Mittwoch, 20. November 2013

Giganten-Special (2) - BVB und Bayern im Teamcheck

geschrieben von Markus Flügel

Der Tag des großen Spiels rückt immer näher. Das Fieber steigt. Nach der kleinen Zeitreise im Giganten-Special (1) widme ich mich diesmal den beiden aktuellen Mannschaften des BVB und des FC Bayern. Markus` BVB-Blog vergleicht die beiden Teams. Ein Kadervergleich ist in diesem Fall irrelevant, weil der Kader des FC Bayern an Breite und Ausgeglichenheit nicht nur national seinesgleichen sucht. Insofern bezieht sich mein Vergleich ausschliesslich auf die zu erwartenden Startformationen beider Teams. Und da siehts für den BVB gar nicht schlecht aus.

Beim nachfolgenden Team-Vergleich lege ich die beiden wahrscheinlichen Startformationen zugrunde, die sich natürlich bis zum Samstag noch ändern können.

BVB:
Weidenfeller - Großkreutz, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin - Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski.
Bayern:
Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Lahm - Robben, Müller, Kroos, Ribery - Mandzukic.


TORHÜTER

Mittlerweile gibt es vor allem unter neutralen Fußball-Fans und Experten nicht wenige, die Roman Weidenfeller auf eine Stufe mit Manuel Neuer oder gar eine darüber stellen. Und das völlig zu Recht. Weidenfeller ist der in den letzten Jahren mit Abstand konstanteste deutsche Keeper, sowohl national als auch international. Dem BVB-Keeper unterlaufen im Gegensatz zu seinem Münchner Kontrahenten erheblich weniger Patzer. Neuer-Fans führen dies auf die oft vorherrschende Beschäftigungslosigkeit des Bayern-Keepers zurück. Doch leidet auch Weidenfeller in den meisten Spielen unter diesem Zustand. Außerdem strahlt Weidenfeller erheblich mehr Ruhe aus, als der oft "zappelig" wirkende Neuer. Der Bayern-Keeper ist zweifellos der bessere Fußballer. Doch das Kerngeschäft eines Torhüters ist und bleibt nunmal das Parieren von gegnerischen Torchancen. In Eins-gegen-Eins-Situationen stellen übrigens beide absolute Weltklasse dar. Alle statistischen Werte der letzten Jahre sehen den Dortmunder zudem eindeutig im Vorteil gegenüber Löws Nummer 1. Neuer lebt in hohem Maße vom auch in weiten Teilen der Presse vorherrschenden Bayern-Bonus. Hypothetisch, aber meiner Meinung nach ganz klar: wäre Neuer noch in Diensten von Schalke und Weidenfeller im Bayern-Tor, wäre Letzterer längst auch bei Löw eindeutig die Nummer 1. Aber zum Glück ist es so wie es ist. Denn mit "Weide" hat Dortmund den momentan besten deutschen Keeper zwischen den Pfosten.

Vorteil - wenn auch nur knapp - für Dortmund!


AUSSENVERTEIDIGER

Schlüsselduell: Großkreutz, Ribery
Das Duell der Linksverteidiger geht klar zu Gunsten des FC Bayern. David Alaba ist einer der Top-Spieler Europas auf dieser Position. Der Österreicher hat sich innerhalb weniger Monate zu einem Spieler der internationalen Extraklasse entwickelt. Alaba findet stets die richtige Balance zwischen Erledigung seiner Defensivaufgaben und gefährlichen Offensivaktionen. Seine Flanken sind brandgefährlich. Zudem gilt Alaba als äußerst fairer Spieler. Dortmunds Marcel Schmelzer gilt als Laufwunder mit Pferdelunge und profitiert von seinem unbändigen Einsatzwillen und seiner Stärke in den Defensivzweikämpfen. Offensiv hat "Schmelle" jedoch eindeutig Steigerungspotential.

Auf der rechten Seite ist Kevin Großkreutz von einer Notlösung längst zu einem Rechtsverteidiger auf allerhöchstem Niveau geworden. Mittlerweile gilt der "Dortmunder Jung" gar wieder als ernsthafte Alternative für Jogi Löws WM-Kader und hat in Oliver Kahn und Lothar Matthäus prominente Fürsprecher. Großkreutz hat den kurz vor seinem Comeback stehenden Lukasz Piszczek mehr als gut vertreten. Den Dortmunder zeichnen neben seinem unbändigen Willen und der unglaublichen Laufstärke vor allem Spielintelligenz und starkes Zweikampfverhalten aus. Bayerns Rafinha gilt dagegen als nickelig. Der Brasilianer bedient sich in der Bearbeitung seiner Gegenspieler oft Mitteln, die über das erlaubte Maß hinausgehen. Zudem fehlt es seinen nur selten vorgetragenen Offensivaktionen meistens an der nötigen Genauigkeit und Entschlossenheit. Weiteres Plus von Großkreutz ist seine Variabilität. Der Dortmunder kann auf nahezu allen Positionen - mit Ausnahme der Torhüterposition - risikolos und ohne Bedenken eingesetzt werden.

Vorteil: links für Bayern, rechts für Dortmund. Also remis!


INNENVERTEIDIGUNG

Internationale Klasse: Sokratis
Hier enden beide "Duelle" unentschieden. Sokratis und Boateng bewegen sich genauso auf gleichwertigem Niveau wie Dante und Hummels. Der griechische Nationalspieler gilt als eisenharter aber fairer Spieler, der zudem in seiner Außenwirkung extrem abgeklärt daherkommt. Bayerns Boateng hat sich in den letzten Monaten zu einem internationalen Klasse-Mann entwickelt, der zu Recht mittlerweile auch in der Nationalmannschaft als gesetzt gilt. Beiden Spielern fehlt es noch an Initiative und Ideen in der Spieleröffnung, gegen den Mann verkörpern sie jedoch internationale Klasse.
Dante und Hummels sind die eindeutigen "Chefs" ihrer jeweiligen Abwehrformation. Der Brasilianer wirkt im Bayern-Verbund mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit wie ein Fels in der Brandung. Hummels` Stärken liegen im Antizipieren und dem frühen Erkennen von gefährlichen Situationen, die dem Dortmunder meist den entscheidenden Vorteil im Zweikampf verschaffen. Beide Akteure sind extrem kopfballstark und somit auch bei eigenen Standardsituationen echte Waffen im gegnerischen Strafraum. In der Spieleröffnung beschränkt sich Dante meistens auf den "sicheren" Ball zum am nächsten postierten Mitspieler. Hummels dagegen agiert risikoreicher und marschiert öfter mit Ball in die gegnerische Hälfte oder eröffnet eigene Angriffe mit meist zentimetergenau geschlagenen langen Bällen auf die schnellen Dortmunder Offensivakteure.

Vorteil: Fehlanzeige. Beide Duelle enden remis!


DEFENSIVES MITTELFELD

Abräumer: Sven Bender
Zu vergleichen sind hier Lahm und Bender sowie Sahin und Kroos. Zwar agiert der FC Bayern momentan offiziell nur mit einem Sechser, doch läßt sich einer der vier offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler immer wieder auf die "Sechs" fallen, wenn sich Lahm mit ins Offensivspiel einschaltet oder der Gegner in Ballbesitz ist. Bei der oben angenommenen Startformation wäre Kroos derjenige, der seinem Kapitän bei Offensivvorstößen den Rücken freihält.

Der Vergleich Bender/Lahm geht klar zugunsten des Bayern-Kapitäns. Über dessen Stärken noch irgendwelche Wort zu verlieren, ist völlig unangemessen - da jedem bekannt. Lahm verkörpert auch im defensiven Mittelfeld absolute Weltklasse. Sven Bender ist für den BVB dennoch ein extrem wichtiger Spieler, der immer wieder durch seine Zweikampf- und Laufstärke, aber auch durch das Vorausahnen von Spielsituationen sich anbahnende Gefahrensituationen gar nicht erst zuläßt und schon im Keime erstickt.
Sahin und Kroos spielen dagegen auf einem Level. Nach Gündogans Ausfall brauchte Sahin eine gewisse Anlaufzeit, hat sich mittlerweile aber auf der strategisch wichtigen Position des kreativen Sechsers im Dortmunder Mittelfeld etabliert. Zwar erscheint Kroos in seinen Offensivaktionen aufgrund seiner außergewöhnlichen Technik, Spielübersicht und Torgefährlichkeit gegenüber dem Türken im Vorteil. Dies gleicht Sahin jedoch durch sein erheblich besseres Verhalten in defensiven Zweikämpfen aus.

Vorteil insgesamt: knapp für Bayern!


OFFENSIVES MITTELFELD

Blaszczykowski/Robben - Mkhitaryan/Müller - Reus/Ribery lauten hier die zu vergleichenden Pärchen.

Remis endet das Duell zwischen "Kuba" und Robben. Zwar hat der Holländer eindeutige technische Vorteile und ist von beiden der torgefährlichere Spieler. Doch Blaszczykowski ist in Zweikampfstärke, Defensivarbeit und Laufstärke im Vorteil. Zudem hat der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft aufgrund seiner Dynamik durchaus auch Stärken in der Offensive.

Im Vergleich Mkhitaryan und Thomas Müller ist der Münchner im Vorteil. Einen Spieler wie Müller wünscht sich jede Mannschaft. Der Nationalspieler hat kaum Schwächen, ist torgefährlich und extrem variabel. Zudem zeichnet sich Müller durch extreme Laufbereitschaft und Unberechenbarkeit in seinen Aktionen aus. Dortmunds Neuzugang Mkhitaryan verkörpert zwar internationale Klasse, ist bisher aber den endgültigen Beweis seiner Klasse noch schuldig geblieben. Dem Armenier fehlt noch die Konstanz in seinen Leistungen. Das aber ist nach vier Monaten Eingewöhnungszeit in neuem Verein und neuer Kultur durchaus normal. Daß "Miki" auch Spiele allein entscheiden kann, hat er bereits bewiesen. Weltklasse sind defintiv seine Balleroberungen, die er sich jedoch noch zu oft durch dann folgende schlampige Abspiele selbst wieder "kaputt" macht.

BVB-Flügelzange: Reus und "Kuba"
Bleiben noch Marco Reus und Franck Ribery. Der Franzose trägt zurecht den Titel "Europas Fußballer des Jahres" und verkörpert in der Offensive absolute Weltklasse. Ebenso wie bei Philipp Lahm muß man über Riberys Klasse keine großen Worte verlieren. Dennoch hat der Franzose Schwächen im Defensivverhalten und ist ein echter Heißsporn, der sich sehr leicht provozieren läßt und somit oftmals am Rande eines Platzverweises wandelt. Marco Reus ist vielleicht einen Tick torgefährlicher als Ribery, steht jedoch in puncto Dribblings auf engstem Raum hinter dem Franzosen hintenan. Dagegen hat Reus widerum Vorteile im Defensivverhalten. Mittlerweile hat der Ex-Gladbacher das Dortmunder Pressing verinnerlicht und geht auch in der Defensive weite und wirkungsvolle Wege. Was die Vielseitigkeit angeht, endet dieses Duell ebenfalls remis. Sowohl Reus als auch Ribery sind sowohl auf allen offensiven Mittelfeldpositionen als auch im Angriff einsetzbar.

Vorteil: knapp für Bayern (Thomas Müller sei Dank!)


ANGRIFF

Das Duell Lewandowski gegen Mandzukic geht an den (Noch-) Dortmunder. Lewandowski verkörpert absolute Weltklasse. Echte Schwächen sind beim polnischen Nationalspieler nicht auszumachen. Der Borusse gilt als kompletter Stürmer. Zwar kratzt auch Mandzukic am Prädikat "Weltklasse", doch gilt der Kroate als reiner "Stoßstürmer". Lewandowski dagegen ist erheblich variabler, läßt sich schon mal fallen und weicht auf die Flügel aus. Zudem ist der Pole auch in der Rückwärtsbewegung absolut vorbildlich. Unschlagbar ist seine Ballbehauptung bei hohen Anspielen, meistens gegen mehrere Gegenspieler. Zudem hat "Lewy" Vorteile bei Dribblings auf engstem Raum. Und auch in Sachen Vielseitigkeit liegt der Pole vor seinem Kontrahenten aus München. Lewandowski kann auch hinter den Spitzen auf der "Zehn" spielen, was er zu Zeiten eines Lucas Barrios oft genug bewiesen hat. Vorteil für Mandzukic dagegen in Sachen Effektivität. Der Münchner gilt vor dem Tor als eiskalt, während sein Dortmunder Pendant schon mal die ein oder andere "Hundertprozentige" liegen läßt. Alles in allem jedoch gewinnt Lewandowski den Vergleich mit Bayerns Sturmführer.

Vorteil: knapp für Dortmund!
Absolute Weltklasse: Lewandowski


FAZIT

Der Vergleich der Startformationen endet remis. Für den Samstagabend wäre das für den BVB definitiv zu wenig. Doch spricht ein nicht zu unterschätzender Aspekt für einen Erfolg der Borussia. Und das ist der 12. Mann. Die Südtribüne ist das Faustpfand des BVB, besonders in knappen und engen Spielen - und besonders gegen Gegner wie Bayern München. Die 25.000 Zuschauer fassende "gelbe Wand" wirkt auf die Heim-Elf wie ein Aufputschmittel. Sie setzt letzte Kräfte frei, beflügelt den Willen der eigenen Mannschaft, auch ein eventuell schon verloren geglaubtes Spiel noch zu drehen.

Borussias 12.Mann: die legendäre Südtribüne
Beim Vergleich der beiden Teams habe ich versucht, mit der für ein solches Unterfangen notwendigen Objektivität vorzugehen. Natürlich wird es hier, ebenso wie z.B. bei den Aufstellungen der deutschen Nationalmannschaft, tausende anderer Meinungen und Einschätzungen - vor allem aus Bayern-Sicht - geben. Und vielleicht werden meine obigen Einschätzungen am Samstagabend auch ad absurdum geführt. Doch genau das ist es doch, was den Fußball so spannend und interessant macht. Jedenfalls freue ich mich wie Millionen anderer Fußball-Fans auf ein echtes sportliches Highlight, wenn am Samstag abend das Giganten-Duell im Westfalenstadion angepfiffen wird. Zweifellos treffen dort die beiden besten deutschen Mannschaften aufeinander. Und auch wenn der BVB momentan in der Champions League aufgrund der eindeutig schwierigeren Gruppe nicht die Souveränität der Bayern an den Tag legt, gelten beide Mannschaften auch europaweit zu den absoluten Top-Teams.

In diesem Sinne - auf ein spannendes und aufregendes Match am Samstag! Trotzdem gilt natürlich wie immer an dieser Stelle einzig und allein: NUR  DER  BVB !!

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