Sonntag, 20. Oktober 2013

1:0 - Reus schießt BVB zum Arbeitssieg!

Borussia Dortmund hat die bevorstehenden richtungsweisenden Wochen in der Bundesliga mit einem 1:0-Sieg gegen Hannover 96 eingeleitet. In einem mittelmäßigen Spiel fiel die Entscheidung bereits in der 4.Minute durch einen von Marco Reus verwandelten Foulelfmeter. 80.645  Zuschauer im ausverkauften Westfalenstadion mußten jedoch bis zum Schluß um den "Dreier" bangen.

Rechtzeitig nach der Länderspielpause lichtete sich das schwattgelbe Lazarett - neben den Langzeitverletzen Piszczek, Gündogan und Kehl fehlte dem BVB lediglich der gesperrte Mats Hummels. Gegenüber der unnötigen Niederlage in Mönchengladbach mußte Jürgen Klopp seine Mannschaft somit nur auf einer Position verändern. Sokratis ersetzte Hummels und nahm die Innenverteidiger-Position neben Neven Subotic ein. Marcel Schmelzer saß nach längerer Pause immerhin wieder auf der Bank. Ein Einsatz des Nationalspielers von Beginn an erschien Jürgen Klopp als verfrüht.
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Borussia begann fast schon furios und wirbelte in den Anfangsminuten die Hannoveraner Abwehr durch einige blitzschnelle Ballstaffetten mächtig durcheinander.Mkhitaryans Schuß konnte 96-Keeper Zieler noch parieren. Doch bereits in der 4.Minute mußte der Nationaltorhüter das Leder aus dem Netz holen. Erik Durm wurde im Strafraum von Sakai regelwidrig zu Fall gebracht. Marco Reus ließ sich die Chance nicht nehmen und vollendete den fälligen Strafstoß bombensicher zur frühen BVB-Führung.

Der Moment der Entscheidung: Reus trifft per Elfmeter (Foto: kicker)
Hannover wirkte zunächst geschockt und sah sich weiteren Angriffswellen der Schwattgelben ausgesetzt, überstand diese jedoch schadlos. Nach ca. 30 Minuten ließ der BVB die Zügel schleifen und schaltete einen Gang zurück, nachdem sowohl der starke Reus als auch Aubameyang zwei gute Möglichkeiten nicht nutzen konnten. Die mutig, aber weitestgehend harmlosen Gäste gewannen nun im Mittelfeld mehr und mehr die Oberhand. Doch fehlte es ihnen an der nötigen Durschlagskraft, um Borussias Abwehr in ernste Verlegenheit zu bringen. Lediglich Sobiech sorgte kurz vor dem Pausenpfiff in seiner bis dahin besten Szene für etwas Gefahr vor Weidenfellers Tor.

96-Coach Mirko Slomka reagierte und brachte zur zweiten Halbzeit den Ex-Dortmunder Leo Bittencourt. Und das sollte sich auszahlen. Denn fortan wirkte Hannover entschlossener und kam durch Sobiech und Prib zu guten Ausgleichschancen. Weidenfeller ließ sich jedoch nicht überraschen. Dem BVB entglitt das Spiel mehr und mehr. Man spürte förmlich, daß bei der Borussia - vor allem bei den zwischenzeitlich verletzten Akteuren - die Kräfte schwanden. Mkhitaryan sorgte in der 55. Minute noch einmal für Gefahr vor dem Gäste-Gehäuse. Doch spätestens mit der Auswechslung des völlig entkräfteten Marco Reus verlor der BVB komplett den Faden. Blaszczykowski kam für den bis dahin neben Erik Durm besten Borussen aufs Feld und verstärkte die Defensive seiner Mannschaft. Das war auch bitter nötig, denn Hannover witterte immer mehr Morgenluft und übernahm fast komplett die Initiative. Die Gäste drängten Borussia in deren eigene Hälfte, ließen bei ihren Angriffsbemühungen jedoch glücklicherweise die nötige Durschlagskraft vermissen. Den sich nun vereinzelt bietenden Kontermöglichkeiten der Borussia fehlte es an Tempo und Genauigkeit - und die Klopp-Elf kam bis zum Schluß zu keiner zwingenden Torchancen mehr. Auch der kurz vor Ende eingewechselte Hofmann konnte dem Spiel der Gastgeber keine entscheidenden Impulse mehr verleihen. Als Schiedsrichter Gagelmann die Partie nach 94 Minuten beendete, war die Erleichterung unter den 80.000 zuschauern förmlich zu spüren.

Sah gegen 96 "kein Land": Robert Lewandowski (Foto: kicker)
FAZIT

Borussia bewahrte ihre makellose Heimbilanz und beendete auch das fünfte Spiel im Westfalenstadion mit einem Sieg. Zudem bleiben die Schwattgelben in der Tabelle Spitzenreiter Bayern München auf den Fersen. Daß das Spiel gegen Hannover kein Spaziergang werden würde, war aufgrund der personellen Vorzeichen im Vorfeld der Partie zu erwarten. Jedoch sah man in den vergangenen Jahren selten einen so verunsicherten und unstrukturierten Auftritt des BVB. Die Erklärungen hierfür liegen jedoch offen auf der Hand. Solange die Kräfte hielten, spielte Borussia durchaus passabel. Jürgen Klopp spielte während der Partie aber durchaus mit dem Feuer. Denn obwohl bereits Ende der ersten Halbzeit sowohl bei Marco Reus als auch bei Sven Bender und Nuri Sahin aufgrund des Trainingsrückstands ein deutlicher Kräfteverschleiß sichtbar wurde, wechselte Klopp erst erstaunlich spät. Zum Glück ging das gegen einen zwar mutigen, aber meistens wenig durchschlagskräftigen Gegner nochmal gut.

In den kommenden Spielen muß und wird sich der BVB steigern. Die zuletzt angeschlagenen Spieler werden ihren Fitness-Zustand verbessern und ihren gewohnten Rhythmus wieder aufnehmen. Mit Mats Hummels kehrt zudem ein Spieler zurück, der gegen Hannover besonders im Aufbauspiel arg vermisst wurde. Steigern müssen sich aber vor allem die beiden Neuzugänge im Offensivbereich. Zwar kann man sowohl Mkhitaryan als auch Aubameyang in puncto Einsatzwillen keinerlei Vorwürfe machen, doch liefen die letzten Spiele an beiden Akteuren mehr oder weniger vorbei. Der Armenier fand gegen Hannover überhaupt nicht ins Spiel. Bis auf zwei gefährliche Torabschlüsse war von "Miki" so gut wie nichts zu sehen. Aubameyang hingegen macht aus seinen Schnelligkeits-Vorteilen viel zu wenig. Immer wieder unterlaufen dem durchaus engagierten Gabuner leichtsinnige Abspielfehler, mit denen er sich selbst um den Lohn seiner Arbeit bringt.

Kollektiver Jubel über die frühe Führung! (Foto: kicker)
Absolut positiv ist dagegen die Entwicklung von Erik Durm. Der Vertreter des verletzten Marcel Schmelzer gewinnt immer mehr an Selbstvertrauen, was man besonders seinen Offensiv-Aktionen anmerkt. Zudem zeichnen den 19jährigen seine ungemeine Laufstärke sowie Ausdauer und Spielintelligenz aus.

Ein Wort auch zu Robert Lewandowski. Gegen 96 war von dem polnischen Stürmerstar des BVB so gut wie nichts zu sehen. Das allerdings lag nicht ausschliesslich an "Lewy" selbst. Auch ihm kann man in puncto Einsatzbereitschaft keinen Vorwurf machen. Vielmehr litt der Pole unter den diesmal meist wenig berauschenden Offensivaktionen und ungenauen Zuspielen der Dortmunder Kreativzentrale um Sahin und Mkhitaryan.

Am Dienstag nun geht es für den BVB nach London. Daß dort eine Leistung wie heute gegen Hannover nicht reichen wird, um Zählbares mit nach Dortmund zu nehmen, dürfte klar sein. Doch vertraue ich unseren Jungs. Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, daß Borussia in besonderen Spielen auf den Punkt genau "da" ist. Zwar wird Jürgen Klopp das Spiel von der Tribüne aus verfolgen müssen - doch könnte dies durchaus ein gutes Omen sein. Denn mit seinem Vertreter Zeljko Buvac an der Linie gelang bekanntlich zuletzt ein souveräner Heimsieg gegen Marseille.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit Jürgen Klopp und Mirko Slomka zum Anklicken




DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Sokratis, Durm - Bender, Sahin - Aubameyang, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Hannover 96: Zieler - Sakai, Marcelo, Schulz, Pocognoli - Sané, Andreasen - Stindl, Schlaudraff, Huszti - Sobiech
Einwechselungen: 66. Blaszczykowski für Reus, 80. Hofmann für Mkhitaryan - 46. Bittencourt für Pocognoli, 68. Kadah für Sobiech, 77. Schlaudraff für Sakai
Tor: 1:0 Reus (4., Foulelfmeter, Sakai an Durm)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen), Gelbe Karten: Weidenfeller - Sakai, Sobiech, Sané
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)


Mit Durm bester Borusse: Marco Reus (hier gegen Sané) Foto.kicker
DIE STIMMEN ZUM SPIEL

Nuri Sahin: "Wir haben heute gut angefangen und dann ja auch direkt sehr schnell das 1:0 erzielt. Danach war es ein sehr hartes Stück Arbeit für uns. Das Wichtigste nach diesem Spiel ist, dass wir drei Punkte geholt haben."

Jürgen Klopp: "Das Spiel spiegelt die Problematik der letzten 13 Tage wider. Wir haben gut gespielt, solange der Tank voll war. Danach haben wir dann aufgehört, Fußball zu spielen. Das lag auf der einen Seite sicherlich am körperlichen Zustand der Spieler. Für die mit Trainingsrückstand wie "Manni", Nuri oder Marco war das richtig harte Arbeit. Auf der anderen Seite haben wir uns aber auch auf Hannovers Spiel eingelassen und viele lange Bälle nach vorne gespielt. Das war heute ein richtiger Arbeitssieg, aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Außerdem kann man das Spiel wie eine zusätzliche Trainingseinheit sehen, die uns durch die Pause gefehlt hat. Da mussten wir durch, aber das macht uns noch stärker. Die Zuschauer haben unser Spiel toll mitgetragen. Jetzt müssen wir die Knochen schütteln und durchatmen."

Mirko Slomka: "Wir haben heute eigentlich ein gutes Spiel gemacht, besonders in der zweiten Hälfte. Allerdings haben uns am Ende die richtig zwingenden Aktionen gefehlt - und auch ein bisschen die Konsequenz. Dennoch hat meine Mannschaft eine tolle Einstellung gezeigt, dafür zolle ich ihr Respekt."

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2), Großkreutz (3), Subotic (3,5), Sokratis (3), Durm (2,5), Bender (3), Sahin (4), Aubameyang (4,5), Mkhitaryan (5), Reus (2,5), Lewandowski (5), Blaszczykowski (4), Hofmann (-), Schieber (-)

Mehr vom aktuellen BVB-Geschehen auch in meiner reviersport-Kolumne
http://www.reviersport.de/fankurve/markus-bvb-blog.html