Sonntag, 10. November 2013

Borussias schwarzer Samstag - Punkte weg, Subotic schwer verletzt

Ein Unglück kommt selten allein. An diesem Samstag brach es doppelt über Borussia Dortmund herein. Der BVB verlor nicht nur völlig unnötig sein Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg - noch schwerer dürfte der Verlust von Innenverteidiger Neven Subotic wiegen, der kurz vor der Halbzeit mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt wurde. Für die Schwattgelben bedeutet die Niederlage in der Autostadt den zweiten herben Rückschlag innerhalb weniger Tage.

PERSONAL

Gegenüber der bitteren 0:1-Schlappe gegen Arsenal London veränderte Jürgen Klopp seine Startformation auf zwei Positionen. Mats Hummels kam für Sokratis und Pierre-Emerick Aubameyang ersetzte den an einem Magen-Darm-Virus leidenden Jakub Blaszczykowski. Kapitän Sebastian Kehl stand erstmals wieder im Kader. Bei den "Wölfen" fehlte Spielmacher Diego, der durch Daniel Caligiuri ersetzt wurde.

Jubel nach dem 1:0: Sahin, Hummels, Reus
 SPIELVERLAUF

Beide Mannschaften tasteten sich in den Anfangsminuten ab, Wolfsburg attackierte die Borussia bei Ballbesitz sehr aggressiv. Zwar merkte man den Schwattgelben an, daß sie sich erstmal die Müdigkeit der englischen Woche aus den Beinen laufen mußten. Und dennoch war es die Klopp-Elf, die durch Hummels und Aubameyang erste Torgefahr entwickelte (7. und 9.Minute). Danach bot sich den Zuschauern ein taktischer Abnutzungskampf, bei dem Borussia seltsam zurückhaltend wirkte. Das sonst so starke Gegenpressing des BVB blieb weitestgehend aus, so daß Wolfsburg Mitte der ersten Hälfte die Initiative übernahm und sich klare Feldvorteile verschaffte. Perisic, Medojevic und Ochs konnten jedoch aus den sich bietenden Chancen kein Kapital schlagen. Als Marco Reus mit einem herrlichen Freistoßtor den BVB in der 45.Minute in Führung brachte, befand sich Neven Subotic bereits in der Kabine. Der Serbe zog sich in einem Zweikampf mit Olic kurz vor der Halbzeit einen doppelten Kreuzbandriß zu und sorgte für einen echten Schock im schwattgelben Lager. Sokratis übernahm dessen Position neben Hummels.

Im zweiten Abschnitt begann der BVB wesentlich aggressiver und erspielte sich einige gute Möglichkeiten. Aubameyang hatte in der 54. Minute das 2:0 und die Vorentscheidung auf dem Fuß. Doch schoß der Gabuner nach glänzender Vorarbeit von Mkhitaryan knapp am Wolfsburger Gehäuse vorbei. Und es kam, wie es kommen mußte. Nur zwei Minuten später bestrafte der VfL die ausgelassene Großchance des BVB. Rodriguez zirkelte einen Ball in den Dortmunder Strafraum, den Freund und Feind verpaßten. Der irritierte Weidenfeller hatte gegen den sich in die lange Ecke senkenden Ball keine Chance.

Schock: Subotic verletzte sich schwer
Danach bekämpften sich beide Mannschaften vehement, ohne daß sich eine der beiden Parteien entscheidend hätte in Szene setzen können. Als Olic mit einem unwiderstehlichen Fernschuß das für Weidenfeller unhaltbare 2:1 erzielte, war das Spiel jedoch vollends gekippt. Borussias einzige Antwort auf den Rückstand bestand aus einem Freistoß von Reus aus ähnlicher Position wie beim 1:0. Diesmal senkte sich das Leder jedoch nicht ins Wolfsburger Gehäuse, sondern prallte ans Lattenkreuz des von Benaglio gehüteten VfL-Gehäuses.

Danach verpufften die Dortmunder Angriffsbemühungen, denen es sowohl an Entschlossenheit und Zielstrebigkeit als auch an Genauigkeit fehlte, zusehends. Der Kräfteverschleiß der englischen Woche wurde zunehmend spürbarer. Und dennoch gab es in der Nachspielzeit noch zwei große Aufreger. Beide Male wurde Lewandowski in einschußbereiter Position regelwidrig an einem kontrollierten Abschluß gehindert. Dem zuvor bereits katastrophal pfeifenden und mit zweierlei Maß messenden Schiedsrichter Drees waren die Fouls wohl nicht "brutal" genug. Jedenfalls blieb seine Pfeife in beiden Fällen unerklärlicherweise stumm. Somit blieb es bei der 1:2-Niederlage für den BVB, gegen den sich an diesem Tag alles verschworen zu haben schien. Nach dem unglücklichen 0:1 gegen Arsenal die zweite bittere Niederlage innerhalb weniger Tage. Noch bitterer allerdings erscheint die schwere Verletzung von Neven Subotic, der wohl mindestens ein halbes Jahr ausfallen wird.

Rodriguez trifft zum 1:1
FAZIT / MEINUNG / ANALYSE

Das CL-Spiel gegen Arsenal wirkte sich in doppelter Hinsicht negativ auf die Leistung des BVB in Wolfsburg aus. Sowohl mental als auch körperlich war der Borussia während der kompletten Spielzeit der Kräfteverschleiß deutlich anzumerken. Die Zweikampfstatistik von 58:42 für den VfL Wolfsburg spricht eine deutliche Sprache. Kaum ein Dortmunder Spieler erreichte seine Normalform. Zwar kann man der Mannschaft den Willen zur Leistung nicht absprechen, doch fehlte es dem Spiel der Schwattgelben sowohl an Entschlossenheit als auch an Zielstrebigkeit und vor allem an Genauigkeit. Die teilweise einfachen und leichtfertigen Ballverluste im Aufbauspiel lassen sich nur durch fehlende Konzentration aufgrund des Kräfteverschleißes der englischen Woche erklären. Auch dem Gegenpressing, das diesmal nur ansatzweise funktionierte, fehlte es an der BVB-typischen Aggressivität.

Zu bemängeln ist leider auch die fehlende Effizienz im Torabschluß. Borussia versäumte es vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit - ähnlich wie schon in Gladbach - den Sack zuzumachen. Positiv ist zu erwähnen, daß die Mannschaft nach dem Subotic-Schock schnell den Führungstreffer erzielen konnte und sich später nach dem Rückstand nicht aufgab. Der Wille, das Spiel nochmal zu drehen, war absolut vorhanden - konnte an diesem Tag aber einfach nicht gewohnt erfolgreich umgesetzt werden. Leider kam Borussia an diesem Tag gegen allerdings auch sehr starke Wolfsburger über einige gute Ansätze nicht hinaus.

Olic trifft unhaltbar zum 2:1
Auch Jürgen Klopp unterlief an diesem so bitteren Nachmittag ein entscheidender Fehler. Unser Coach muß sich diesmal den Vorwurf gefallen lassen, Marcel Schmelzer nicht schon zur Pause ausgewechselt zu haben. Der Nationalspieler ist nach seiner Verletzung weiterhin meilenweit von seiner Bestform entfernt und war ein ständiger Unsicherheitsfaktor im Dortmunder Defensivverbund. Bezeichnend, daß Schmelzer Olic bei dessen Dribbling, das dem Siegtreffer voranging, nicht ansatzweise attackierte oder störte. Derselbe Fehler war ihm schon in beiden Spielen gegen Arsenal London unterlaufen. Auch hier führte dieses für Schmelzer eigentlich völlig untypische Fehlverhalten zu je einem Gegentor pro Spiel. Doch "Schmelle" wird wieder zu alter Form finden - das steht für mich außer Frage.

Dazu kommen zwei Dinge, die nicht als Entschuldigung herhalten sollen, aber auch als Gründe für die Niederlage anzuführen sind. Da ist zum einen die bereits angesprochene Schiedsrichterleistung. Dr. Drees muß man an diesem Tag einfach grobe Mängel in Sachen Zweikampfbewertung vorwerfen. Schon während des Spiels fand er zu keiner Zeit eine für beide Seiten einheitliche Regelauslegung in teilweise eindeutigen Situationen. Die beiden nicht gegebenen Elfmeter in der Nachspielzeit setzten seiner katastrophalen Gesamtleistung schließlich die Krone auf.

Zum anderen ist Borussia auch ein Opfer des Spielplans. Dieses Thema wurde bisher besonders von der ohnehin weitgehend unter chronischem Bayern-Lobbyismus leidenden Medienlandschaft nicht erwähnt - verdient aber eine eben solche, weil durchaus sehr nachteilig für den BVB. Die Schwattgelben sind die einzige deutsche Mannschaft, die nach sämtlichen Gruppenspielen der Champions League in der Bundesliga auswärts spielt. Wenn die Gegner dann noch u. a. Gladbach, Schalke und Wolfsburg heißen, ist dies ein Punkt, der durchaus einen erwähnenswerten Nachteil für den BVB darstellt. Zum Vergleich: Bayern mußte nach den ersten beiden CL-Spielen ebenfalls auswärts ran (in Leverkusen und in Schalke), hatte danach jedoch zweimal Heimrecht und genießt selbiges auch nach den beiden noch ausstehenden CL-Spieltagen. Schalke hat sogar im Anschluß an sämtliche Spiele der Königsklasse in der Bundesliga den Heimvorteil auf seiner Seite.

Aufregung: Klopp muss Lewandowski besänftigen
AUSBLICK

Die nun folgende Länderspielpause muß die Borussia nutzen, Kräfte zu sammeln und sich auf die alten Stärken zu besinnen. Zwar werden viele Nationalspieler nicht vor Ort sein, doch wird die Pause der Mannschaft gut tun. Jürgen Klopp wird die richtigen Maßnahmen ergreifen und seine Mannschaft entsprechend auf den Bundesliga-Knaller am 23. November einstellen. Dann gilt es für den BVB, mit einem Dreier im direkten Vergleich den Abstand auf die Bayern wieder auf einen Punkt zu verkürzen. Drei Tage später steht dann mit dem Spiel gegen Neapel ein echtes "Finale" auf dem Programm. Nur ein Sieg gegen die Italiener bewahrt den Schwattgelben eine realistische Chance aufs Erreichen des CL-Achtelfinals.
Zwei Spiele also, die positiv oder aber negativ richtungsweisend für den weiteren Saisonverlauf der Borussia sein werden.

Von dieser Stelle aus wünschen wir Neven Subotic alles Gute und eine schnelle Genesung! Halt die Ohren steif, Neven - und komm schnell wieder. Der BVB braucht dich dringend! In diesem Sinne abschließend wie immer: NUR  DER  BVB!

Text: Markus Flügel   ---------   Fotos: Getty Images

DIE STATISTIK

VfL Wolfsburg: Benaglio - Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez - Medojevic, Luiz Gustavo - Caligiuri, Arnold, Perisic - Olic
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Sahin -Aubameyang, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Einwechselungen: 79. Dost für Olic, 86. Schäfer für Caligiuri, 90.+1 Polak für Arnold - 44. Sokratis für Subotic, 77. Hofmann und Ducksch für Bender und Aubameyang
Tore: 0:1 Reus (45.+2, dir. Freistoß, Mkhitaryan), 1:1 Rodriguez (56., dir. Freistoß), 2:1 Olic (69., Caligiuri)
Schiedsrichter: Dr. Drees (Münster-Sarmsheim)
Gelbe Karten: Caligiuri, Ochs - Bender, Hummels, Mkhitaryan
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)

Zweikampf Mkhitaryan und Arnold
DIE STIMMEN ZUM SPIEL

Jürgen Klopp: "Es war ein enges Spiel. In der ersten Halbzeit hatten wir einige, aber zu wenige gute Momente. Dabei haben wir häufig zwar gut aufgebaut, aber ungenau gespielt und es dem Gegner leicht gemacht. Dennoch machen wir durch ein tolles Freistoßtor das 1:0, kommen gut raus aus der Kabine, sind danach richtig gut im Spiel, dem zweiten Tor näher, doch dann kommt Rodriguez mit einem Riesenfreistoß. Und Olic gelingt ein Traumtor. Anschließend wurde es ein Spiel mit - sagen wir mal - vielen Menschen, die am Boden lagen, mit vielen Freistößen. Wir haben alles versucht, in engen Situationen ist jedoch alles gegen uns gelaufen. Von den zwei Elfmeterszenen hätte man einen schon geben können..."

Dieter Hecking: "Wir haben in der ersten Halbzeit zwei, drei dicke Dinger, und mit etwas Glück gehen wir da in Führung. Wir haben mit hohem läuferischen Aufwand gegen die Qualität von Borussia Dortmund agiert, haben versucht, die Räume zuzulaufen und den Gegner in Zweikämpfe zu verwickeln. Nach dem 1:1 hat die Mannschaft die zweite Luft bekommen und daran geglaubt, das Spiel gewinnen zu können. Wir hatten Möglichkeiten zum 3:1. Es war kein unverdienter Sieg, weil wir viel investiert haben, und weil wir uns den Sieg hart und kompakt erarbeitet haben. Eine herrliche Momentaufnahme, wir sind positiv in aller Munde."
  
Nuri Sahin: "Wir haben es nach der Pause verpasst, noch ein Tor nachzulegen. Danach bringen wir Wolfsburg durch zwei unglückliche Situationen zurück ins Spiel, das darf uns nicht passieren. Wir haben heute sowohl individuell, als auch als Mannschaft Fehler gemacht, für die wir von Wolfsburg bestraft worden sind."

Henrikh Mkhitaryan: "Wir haben in der zweiten Hälfte gut begonnen und hätten das 2:0 machen müssen. Das haben wir leider nicht geschafft und Wolfsburg hat dann eiskalt zugeschlagen. Das ist sehr schade, weil wir uns nach der Niederlage gegen Arsenal sehr viel vorgenommen hatten."

Roman Weidenfeller: "Wenn wir eine Chance nach der Halbzeit nutzen, dann ist das Spiel zu unseren Gunsten gelaufen. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass wir Wolfsburg dazu eingeladen haben, uns heute zu schlagen. Wir haben viel zu viele Freistöße und Ecken produziert und etwas fahrlässig gespielt."
Michael Zorc: "Dass wir in der Nachspielzeit keinen Elfmeter bekommen, ist sehr ärgerlich. Gerade, weil wir auch unter der Woche gegen Arsenal schon eine ähnliche Szene hatten. Die entscheidende Phase des Spiels war direkt nach der Halbzeit. Da hatten wir die besten Gelegenheiten, die wir eigentlich nutzen müssen. Danach bekommen wir dann wie aus dem Nichts den Ausgleich und geraten zu allem Überfluss auch noch in Rückstand. Wolfsburg spielt dann natürlich mit riesiger Leidenschaft. Die Niederlage tut schon weh."

Hans-Joachim Watzke: "Wir haben heute in der ersten Halbzeit erst mal etwas Zeit benötigt, um in die Partie zu finden. Marco bringt uns dann mit einem wunderschönen Tor in Führung, und nach der Pause haben wir Chancen, das 2:0 zu machen, die wir leider nicht nutzen. Danach hat Wolfsburg natürlich eine tolle Moral gezeigt und den offenen Kampf gegen uns gewonnen. Das ist ein kleiner Rückschlag, aber wir werden die Länderspielpause nutzen, um gestärkt daraus hervorzugehen."


MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2,5), Großkreutz (3), Subotic (3), Hummels (4), Schmelzer (5,5), Bender (3,5), Sahin (4,5), Aubameyang (4), Mkhitaryan (4,5), Reus (3,5), Lewandowski (4), Sokratis (3), Hofmann (-), Ducksch (-)

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