Sonntag, 9. März 2014

1:0 - BVB-Sieg dank Kehls Geistesblitz

In einem mäßigen Bundesligaspiel gewann Borussia Dortmund beim SC Freiburg dank eines herrlichen Treffers ihres Kapitäns Sebastian Kehl mit 1:0. Vor 24.000 Zuschauern in der ausverkauften Freiburger Arena gelang dem BVB in einer intensiven, aber spielerisch schwachen Partie ein wichtiger Sieg im Kampf um einen direkten Champions-League-Qualifikationsplatz. Die Schwattgelben verteidigten nicht nur Rang Zwei der Tabelle, sondern bauten den Vorsprung auf die direkten Verfolger aus Leverkusen und der verbotenen Stadt auf vier Punkte aus.


Kehls Schlenzer zum 1:0. Links Großkreutz. (Foto: kicker)
PERSONAL

Neben dem vorsorglich pausierenden Torjäger Robert Lewandowski mußte Jürgen Klopp mit Marco Reus auf einen weiteren offensiven "Hochkaräter" verletzungsbedingt verzichten. Außerdem fehlten der Borussia die Langzeitverletzten Subotic, Blaszczykowski, Gündogan und Bender sowie in Marvin Ducksch ein weiterer Stürmer. Gegenüber dem Heimsieg gegen Nürnberg gab es jedoch nur eine Änderung. Julian Schieber rückte für Lewandowski in die Startelf.


SPIELVERLAUF

Die Geschichte dieses Spiels ist schnell erzählt. Beide Mannschaften neutralisierten sich nahezu über die gesamte Spielzeit aufgrund des fast identischen Spielsystems gegenseitig. Somit entwickelte sich zwar eine sehr intensive Partie mit vielen Zweikämpfen - jedoch ohne spielerische Highlights und ohne große Torchancen auf beiden Seiten. Im ersten Durchgang wirkte Freiburg optisch überlegen, ohne jedoch das Tor von Weidenfeller ernsthaft in Gefahr bringen zu können. Das gleiche galt jedoch auch für den BVB, der nie zu seiner spielerischen Linie fand. Einziges "Highlight" im ersten Durchgang war eine Szene in der 43. Spielminute. Dortmunds Sokratis kam gegen Freiburgs Zulechner kurz vor der Strafraumgrenze zu spät. Schiedsrichter Gagelmann beließ es zum Glück für den griechischen Nationalspieler bei "Gelb".

Zweikampf Sorg / Mkhitaryan. (Foto: kicker)
Nach dem Wechsel änderte sich grundsätzlich nicht viel. Beide Mannschaften blieben bis zum Schluß auf der Suche nach ihrer spielerischen Linie und neutralisierten sich weiterhin gegenseitig. Eigentlich wäre wohl alles auf ein typisches 0:0 hinausgelaufen, wäre da nicht die 58. Minute gewesen. Nach einem Zuspiel von Großkreutz fasste sich BVB-Kapitän Kehl ein Herz und schlenzte den Ball aus ca. 25 Metern über den zu weit vor seinem Gehäuse stehenden Baumann ins Freiburger Tor. Zwar waren die Gastgeber danach um den Ausgleich bemüht, kamen aber zu keinen zwingenden Abschlüßen. Borussia verwaltete das Ergebnis nur noch, verpaßte aber bei zwei schlecht zu Ende gespielten Kontern in den Schlußminuten, den Freiburgern den endgültigen K.O. zu versetzen.

Die neunzig Minuten von Freiburg machten deutlich, daß der personelle Aderlaß beim BVB in Form der Ausfälle von Offensiv-Kräften wie Lewandowski und Reus kaum zu kompensieren ist. Das Spiel der Schwattgelben litt nämlich besonders unter den fehlenden Anspielstationen in vorderster Front. Dort zeigte sich Julian Schieber zwar äußerst bemüht, bekam aber vor allem von Aubameyang viel zu wenig Unterstützung. Der Gabuner, leider immer wieder zwischen Weltklasse und Kreisklasse pendelnd, hatte in Freiburg wieder einmal einen seiner schlechten Tage erwischt. Da auch Aubameyangs Pendant auf der linken Seite, Kevin Großkreutz, in der ersten Hälfte überhaupt nicht ins Spiel fand und sich Mkhitaryan viel zu häufig in oft überflüssigen Zweikämpfen aufrieb, fand die BVB-Offensive im ersten Durchgang kaum statt. Der Armenier sah übrigens seine fünfte gelbe Karte und fehlt den Schwattgelben im kommenden Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Zweikampf Schieber / Schuster (Foto: kicker)
Generell lag Borussias Kreativzentrale an diesem Nachmittag brach. Sahin und Kehl, defensiv durchaus beide sehr wirkungsvoll, konnten dem Spiel ihrer Mannschaft meistens ebenso wenig Impulse verleihen, wie Mkhitaryan. Der Armenier zeigte sich sehr engagiert und arbeitete sehr viel für das Team - offensiv blieb er jedoch weitestgehend wirkungslos. Lediglich Mats Hummels verstand es phasenweise, den Dortmunder Aktionen aus hinterster Position ein wenig "spielerischen Anstrich" zu verleihen.

Der Sieg des BVB war zwar ein wenig glücklich, aber nicht gänzlich unverdient. Borussia agierte mit großem Engagement. Die Mannschaft zeigte sich defensiv sehr geschlossen und diszipliniert und erlaubte den Freiburgern nicht eine einzige hundertprozentige Torchance. Auch das ist Qualität und spricht letztlich für lange vermißte defensive Stabilität.

Am kommenden Wochenende empfängt der BVB den Namensvetter aus Mönchengladbach. Da die Konkurrenz aus Leverkusen (beim FC Bayern) und der verbotenen Stadt (beim FC Augsburg) vor sehr schweren Auswärtsaufgaben steht, könnte sich Borussia durch einen Heimsieg weiter absetzen und einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur direkten Champions-League-Qualifikation machen.


DIE STATISTIK

SC Freiburg: Baumann – Sorg, Krmas, Ginter, Günter – Schuster, Fernandes – Schmid, Darida - Zulechner, Mehmedi
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Sahin, Kehl – Aubameyang, Mkhitaryan, Großkreutz – Schieber 
Einwechselungen: 66. Kerk für Darida, 70. Klaus für Zulechner, 76. Coquelin für Schuster - 63. Kirch für Sahin, 74. Hofmann für Schieber, 90.+3 Friedrich für Mkhitaryan
Tor: 0:1 Kehl (58., Großkreutz)
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Gelbe Karten: Fernandes - Mkhitaryan, Sokratis
Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)


HIER SPRICHT KLOPPO

"Ich kann nachvollziehen, dass jeder, der zu Freiburg hält, enttäuscht ist. Es war aus unterschiedlichen Gründen schwer. An so einem Tag haben wir alle unsere Probleme – und sie waren schon unter der Woche nicht weniger geworden. Wir hatten nur vier Leute im Training. Dann kommst du hier her, die Sonne scheint, was die meisten Zuschauer gefreut hat, doch so ein Wetterumschwung ist kein Zuckerschlecken. Und dann treffen wir auf einen hochmotivierten Gegner, der im Abstiegskampf steckt und kicken kann. Da musst du richtig arbeiten. Meine Mannschaft hat eine große Willenskraft, aber ein schlechtes Timing gezeigt. Glücklicherweise hat die letzte Linie toll verteidigt, deshalb ist nichts angebrannt. Wir sind im Spiel geblieben und haben durch eine Situation gewonnen, zu der ich Sebastian Kehl noch befragen muss, ob er den Ball so machen will oder nicht. In der Schlussphase hatten wir einige Konterchancen. Wenn wir die genutzt hätten, wäre das Ding entschieden gewesen. So mussten wir bis zum Ende zittern. Freiburg hat ein gutes Spiel gemacht und uns alles abverlangt. Der Sieg ist glücklich, aber nicht unverdient, weil wir keine große Torchance zulassen mussten. Die Szene mit Sokratis habe ich jetzt mehrfach im Fernsehen gesehen. Das ist ein Foul, das ist ein Freistoß, obwohl er ihn nicht berührt – zum Glück nicht berührt. Zulechner hat sich den Ball so weit vorgelegt, dass es keine 100prozentige Torchance ist. Dadurch ist das für mich Gelb."


MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (3), Piszczek (3,5), Sokratis (3,5), Hummels (2,5), Schmelzer (3,5), Sahin (4), Kehl (3), Aubameyang (5), Mkhitaryan (3,5), Großkreutz (3,5), Schieber (3,5), Hofmann (-), Kirch (-), Friedrich (-).