Mittwoch, 26. März 2014

0:0 - Starker BVB verpaßt den "Lucky Punch"

In einem packenden, temporeichen und teilweise hochklassigen Revierderby trennten sich Borussia Dortmund und Schalke 04 am Abend torlos mit 0:0. Vor 77.600 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion bot der BVB eines seiner besten Heimspiele der vergangenen Monate, scheiterte aber entweder an der eigenen Abschlußschwäche oder am überragenden Schalker Keeper Ralf Fährmann. Die Schwattgelben verteidigten trotz des Remis den zweiten Platz der Bundesliga-Tabelle vor den blau-weißen Nachbarn. Ob der Abstand auf den undankbaren vierten Platz vergrößert werden konnte, entscheidet sich erst am Mittwoch abend im Spiel von Bayer Leverkusen beim FC Augsburg.

Luftduell zwischen Goretzka und Mkhitaryan (Foto: kicker)
PERSONAL

Jürgen Klopp konnte wieder auf Marco Reus zurückgreifen. Nach seinem Joker-Einsatz in Hannover kehrte der Nationalspieler für Jonas Hofmann in die Anfangself des BVB zurück. Der zuletzt leicht angeschlagene Pierre-Emerick Aubameyang stand wieder im Kader der Borussia, nahm aber zunächst auf der Bank Platz.


SPIELVERLAUF

Das Spiel begann, wie man es sich von einem Revierderby erhofft. Viele Zweikämpfe, sehr intensiv, viel Tempo. Die erste Torchance hatten die Gäste, doch Huntelaar vergab in der 4. Minute. Danach ergriff der BVB die Initiative und kam binnen weniger Minuten durch Lewandowski (6.) und zweimal Großkreutz (7.) zu guten Möglichkeiten, den BVB in Führung zu bringen. Bis zur 30. Minute bekam Schalke das Spiel jedoch besser in den Griff und wirkte in den Zweikämpfen entschlossener. Zudem waren die Gäste um spielerische Linie bemüht und profitierten dabei von den Ungenauigkeiten im Dortmunder Aufbauspiel. Klare Chancen konnten die Königsblauen jedoch nicht heraufbeschwören. Mkhitaryans Fernschuß, den Fährmann überragend um den Pfosten lenkte (31.), war das Startzeichen für die Schlußoffensive des BVB in den ersten 45 Minuten. Reus´ Volleyschuß ging über das Tor (39.) und in der 44. Minute verfehlte der Nationalspieler mit einem Schuß von der Strafraumgrenze nur knapp das lange Eck des Schalker Tores. So blieb es zur Pause beim torlosen Remis.

Hitzig: Neustädter und Großkreutz (Foto: kicker)
Nach dem Wechsel spielte eigentlich nur noch der BVB. Schalke mußte sich fortan immer wieder temporeichen und druckvollen Angriffswellen der Gastgeber erwehren und wurde vom BVB teilweise an die Wand gespielt. Reus (47.), Sokratis (52.) und Durm (57.) verpaßten jedoch, ihre Mannschaft in Führung zu schießen. Unterbrochen wurde der Dortmunder Sturmlauf lediglich durch einen Kopfball von Neustädter in der 59. Minute und einem Fernschuß Boatengs in der 75. Minute. Beide Male zeigte sich Weidenfeller jedoch auf dem Posten. Ansonsten spielte nur der BVB. Die schwattgelben Kombinationen liefen wie am Schnürchen. Borussia kombinierte sich teilweise in einen wahren Rausch und erspielte sich Chance um Chance - vergaß aber das Toreschießen. Lewandowski (68.) und Mkhitaryan (73.) hatten dabei die größten Möglichkeiten, scheiterten aber am überragenden Fährmann. Auch die Einwechslungen von Aubameyang und Schieber brachten der Borussia nicht mehr den erhofften Erfolg. Schalke verteidigte das torlose Remis mit Mann und Maus bis zum für die Königsblauen erlösenden Schlußpfiff. Ärgerlich aus Dortmunder Sicht, daß Schiedsrichter Florian Meyer dem BVB in der 80. Minute einen klaren Elfmeter verweigerte. Der eingewechselte Schalker Annan hatte den in den Strafraum eindringenden Marco Reus auflaufen lassen und regelwidrig zu Fall gebracht.


ANALYSE

Bravo, Borussia. Auch wenn es am Ende nicht zum eigentlich hochverdienten Sieg über den Erzrivalen reichte, bot der BVB eine klasse Partie. Kämpferisch und spielerisch ließen die Gastgeber keine Wünsche offen und boten ihren Fans ein hochklassiges und leidenschaftliches Derby. Einziges Manko der Borussia an diesem Abend war der regelrecht verschwenderische Umgang mit den herrlich herausgespielten Torchancen.

Reus Kopfballsieger gegen Ayhan (Foto: kicker)
Bei Borussia griff besonders in der zweiten Halbzeit ein Rädchen ins andere. Schalker Angriffsversuche wurden bereits im Keim erstickt. Sahin und Kehl machten das Zentrum dicht, während Hummels aus hinterster Reihe mit dem Blick für die Situation und überragenden Pässe ein ums andere Mal wuchtige Angriffswellen seiner Mannschaft einleitete. Nebenmann Sokratis hielt ihm dabei den Rücken frei und degradierte Schalkes Torjäger Huntelaar zu einem Statisten. Der emsige und sehr auffällig agierende Mkhitaryan bewies einmal mehr seine Extraklasse in puncto Balleroberung und anschließendem blitzschnellen Umschaltspiel. Dabei hatte der Armenier in Reus und Großkreutz zwei Spieler in seiner Elf, die immer wieder den Ball forderten und über die Außenbahnen für ständige Gefahr sorgten. In vorderster Front sah sich Lewandowski dagegen meist mit einer Überzahl an Schalker Gegenspielern konfrontiert, die dem Polen kaum Platz zur Entfaltung ließen.

Stark auch der Auftritt des jungen Erik Durm als Vertreter des verletzten Marcel Schmelzer. Der Linksverteidiger hatte seine Seite defensiv im Griff und schaltete sich immer wieder entschlossen und effektiv mit ins Angriffsspiel des BVB ein. Sein Gegenpart auf rechts, Lukasz Piszczek, hatte dagegen nicht seinen besten Tag. Sowohl in der Rückwärts- als auch in der Vorwärtsbewegeng machte der polnische Nationalspieler einen unglücklichen Eindruck - bei ihm ist es aber mit Sicherheit nur eine Frage der Zeit, bis er zu alter Form zurückfindet.

Der überragende Fährmann klärt vor Reus (Foto: kicker)
Auch wenn bei Spielern und Verantwortlichen die Enttäuschung über den verpaßten Sieg zunächst überwog, so sollte die Art und Weise des Auftritts in diesem Revierderby allen Beteiligten Mut machen. Lange sah man die Borussia nicht mehr so eindrucksvoll Fußball spielen, so leidenschaftlich um jeden Zentimeter Rasen kämpfen und so entschlossen angreifen.

Kann der BVB diese Form konservieren und all die oben genannten Dinge auch in den kommenden Spielen auf den Rasen zaubern, muß einem um das Erreichen der schwattgelben Ziele nicht bange sein. In der Derby-Form ist der Borussia auch in den Duellen mit Real Madrid alles zuzutrauen. Allerdings steht zunächst einmal das undankbare und schwere Auswärtsspiel beim abstiegsbedrohten VfB Stuttgart an. Dort will der BVB seine tolle Auswärtsserie fortsetzen und mit einem Sieg einen weiteren Schritt in Richtung direkte Champions-League-Qualifikation machen.

Zum guten Schluß ein Kompliment an die Fans. Im Stadion herrschte eine faszinierende und tolle Stimmung. Im Gegensatz zum Hinspiel kam es diesmal also nicht zu den im Vorfeld befürchteten "Zwischenfällen" und Ausschreitungen. Sowohl im als auch außerhalb des Westfalenstadions blieb es zwischen den verfeindeten Fangruppierungen relativ ruhig und friedlich. Auch von den Anfahrtswegen sowie aus der City gab es bis zur Veröffentlichung dieses Artikels keinerlei Horrormeldungen.

Die PK nach dem Derby (präsentiert von SportLiveDortmund)




DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Sahin, Kehl – Großkreutz, Mkhitaryan, Reus – Lewandowski
FC Schalke 04: Fährmann – Hoogland, Ayhan, Matip, Kolasinac – Boateng, Neustädter – Goretzka, Meyer, Draxler – Huntelaar
Einwechselungen: 79. Aubameyang für Mkhitaryan, 87. Schieber für Großkreutz - 77. Annan für Meyer, 85. Obasi für Goretzka, 90.+2 Max für Draxler
Tore: keine
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Gelbe Karten: Reus, Hummels - Draxler, Boateng, Ayhan
Zuschauer: 77.600 (ausverkauft)

3000 Polizisten hatten zum Glück alles im Griff (Foto: kicker)
STIMMEN ZUM SPIEL

Hans-Joachim Watzke: „Natürlich sind wir ein bisschen frustriert, weil wir dieses Spiel eigentlich gewinnen müssen. Es hat mich ein bisschen an das Derby vor einigen Jahren erinnert, als wir auch 0:0 gespielt haben. Damals hat Manuel Neuer alles gehalten, nun war es Ralf Fährmann. Der hat wirklich eine Weltklasse-Leistung abgeliefert. Das Positive ist aber, dass wir wirklich ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht haben. Wir haben uns sehr viele Chancen erarbeitet, auch körperlich ist die Mannschaft in einer überragenden Verfassung. Das müssen wir mitnehmen. Auch von der Atmosphäre im Stadion bin ich begeistert.“

Michael Zorc: „Wir müssen mit diesem Ergebnis leben. Im Moment sind wir sicher noch ein bisschen niedergeschlagen, denn wir hätten den Sieg – insbesondere durch die zweite Halbzeit – absolut verdient gehabt. Wir haben ein richtig gutes Heimspiel abgeliefert, aber die Tore haben gefehlt. Auf dieser Leistung können wir aber absolut aufbauen. Insgesamt war es ein sehr gutes Fußballspiel von uns.“

Mats Hummels: „Wir haben richtig gut gespielt und waren die klar bessere Mannschaft. Leider haben wir es verpasst, ein Tor zu erzielen. Das ist sehr schade, aber immer noch besser, als wenn wir – wie gegen Gladbach – eine schwache Leistung gezeigt hätten. Für uns ist es wichtig, dass wir endlich mal wieder so gespielt haben, wie wir uns das vorstellen.“

Enttäuscht über das Ergebnis: Hummels, Klopp (Foto: kicker)
Robert Lewandowski: „Ich denke, Schalke kann mit diesem Punkt sehr glücklich sein. Wir haben fast keine Schalker Chancen zugelassen und uns selbst viele erarbeitet. Eigentlich haben wir genau so gespielt, wie wir es uns vorgestellt haben. Leider ist am Ende nur ein 0:0 dabei herumgekommen.“

Sebastian Kehl: „Es ist nach diesem Spiel schon ein bisschen Frust bei uns da, obgleich dieser sicherlich bald weichen wird. Insgesamt haben wir heute ein sehr gutes Spiel gemacht, waren die deutlich bessere Mannschaft und hätten eigentlich gewinnen müssen. Das kann man sicherlich als positives Fazit mitnehmen, dennoch hätte ich mich heute besser gefühlt, wenn wir noch ein Tor geschossen hätten.“

Nuri Sahin: „Wir haben uns für ein richtig gutes Spiel nicht belohnt. Wir haben Schalke an die Wand gespielt, bis auf die eine Kopfballchance von Neustädter und den Schuss von Boateng auch keine Chancen zugelassen. Selbst hatten wir riesige Torchancen, haben gute Ballstafetten gezeigt. Leider sind keine drei Punkte dabei herausgekommen.“


MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2,5), Piszczek (4), Sokratis (2), Hummels (2), Durm (2), Sahin (3), Kehl (3), Großkreutz (2,5), Mkhitaryan (2), Reus (2,5), Lewandowski (3,5), Aubameyang (-), Schieber (-).