uns die Niederlage am Ende selbst zuzuschreiben haben, weil wir unsere zahlreichen Chancen nicht genutzt haben.
Kevin Großkreutz: Die Niederlage haben wir unserer eigenen Dummheit zuzuschreiben. Gladbach ist eine sehr gute Mannschaft, die wir über 80 Minuten dominiert haben. Hätten wir nur ein Tor erzielt, wäre das Ding wahrscheinlich durch gewesen.
Erik Durm: Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff und haben uns viele Torchancen erarbeitet, die wir leider nicht genutzt haben. Da hat uns in der Offensive ein bisschen die Konsequenz gefehlt. Wir waren über die meiste Zeit drückend überlegen. Dann bekommen wir den Elfmeter und die Rote Karte gegen uns und gehen in Rückstand. Das ist natürlich sehr bitter und schwer zu ertragen.
Sven Bender: Wir waren dominant und haushoch überlegen. Wenn man aber seine Chancen nicht nutzt, dann ist es im Fußball meistens so, dass der Gegner irgendwie wieder ins Spiel findet. Das hat er heute - und das war unsere eigene Schuld. Die Niederlage geht heute ganz klar auf unsere Kappe, nicht weil Gladbach so gut gespielt hat, sondern weil wir am Ende nicht clever genug waren, so ein Spiel für uns zu entscheiden.
Michael Zorc: Wir haben die Niederlage eindeutig uns selbst zuzuschreiben. Wir haben das Spiel über 80 Minuten dominiert, wie ich es eigentlich fast noch nie erlebt habe. Leider haben wir dabei vergessen, noch gieriger auf den Torerfolg zu spielen. Da hat es dann oft am letzten Pass oder am Abschluss gefehlt. Von der Spielanlage, vom Pressing und vom Spielaufbau her hat heute bei uns eigentlich alles gepasst - bis zum Strafraum.

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (3), Großkreutz (3), Subotic (2), Hummels (3), Durm (3), Bender (3), Sahin (3), Aubameyang (4), Mkhitaryan (4), Reus (2,5), Lewandowski (4,5), Hofmann (-), Blaszczykowski (-), Günter (-)

Mehr vom aktuellen BVB-Geschehen auch in meiner reviersport-Kolumne
http://www.reviersport.de/fankurve/markus-bvb-blog.html