Sonntag, 20. April 2014

4:2 - Furioser BVB nicht zu stoppen

Borussia Dortmund hat sein Saisonziel in der Bundesliga erreicht. Am Nachmittag besiegte der BVB den FSV Mainz 05 mit 4:2 und machte damit die direkte Champions-League-Qualifikation perfekt. 80.500 Zuschauer im ausverkauften Westfalenstadion erlebten ein Offensivspektakel und einen offenen Schlagabtausch allererster Güte. Von Müdigkeit oder Erschöpfungszuständen zum Abschluß der fünften englischen Woche in Folge war bei den Schwattgelben nichts zu spüren. Milos Jojic, Robert Lewandowski, Lukasz Piszczek und Marco Reus erzielten die Treffer zum hochverdienten und furios herausgespielten Dortmunder Sieg gegen aufopferungsvoll kämpfende, letztlich aber chancenlose Mainzer.

Borussias 1:0 durch Jojics abgefälschten Schuß. (Foto: kicker)
PERSONAL

Jürgen Klopp änderte die siegreiche Mannschaft aus dem Pokalfight gegen Wolfsburg auf drei Positionen. Weidenfeller und Kehl fehlten leicht angeschlagen, Großkreutz bekam eine längst verdiente schöpferische Pause. Langerak, Kirch und Jojic rückten statt ihrer in die Startformation, die Klopp im altbewährten 4-2-3-1-System ausrichtete.

SPIELVERLAUF

Borussia begann wie die Feuerwehr. Mit schnellen Kombinationen schien der BVB die Gäste überrennen zu wollen. Bereits in der 3. Minute bewahrte der Pfosten die Mainzer nach einem Reus-Freistoß vor einem frühen Rückstand. Zwar versuchte die Tuchel-Elf mit recht harter Gangart die Borussen am Spielaufbau zu hindern, doch die wie entfesselt auftretenden Schwattgelben kamen in der 8. Minute zum 1:0. Einen Schuß von Jojic fälschte Kirch mit einem unabsichtlichen Handspiel unhaltbar für Karius ab. Auch danach Dortmund nicht zu stoppen. Mit teilweise furiosen Ballstafetten kam der BVB immer wieder zu gefährlichen Aktionen vor dem Gästetor. Mkhitaryans Schuß in der 12. Minute wurde von Noveski knapp neben das Tor abgefälscht. Mainz nur sporadisch mit Offensivaktionen, von denen eine in der 14. Minute jedoch zum überraschenden Ausgleich führte. Okazakis Schuß fälschte Hummels unerreichbar für Langerak ins eigene Tor ab.

Dortmund schüttelte sich kurz und spielte danach weiter groß auf. Einen Traumpaß von Sahin auf den rechts durchstartenden Mkhitaryan legte dieser quer zu Lewandowski. Der polnische Torjäger umkurvte Karius und schob mit seinem 18.Saisontor zum 2:1 für den BVB ein (18.). Mit hohem Tempo ging es bis zur Halbzeit weiter. Lewandowski und Reus (22. und 24.) scheiterten bei weiteren Gelegenheiten für Dortmund, Choupo-Moting (25.) und Malli (35.) taten es ihnen für Mainz gleich.

Kollektiver Jubel über Piszczeks 3:2 (Foto:Kicker)
Nach dem Wechsel wollte Dortmund die schnelle Entscheidung und startete ein regelrechtes Powerplay. Reus (48.) und Lewandowski (52.) scheiterten jedoch an Karius. Effektiver zeigten sich die Gäste. Okazaki erlief einen katastrophalen Sahin-Rückpaß und schob ihn am verdutzten Langerak vorbei zum 2:2 ins Tor der Borussia. Doch wie schon nach dem 1:1 ließ die Antwort der Schwattgelben auch diesmal nicht lange auf sich warten. Einen Freistoß von Marco Reus veredelte Lukasz Piszczek zur erneuten Dortmunder Führung. Mit dem Rücken zum Tor stehend beförderte der polnische Rechtsverteidiger das Leder ins Mainzer Gehäuse.

Die Gäste hatten dem nun folgenden Sturmlauf des BVB kaum noch etwas entgegenzusetzen. Zweimal scheiterte Lewandowski an Karius (63., 64.), bevor Okazaki einen Hummels-Kopfball von der Torlinie kratzte (67.). Mainz kam kaum noch zum Luftholen und geriet in puncto Torschüsse bis zur 75. Minute mit 7:21 (!!) in Rückstand. Das 4:2 lag mehr als in der Luft und in der 79. Minute war es dann endlich soweit. Nach einem Traumzuspiel von Reus umkurvte Lewandowski den starken Karius. Seinen strammen Schuß aus spitzem Winkel konnte Bungert nur per Handspiel stoppen und sah dafür die Rote Karte. Den fälligen Strafstoß verwandelte der überragende Reus mit seinem 15. Saisontor zum 4:2 für den BVB. Der Wiederstand der Gäste war nun endgültig gebrochen und Dortmund kam in Überzahl durch den eingewechselten Aubameyang noch zu zwei hochkarätigen Chancen (86., 87.), die dieser jedoch ungenutzt ließ. Am Ende stand ein hochverdienter 4:2-Sieg einer spektakulär aufspielenden Borussia.

ANALYSE

Die Frage muß erlaubt sein: Woher nimmt der BVB diese Energie und Kraft? Trotz andauernder personeller Nackenschläge und zuletzt zwölf Spielen innerhalb von 36 Tagen präsentiert sich Borussia zum Saisonende in Gala-Form. Körperlich und mental befindet sich diese Mannschaft momentan auf absolutem Top-Niveau und spielt hochkarätige Gegner wie Madrid, Bayern München, Wolfsburg und auch die zuvor stark auftrumpfenden Mainzer in Grund und Boden.

Lewandowskis 2:1 für Borussia (Foto: kicker)
Der Schlüssel schlechthin zu dieser bemerkenswerten Verfassung der Dortmunder Mannschaft heißt Jürgen Klopp. Wen immer der Coach derzeit aufstellt und mit welchem System er seine Elf auch ausstattet - Klopp trifft mit seinen Entscheidungen permanent ins Schwarze. Zudem muß der von zahlreichen europäischen Top-Klubs umworbene Erfolgstrainer des BVB auch in puncto Training und Trainingssteuerung einiges richtig machen und gemacht haben. Denn statt, wie er selbst beteuert, auf der letzten Felge zu laufen, präsentiert sich sein ausgedünnter Kader zum Ende einer schwierigen Saison mental und physisch auf allerhöchstem Niveau.

Allen voran Marco Reus. Der Nationalspieler war nie so stark wie momentan. Reus ist der absolute Schlüsselspieler in der Offensive und hat in dem glänzend aufgelegten Mkhitaryan und dem nimmermüden Alleskönner Lewandowski zwei kongeniale Partner. Wenn diese drei aufs Gaspedal drücken, sind sie momentan kaum aufzuhalten.

Natürlich profitieren alle drei auch von Mats Hummels, der nach etlichen Verletzungsunterbechungen endlich zu absoluter körperlicher Fitness gefunden hat und sich mittlerweile in konstant starker Form präsentiert. Der Nationalverteidiger stopft Löcher, gewinnt Zweikämpfe, dirigiert lautstark, zeigt Präsenz und kurbelt die eigene Offensive mit großer Kreativität an. Hummels ist der uneingeschränkte Kopf, das Hirn der aktuellen Mannschaft.

Schlußpunkt: Reus´ Elfmeter zum 4:2 (Foto: kicker)
Dazu präsentieren sich Akteure aus der "zweiten Reihe" wie Winter-Neuzugang Milos Jojic und Oliver Kirch als vollwertiger Ersatz für die etablierten, aber verletzten Langzeitausfälle. Besonders der junge Serbe beweist von Spiel zu Spiel deutlicher, daß er einen echten Faustpfand für die Zukunft der Schwattgelben darstellt. Klopp und Zorc scheinen in Jojic einmal mehr einen absoluten Rohdiamanten entdeckt zu haben. Routinier Kirch hingegen empfiehlt sich durch konstant starke Leistungen für eine scheinbar kurz bevorstehende Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden Vertrags.

Zum absoluten Shooting-Star im Kader der Borussia könnte Erik Durm werden. Der für den verletzten Marcel Schmelzer ins kalte Wasser gewordene Jungspund hat über die gesamte Saison gesehen einen dermaßen starken und konstanten Eindruck als Linksverteidiger hinterlassen, daß ihn Lothar Matthäus jüngst als ernsthafte Option für Jogi Löws WM-Kader ins Gespräch brachte.

Beeindruckt von seinem Team: Jürgen Klopp (Foto: kicker)
Glückwunsch jedoch an die komplette Mannschaft und den Trainerstab zur vorzeitigen direkten Qualifikation für die neue Champions-League-Saison, die mit dem heutigen Sieg gegen Mainz perfekt gemacht wurde. Der Mannschaft bleiben nun erstmal sechs Tage Zeit zum Durchschnaufen, bevor es am 32. Spieltag zu Bayer Leverkusen geht. Dort will Borussia dringend erneut punkten, denn bis zum Abpfiff der Saison wollen die Schwattgelben unbedingt den zweiten Platz vor ihrem Revier-Nachbarn aus der verbotenen Stadt verteidigen.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, daß Borussia die derzeitige Form bis zum Pokalfinale am 17. Mai in Berlin konservieren kann. Dann steht einem erneuten Gewinn des DFB-Pokals gegen den Erzrivalen Bayern München nichts mehr im Wege.

Die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp (präsentiert von SportLiveDortmund)



DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Langerak – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Sahin, Kirch – Jojic, Reus, Mkhitaryan – Lewandowski
1. FSV Mainz 05: Karius - Pospech, Bungert, Noveski, Junior Diaz - Geis – Bell, Malli, Moritz, Choupo-Moting – Okazaki
Einwechselungen: 80. Großkreutz für Mkhitaryan, 81. Hofmann für Jojic, 84. Aubameyang für Reus - 46. Saller und Parker für Bell und Moritz, 75. Koo für Malli
Tore: 1:0 Jojic (6.), 1:1 Okazaki (14., Junior Diaz), 2:1 Lewandowski (18., Mkhitaryan), 2:2 Okazaki (53.), 3:2 Piszczek (56., Freistoß Kirch), 4:2 Reus (79., Handelfmeter, Lewandowski)
Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)
Rote Karte: 78. Bungert (Handspiel)
Gelbe Karten: Jojic - Okazaki
Zuschauer: 80.500 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

„Das war herausragend gut, was meine Truppe gemacht hat. Nichts war selbstverständlich heute. Zu allem, was zusammenkommen kann, hat heute auch noch die Sonne geschienen. Das ist für Fußballer nicht so toll. Dennoch hat meine Mannschaft den inneren Schweinhund ein für allemal besiegt. Sie ist aggressiv angelaufen, hat ein hohes Tempo gespielt. Das erleichtert mich total. Es war stark; dazu tolle Tore. Es hätte sogar das eine oder andere mehr sein können. Dennoch war das Spiel lange Zeit eng. Noch neun Punkte aus den letzten drei Spielen, und alles ist gut.“

MEINE BVB-NOTEN

Langerak (3), Piszczek (3), Sokratis (2,5), Hummels (2,5), Durm (3), Sahin (3), Kirch (2,5), Jojic (2,5), Reus (1), Mkhitaryan (2), Lewandowski (2,5), Großkreutz (-), Hofmann (-), Aubameyang (-).