Sonntag, 16. März 2014

1:2 - Engagierter BVB ideenlos und ohne Fortune

Zähneknirschend und unglücklich, am Ende aber nicht unverdient, mußte Borussia Dortmund am Nachmittag gegen den Namensvetter vom Niederrhein vor 80.645 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion in eine 1:2-Niederlage einwilligen. In einem temporeichen und intensiven, spielerisch jedoch nur auf mäßigem Niveau ausgetragenen Spiel des 25. Spieltags, vergab der BVB gegen Borussia Mönchengladbach die große Chance, sich entscheidend vom 4. Platz abzusetzen - bleibt aber weiter auf Platz 2. Für die Elf von Lucien Favre bedeutete das Ergebnis das Ende einer Serie von zuletzt neun sieglosen Bundesligaspielen. Das 1:2 war Dortmunds erste Heimniederlage gegen Gladbach seit 1998.

Luftduell Arango / Lewandowski (Foto: kicker)
PERSONAL

Während die Gäste bis auf Oscar Wendt mit ihrem kompletten Kader antreten konnten, mußte Jürgen Klopp neben den Langzeitverletzten Subotic, Gündogan, Blaszczykowski und Bender weiterhin auch auf Marco Reus (muskuläre Probleme) sowie den gelbgesperrten Henrikh Mkhitaryan verzichten. Für ihn rückte Jonas Hofmann in die Mannschaft und kam somit zu seinem ersten Startelfeinsatz. Ggenüber dem 1:0-Sieg in Freiburg kehrte Robert Lewandowski ins Team zurück und verdrängte Julian Schieber auf die Bank.


SPIELVERLAUF

Die Gäste machten dem BVB von Beginn an das Leben schwer und ließen Dortmund mit frühem und hohem Gegenpressing nicht ins Spiel kommen. Die Ballgewinne nutzte Gladbach zu schnellen und gefährlichen Angriffen und stellte zunächst die spielerisch bessere Mannschaft. Dortmund agierte fehlerhaft und kam zunächst kaum zu nennenswerten Abschlußmöglichkeiten gegen die dicht gestaffelten und defensiv gut organisierten Gäste. Mitte der ersten Halbzeit fand der BVB dann besser ins Spiel und kam durch ein Hummels-Solo (23. Minute) und einen Aluminium-Treffer von Aubameyang (29.) zu seinen größten Möglichkeiten.

Wirkt überspielt: Nuri Sahin (Foto: kicker)
Gladbach wirkte dennoch entschlossener und ballsicherer, aggressiver in den Zweikämpfen und vor allem mit weniger Fehlern im Offensivspiel. Mitten in die überlegene Dortmunder Phase schlugen die "Fohlen" dann eiskalt zu. Eine flache Hereingabe von Herrmann nutzte Raffael und überwand den verdutzten Weidenfeller aus kurzer Distanz. Der BVB zeigte sich geschockt und lief kurze Zeit später völlig kopflos in den nächsten Konter der Gladbacher. Von Arango und erneut Herrmann hervorragend freigespielt, düpierte Kruse Verteidiger Piszczek und den völlig unnötig aus dem Tor eilenden Weidenfeller zum 0:2.

Nach dem Wechsel nahm die Partie an Intensität und Tempo zu. Dortmund wirkte engagierter und entschlossener, fand aber gegen die nun tief gestaffelten Gladbacher kaum wirksame Mittel. In den letzten Aktionen vorm gegnerischen Tor fehlten dem BVB Genauigkeit und Ideen. Dennoch hatten Großkreutz und Aubameyang in der 56. Minute zwei gute Möglichkeiten zum Anschlußtreffer. Zwingender jedoch waren die Gladbacher Chancen durch Kruse und Hermann (53. und 60.).

Die nun immer wütender attackierenden Dortmunder drängten aber zunehmend auf das 1:2. Lewandowski scheiterte dabei in der 66. Minute am überragend reagierenden ter Stegen. Kurz darauf mußte der bereits verwarnte Nordtveit nach Foul am eingewechselten Ducksch mit Ampelkarte vom Platz, während Schiedsrichter Aytekin den Gastgebern im Anschluß einen Strafstoß verwehrte, als Daems einen Schuß des kurz zuvor eingewechselten Ducksch mit Hand und Brust blockte (74.). Dortmund drückte nun immer stärker und kam in der 77. Minute durch den eingewechselten Jojic zum längst fälligen Anschlußtreffer. In der hektischen Schlußphase agierte der BVB zwar sehr engagiert - aber nach wie vor kopflos. Zudem verweigerte Aytekin einem Treffer von Ducksch (nach angeblichem Foul Lewandowskis an ter Stegen) die Anerkennung (88.) und schickte den protestierenden BVB-Coach Klopp kurz darauf auf die Tribüne. Die Gäste brachten das 2:1 dann letztlich glücklich über die Zeit.

Zweikampf Herrmann / Großkreutz (Foto: kicker)
Auch wenn Dortmund in nahezu sämtlichen statistischen Werten die Nase vorn hatte, war Gladbachs Sieg insgesamt glücklich - aber nicht unverdient. Die Favre-Elf gewann schlußendlich aufgrund der höheren Effektivität sowie  der größeren Zielstrebigkeit und Entschlossenheit. Dem oft zu zögerlichen und zaudernden BVB fehlte es zunächst an Esprit und Ideen, später dann an Klarheit und Genauigkeit in den Aktionen sowie auch am nötigen Fortune.

Die zwingendste Phase der Dortmunder begann mit den Einwechslungen von Jojic und Ducksch, die dem Spiel der Klopp-Elf sichtlich gut taten. Besonders Ducksch entpuppte sich als permanenter Unruheherd für Gladbachs Abwehr, die zuvor gegen die zwar engagierten aber ideen- und kopflos sowie ohne Überraschungsmomente agierenden Dortmunder kaum vor ernsthafte Probleme gestellt wurde.

Dem BVB merkte man das Fehlen von Reus und Mkhitaryan deutlich an. Der Ausfall der beiden torgefährlichen und technisch herausragenden Offensivkräfte war an diesem Tag gegen gut organisierte Gäste nicht zu kompensieren. Aus dem "hinteren" Kreativzentrum (Sahin, Kehl) kam einfach zu wenig "Brauchbares", während Hofmann in der offensiven Zentrale ein durchaus gutes Spiel ablieferte. Da Dortmund auch über die Außenpositionen (Piszczek/Aubameyang rechts, Schmelzer/Großkreutz links) kaum Gefahr entwickeln konnte und aus den hinteren Reihen teilweise mit zu vielen langen Bällen agierte, hatte die Gäste-Defensive oft leichtes Spiel gegen den in vorderster Front zu häufig auf sich allein gestellten Lewandowski.

Knapp vorbei, Weidenfeller im Glück (Foto: kicker)
Allerdings brachte dieser gebrauchte Nachmittag durchaus auch positive Erkenntnisse. So konnte sich neben dem bereits erwähnten Hofmann auch die eingewechselten Jojic und Ducksch für weitere Einsätze empfehlen. Besonders Marvin Ducksch machte nachdrücklich auf sich aufmerksam und bewies, daß er im BVB-Kader eine absolut vollwertige Alternative darstellt. Das gleiche gilt für Milos Jojic, dem nicht nur sein zweiter Bundesliga-Treffer gelang. Der Serbe stellte unter Beweis, daß es an der Zeit wäre, langsam auch mal von Beginn an eine Chance zu erhalten - zumal Nuri Sahin mittlerweile auf dem Zahnfleisch läuft. Der Deutsch-Türke wirkte erneut überspielt und braucht dringend eine schöpferische Pause. Anders Aubameyang - der Gabuner trat einmal mehr kaum in Erscheinung und gibt mit seinen oft viel zu leblosen Auftritten nach wie vor einige Rätsel auf.

Für den BVB gilt es nun, das Ergebnis möglichst schnell aus den Köpfen zu bekommen. Die kommenden Wochen haben es in sich und schon am Mittwoch wartet mit Zenit St.Petersburg im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League der nächste hochkarätige Gegner auf die Klopp-Elf. Am kommenden Samstag tritt Borussia in Hannover an, während es am Dienstag darauf im Westfalenstadion zum Derby gegen "die Blauen" aus der verbotenen Stadt kommt.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel (präsentiert von SportLiveDortmund)





DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl, Sahin – Aubameyang, Hofmann, Großkreutz - Lewandowski
Bor. Mönchengladbach: ter Stegen – Korb, Stranzl, Dominguez, Daems – Nordtveit, Kramer – Herrmann, Arango – Kruse, Raffael
Einwechselungen: 63. Jojic für Kehl, 67. Ducksch für Piszczek, 82. Schieber für Aubameyang - 75. Marx für Kruse, 79. Rupp für Herrmann, 89. Brouwers für Raffael
Tore: 0:1 Raffael (31., Herrmann), 0:2 Kruse (40., Arango), 1:2 Jojic (77.)
Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Gelb-Rote Karte: Nordtveit (69., wiederholtes Foulspiekl)
Gelbe Karte: Lewandowski
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)


HIER SPRICHT KLOPPO

Wir haben nicht so viel falsch gemacht, als dass es zur Pause hätte 0:2 stehen müssen. Wir haben in der ersten Halbzeit drei entscheidende Zweikämpfe verloren, und in der einen oder anderen Szene hat uns die letzte Konsequenz gefehlt. In der Kabine waren wir zur Halbzeit sehr positiv und hatten das Gefühl, dass wir da noch einiges regeln können. Natürlich sind uns einige Bälle durchgerutscht, es gab ein paar Ungenauigkeiten, und dann wirst du auch unruhiger. Aber es gab den Moment, wo wir gemerkt haben, da ist Zug drin. Und da waren wir im Spiel. Ich bin bereit, vor allem intern, immer Kritik zu üben, wenn es angebracht ist. Aber heute war das nicht der Fall. 
Der vierte Offizielle hat mich hochgeschickt. Ich weiß, was ich gesagt habe, es gab eine Situation, da habe ich mich zu ihm umgedreht und ihm gesagt, da pfeifst du jetzt nicht. Mehr war nicht. Ich bin oft zu Recht bestraft worden, diesmal war nichts. Für so etwas kann man mich nicht wegschicken. Da läuft die 93. Minute, 80.000 Menschen sind aufgebracht, und man soll total die Ruhe bewahren? Mir sind alle Hände gebunden, aber mehr war wirklich nicht


MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (4), Piszczek (5), Sokratis (3), Hummels (3), Schmelzer (4,5), Sahin (5), Kehl (4,5), Aubameyang (5), Hofmann (3), Großkreutz (4,5), Lewandowski (4), Jojic (3), Ducksch (2,5), Schieber (-).