Samstag, 22. März 2014

3:0 - BVB bringt sich in "Derby-Form"

Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einem überzeugenden Gesamtauftritt gewann Borussia Dortmund das Auswärtsspiel bei Hannover 96 vor 49.000 Zuschauern in der ausverkauften HDI-Arena mit 3:0. Die Tore für die Schwattgelben, die damit den zweiten Platz in der Bundesliga-Tabelle verteidigten, erzielten Mats Hummels, Robert Lewandowski und Marco Reus. Rechtzeitig zum bevorstehenden Revierderby gegen Schalke 04 holte sich der BVB somit das dringend notwendige Erfolgserlebnis, um mit breiter Brust in die bevorstehenden intensiven "englischen Wochen" zu gehen. Außerdem erstickte die Mannschaft durch den Sieg die zuletzt aufkommende, aber eigentlich nicht nachvollziehbare Unruhe im eigenen Umfeld schon im Ansatz.


Der "Dosenöffner": Hummels Treffer zum 0:1 (Foto: kicker)
PERSONAL

Nimmt man den wiedergenesenen, aber vorsorglich zunächst auf der Bank sitzenden Marco Reus hinzu, fehlten dem BVB in der Startformation sage und schreibe sieben potentielle Stammkräfte. Zu den Langzeitverletzten Subotic, Blaszczykowski, Gündogan und Bender gesellten sich unter der Woche Marcel Schmelzer und kurzfristig auch noch Pierre-Emerick Aubameyang. Der Gabuner erlitt im Abschlußtraining einen Pferdekuss und kam somit unfreiwillig zu einer eigentlich ohnehin längst überfälligen Pause. Jonas Hofmann begann für ihn im rechten Mittelfeld. Sebastian Kehl bekam eine Verschnaufpause und wurde durch Oliver Kirch ersetzt.

SPIELVERLAUF

Die ersten 45 Minuten verliefen relativ ereignislos. Der BVB, dessen Offensivbemühungen sich als zu fehlerbehaftet und ideenlos entpuppten, stand defensiv sehr kompakt und ließ den um spielerische Linie bemühten Gastgebern ebenfalls kaum Möglichkeiten zur Entfaltung. So entwickelte sich ein Spiel ohne große Höhepunkte, daß die Schwattgelben allerdings jederzeit kontrollierten. Zweimal Großkreutz (2. und 14. Minute)) für den BVB und Hannovers Hoffmann mit einem Pfostenschuß (18.) sorgten für die einzigen zwingenden Abschlußmöglichkeiten im ersten Durchgang. Bis Erik Durm in der 43. Minute einen langen Pass aus dem Halbfeld in den Hannoveraner Strafraum schlug, sah alles nach einem 0:0 zur Halbzeit aus. Doch Sokratis nickte das Leder per Kopf zum freistehenden Hummels. Der Nationalverteidiger ließ sich diese Chance nicht nehmen und vollstreckte zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt zur Dortmunder Führung.

Zweikampf Prib / Piszczek (Foto: kicker)
Nach dem Wechsel zunächst das gleiche Bild. Beide Teams neutralisierten sich durch ihre disziplinierte Defensivarbeit nahezu. Doch in der 52.Minute eroberte der bis dahin eher unauffällige Mkhitaryan am eigenen Strafraum das Leder und schickte den an der Mittellinie lauernden Lewandowski mit einem Traumpass auf die Reise. Über halblinks kommend drang der Pole mit seinem unglaublichen Antritt unwiderstehlich in den Gästestrafraum ein, umkurvte mehrere Hannoveraner Abwehrspieler und schoß eiskalt zum vorentscheidenden 2:0 für den BVB ein. Ein absolutes Weltklasse-Tor, mit dem Borussias Sturmspitze seine Extraklasse einmal mehr unter Beweis stellte.

Hannover steckte im Anschluß zwar nicht auf und drängte auf den Anschlußtreffer, fand jedoch gegen die kompakte und geschickt agierende BVB-Defensive kein Mittel und kam zu keiner zwingenden Torchance. Borussia lauerte auf sich bietende Konterchancen und fand durch die eigene defensive Stabilität auch zu mehr Sicherheit in den Offensivaktionen. Teilweise blitzte der gewohnte Fußball "Marke BVB" endlich wieder auf.
Schließlich setzte der eingewechselte Marco Reus in der Nachspielzeit mit seinem Treffer zum 3:0 (wieder nach überragender Vorarbeit von Mkhitaryan) den Schlußpunkt unter einen verdienten und nie gefährdeten Dortmunder Sieg.

Weltklasse-Tor: Lewandowski (Foto: kicker)
Respekt, BVB. Die Mannschaft von Jürgen Klopp trotzte einmal mehr allen (verletzungsbedingten) Widerständen und fand rechtzeitig vorm Derby gegen Schalke 04 in die Erfolgsspur zurück. Eine merkwürdige Unruhe schien sich nach zwei Heimniederlagen im Dortmunder Umfeld breitzumachen. Bevor diese jedoch ausbrechen konnte, erstickten sie die Schwattgelben durch diesen überzeugenden Sieg bereits im Ansatz. Durch die Heimniederlage gegen Gladbach hatten sich die Klopp-Schützlinge vor Wochenfrist allerdings selbst unter Zugzwang gebracht, denn im Falle eines Remis in Hannover wären die "Blauen" aus der verbotenen Stadt an den Borussen vorbeigezogen. Das galt es - vor allem angesichts des bevorstehenden Derbys - unbedingt zu verhindern.

Zwar versprühte der BVB in Hannover nur wenig Glanz, was aber angesichts der zahlreichen (diesmal teils freiwilligen) Ausfälle auch nicht wirklich erwartet werden konnte und somit auch niemanden ernsthaft  verwundern durfte.
Schulterschluß mit den Fans (Foto: kicker)
In Hannover ging es für Borussia einzig und allein darum, drei Punkte einzufahren. Dieses Ziel wurde auf Basis einer kompakten Defensive und einer geschlossenen Mannschaftsleistung in einer überzeugenden Art und Weise erreicht. Daß die Höhe des Sieges auch der überragenden individuellen Klasse und Genialität eines Henrikh Mkhitaryan und eines Robert Lewandowski zuzuschreiben ist, belegt und unterstreicht zusätzlich den  Qualitätsunterschied zwischen Hannover und Dortmund.

Dickes Kompliment auch an die mitgereisten Fans, die den BVB von Beginn an lautstark unterstützten und ihren Ruf, die Besten der Liga zu sein, eindrucksvoll untermauerten. Ein Appell von dieser Stelle an die schwattgelbe Fangemeinde, die Mannschaft auch am Dienstag im Falle eines "stotternden Motors" ebenso leidenschaftlich zu unterstützen. Mit ihrem zwölften Mann im Rücken wird Borussia den ungeliebten Nachbarn bezwingen, in der Tabelle auf vier Punkte distanzieren und dem Ziel "direkte CL-Qualifikation" ein großes Stück näherkommen.

DIE STATISTIK

Hannover 96: Zieler – Sakai, Hoffmann, Schulz, Pocognoli – Sané  - Schmiedebach, Prib – Stindl, Bittencourt, Huszti
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Sahin, Kirch – Hofmann, Mkhitaryan, Großkreutz – Lewandowski
Einwechselungen: 59. Ya Konan für Sané, 73. Schlaudraff für Prib - 66. Kehl für Sahin, 68. Reus für Hofmann, 84. Schieber für Lewandoski
Tore: 0:1 Hummels (43., Sokratis), 0:2 Lewandowski (52., Mkhitaryan), 0:3 Reus (90.+1, Mkhitaryan)
Schiedsrichter: Perl (München)
Gelbe Karte: - Hummels
Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)


HIER SPRICHT KLOPPO

„Es war ein ganz schweres Spiel. Es sind keine 22 Leute über den Platz gelaufen, denen alles leicht gefallen wäre. Heute mussten zwei Mannschaften hart arbeiten. Wir mussten auf einige wichtige Spieler verzichten, wir haben teilweise sogar freiwillig verzichtet, und auch Hannover musste auf zahlreiche wichtige Spieler verzichten. Wir konnten das Spiel in der ersten Halbzeit kontrollieren, ohne zu glänzen, und machen aus einer Standardsituation das erste Tor. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil wir an solchen Sachen intensiv arbeiten. Mit dem 2:0 haben wir das Spiel in die richtige Richtung gedreht, von da an wurde es für den Gegner sehr schwer. Mir wäre es lieb gewesen, wenn wir schon früher einen Konter für das dritte Tor genutzt hätten, denn wenn das 1:2 gefallen wäre, wäre das Publikum wieder voll da gewesen, und wir selbst wissen aus eigener Erfahrung, was dann hier in Hannover passieren kann. Meine Mannschaft ist das Spiel sehr seriös angegangen, und sie hat sich komplett verausgabt. Bei Lewandowskis Tor habe ich auch niemanden gesehen, den er hätte anspielen können. Und dann ging die Lücke auf, und er hat sie überragend genutzt. Ein Weltklasse-Tor!“

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2,5), Piszczek (4), Sokratis (3), Hummels (2,5), Durm (2), Sahin (3,5), Kirch (3,5), Hofmann (4), Mkhitaryan (2,5), Großkreutz (3,5), Lewandowski (3), Kehl (3,5), Reus (2,5), Schieber (-).