Sonntag, 13. April 2014

3:0 - BVB deklassiert die Bayern

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat Borussia Dortmund mit einer taktischen Meister- und einer überragenden Teamleistung eine der besten Vereinsmannschaften der Welt deutlich und verdient besiegt. Der 2:0-Gala gegen Real Madrid vom vergangenen Dienstag ließen die Schwattgelben einen 3:0-Erfolg beim bereits als Meister feststehenden FC Bayern München folgen. Damit gelang dem BVB in Jürgen Klopps 200. Bundesligaspiel als Borussen-Coach eindrucksvoll die Revanche für die 0:3-Hinspielniederlage. Vor 71.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz-Arena erzielten Mkhitaryan, Reus und Hofmann die Tore zum auch in der Höhe verdienten Sieg der Borussia.

Mkhitaryans 1:0 für Borussia (Foto: kicker)
PERSONAL

Gegenüber dem Spiel gegen Real Madrid stellte Jürgen Klopp die Mannschaft auf einigen Positionen um und lag mit der Personalauswahl (und der damit verbundenen taktischen Ausrichtung) einmal mehr goldrichtig. Piszczek, Friedrich, Jojic, Kirch und Lewandowski erhielten eine Verschnaufpause. Statt ihrer rückten Sokratis, Sahin, Kehl, Hofmann und Aubameyang ins Team.

SPIELVERLAUF

Borussia ließ die Gastgeber von Beginn an nicht ins Spiel kommen. Durch aggressives Pressing und permanentes "Doppeln" hielten die Schwattgelben die durch ihre extrem hohe Ballbesitzquote optisch überlegenen Bayern in Schach. Zunächst konnte Dortmund mit den durch erzwungene Bayern-Fehler verursachten Balleroberungen nur wenig anfangen. Torchancen blieben hüben wie drüben Mangelware. Mit der ersten wirklich gefährlichen Aktion ging Borussia in der 20. Minute in Führung. Einen Einwurf von Hofmann leitete Aubameyang weiter zu Reus, der mit einem klugen Pass den freistehenden Mkhitaryan bediente. Anders als gegen Madrid machte es der Armenier diesmal besser und schlenzte das Leder vorbei an Neuer ins Bayern-Tor. Kurz darauf scheiterte Aubameyang mit einem Distanzschuß am Münchner Nationalkeeper. Danach passierte vor beiden Toren bis zur 42. Minute nichts mehr. So lange dauerte es, bis die Bayern zu ihrer ersten (!!!) Torchance kamen. Mandzukic scheiterte jedoch mit einem Seitfallschuß aus gut zehn Metern am aufmerksamen Weidenfeller.

Großkreutz hatte Ribery gut im Griff (Foto: kicker)
Nach dem Seitenwechsel (Räder ersetzte den angeschlagenen Neuer im Bayern-Kasten) bot sich den Zuschauern das gleiche Bild wie im ersten Durchgang. Dortmund unterband mit viel taktischer Disziplin und brillantem Pressing jegliche Kreativität im Bayern-Spiel. Und schlug in der 49. Minute selbst eiskalt zu. Einen Angriff der Gastgeber fing Mkhitaryan am eigenen Strafraum ab, setzte zu einem unwiderstehlichen Tempo-Dribbling über halblinks an und bediente den auf rechts mitgelaufenen Aubameyang mit einem Traumpaß. Dieser leitete weiter zum nachgerückten Marco Reus, der den Ball aus ca. zwölf Metern zum 2:0 für den BVB versenkte. Damit nicht genug. Ehe sich die Münchner von dieser kalten Dusche erholen konnten, sorgte Borussia in der 56. Minute für die Vorentscheidung. Einen langen Paß von Sokratis netzte Jonas Hofmann mit einem sehenswerten Schuß zum 3:0 für die Schwattgelben ein.

Danach schien der BVB seinem kraftraubenden Spiel Tribut zollen zu müssen. Bayern kam in kurzer Folge zu einigen - jedoch nicht wirklich zwingenden - Möglichkeiten durch Mandzukic (71.), Schweinsteiger (72.) und Dante (73.). Borussia fing sich jedoch wieder und fand in der Folge zu defensiver Sicherheit zurück. Einem Treffer von Mandzukic wurde völlig zu Recht wegen Abseitsstellung die Anerkennung verweigert (83.). Das Spiel wäre ohne weitere Höhepunkte zu Ende gegangen, wenn nicht einmal mehr Rafinha für einen negativen Höhepunkt gesorgt hätte. Der Brasilianer sah wegen einer klaren Tätlichkeit an Mkhitaryan in der Nachspielzeit völlig zu Recht die Rote Karte. Bereits im Rückspiel der vergangenen Saison mußte Rafinha nach einem brutalen Ellenbogen-Check gegen Blaszczykowski frühzeitig duschen.

Zweikampf zwischen Alaba und Hofmann (Foto: kicker)
ANALYSE

An den Aufstellungen beider Teams war deutlich abzulesen, daß weder Pep Guardiola noch Jürgen Klopp gewillt waren, das prestigeträchtige Duell abzuschenken. Während Guardiola eine absolute A-Elf auf den Rasen schickte, schonte Klopp im Hinblick auf das Pokalspiel am Dienstag gegen Wolfsburg mit Lewandowski und Piszczek zwei absolute, aber zuletzt extrem stark beanspruchte Leistungsträger. Dennoch wurden beide Trainer ihrer Verantwortung gerecht, sowohl dem zahlenden Stadionpublikum als auch den Fans an den (weltweiten) Bildschirmen die jeweils bestmögliche Elf zu präsentieren.

Der Lohn dafür war ein Vergleich der beiden deutschen Top-Teams auf allerhöchstem Niveau. Und Real Madrid sollte sich im Vorfeld des CL-Halbfinales ein Video dieses Spiels besorgen. Denn der BVB bot eine taktische Lehrveranstaltung mit dem Thema "So besiegt man Bayern München". Borussia zeigte wie schon gegen Wolfsburg (2:1) und Madrid (2:0) eine geschlossene Mannschaftsleistung ohne jeden Schwachpunkt und deklassierte die Guardiola-Elf durch einen Mix aus taktischer Disziplin und wirkungsvollen offensiven Nadelstichen.

Der selten geprüfte Weidenfeller verlebte einen unverhofft ruhigen Abend, strahlte aber eine souveräne Sicherheit aus. Die Innenverteidiger Sokratis und Hummels bestachen durch Kompromisslosigkeit und enorme Zweikampfstärke. Darüber hinaus leitete Hummels durch geschickt gestreute lange oder kurze Pässe immer wieder vielversprechende Angriffe seiner Mannschaft ein.

Großkreutz gegen Dante (Foto: kicker)
Auf den Seiten hatten sowohl Großkreutz und Hofmann rechts gegen Ribery als auch Durm und Mkhitaryan links gegen Robben so gut wie alles im Griff. Die beiden Dortmunder "Päärchen" ließen die Flügelzange der Bayern durch perfekte Doppelung so gut wie nie nie zur Entfaltung kommen. Darüber hinaus glänzte der eminent starke Durm mit vielen gelungenen Offensivaktionen, während sich der überragende Mkhitaryan sowohl als Torschütze als auch als effektiver und glänzender Vorlagengeber hervortat. Der Armenier eroberte zudem  viele Bälle in der eigenen Hälfte und riß mit daraus entstehenden  unwiderstehlichen Tempo-Dribblings immer wieder Löcher in die Abwehr des Rekordmeisters.

Gegen Real nur Zuschauer - gegen die Bayern dafür mit frischen Kräften machten Sahin und Kehl als mittlerweile bewährtes Sechser-Duo das zentrale Mittelfeld dicht und sorgten für die entscheidende Balance zwischen Offensive und Defensive im Spiel des BVB.

Als absoluter Volltreffer entpuppte sich Klopps Schachzug, Marco Reus im zentalen offensiven Mittelfeld als hängende Spitze zu positionieren. Der Nationalspieler taute nach anfänglichen Problemen immer mehr auf und war an sämtlichen spielentscheidenden Aktionen beteiligt. Reus war von der Bayern-Abwehr nie unter Kontrolle zu bekommen. Seine Entschlossenheit, Kreativität und Explosivität färbte diesmal auch positiv auf den zuletzt völlig ohne Form spielenden Aubameyang ab. Der Gabuner zeigte sich sowohl in punkto Körpersprache als auch läuferisch und kämpferisch deutlich verbessert - und belohnte sich selbst mit den Vorarbeiten zu zwei Dortmunder Treffern.

Hofmanns 3:0 für den BVB (Foto: kicker)
Bemerkenswert auch, daß alle drei Dortmunder Tore fielen, als Robert Lewandowski noch gar nicht im Spiel war. Der BVB trat somit den Beweis an, auch ohne den polnischen Weltklasse-Torjäger durchaus zu großen Leistungen fähig zu sein.

Unter dem Strich steigerte eines der besten Dortmunder Saisonspiele nicht nur das ohnehin momentan große Selbstbewußtsein der Borussia, sondern machte die direkte Qualifiktation für die nächste CL-Saison nahezu perfekt. Bei nunmehr elf Punkten Vorsprung auf Platz vier fehlt dem BVB nur noch ein einziger Sieg. Zudem wurde der blau-weiße Nachbar aus der verbotenen Stadt auf Drei-Punkte-Distanz gehalten.

In den nächsten Tagen dürfte Regeneration bei der Borussia angesagt sein, denn schon am Dienstag Abend wartet auf die Schwattgelben das nächste Highlight. Dann kommt der VfL Wolfsburg im Pokal-Halbfinale ins Westfalenstadion. Sollte Borussia die "Wölfe" zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen bezwingen, könnte es am 17. Mai im Berliner Finale zu einem erneuten Vergleich mit dem Erzrivalen aus München kommen.

DIE STATISTIK

Bayern München: Neuer – Rafinha, Martinez, Dante, Alaba – Lahm, Schweinsteiger – Robben, Götze, Ribery – Mandzukic
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Hummels, Durm – Sahin, Kehl – Hofmann, Reus, Mkhitaryan – Aubameyang
Einwechselungen: 46. Raeder für Neuer, 60. Müller für Ribery, 69. Kroos für Robben - 62. Lewandowski für Hofmann, 70. Friedrich für Hummels, 76. Jojic für Aubameyang
Tore: 0:1 Mkhitaryan (20., Reus), 0:2 Reus (49., Aubameyang), 0:3 Hofmann (56., Sokratis)
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Rote Karte: Rafinha (90.+1, Tätlichkeit)
Gelbe Karten: Martinez, Kroos - Hofmann, Mkhitaryan
Zuschauer: 71.000 (ausverkauft)


HIER SPRICHT KLOPPO

"Wir hätten die fünf Tore gegen Real und Bayern etwas besser verteilen sollen. Am Ende war es eine außergewöhnliche Woche, in der wir Real Madrid und Bayern München geschlagen haben – und das in einer phantastischen Art und Weise. Vielleicht fehlte der eine oder andere Prozentpunkt beim Gegner, weil er schon Deutscher Meister ist. Wir hatten viel vor und konnten das meiste davon sogar umsetzen. Das war harte Arbeit heute, brutal harte Arbeit.
Die drei Punkte tun uns jedenfalls sehr gut. Dadurch, dass Punkte gegen Bayern für jede Mannschaft Bonuspunkte sind, bin ich froh, dass wir uns drei davon schnappen konnten.
Bis Dienstag wird es nun kein Training geben. Wir trainieren schon lange nicht mehr. Es gibt nur noch erweiterte Regeneration und ein bisschen Abschlusstraining am Montag. Das, was wir heute anders gemacht haben, konnten wir auch nicht trainieren, sondern der Mannschaft nur erzählen. Immerhin konnten wir heute erstmals seit längerer Zeit reagieren und vier frische Leute bringen.
Wir haben die Mannschaft nach Madrid drei Tage in Ruhe gelassen und uns erst heute gemeinsam mit Bayern München beschäftigt. Es ist für uns immer ein Spiel des Jahres, gegen die beste Mannschaft der Welt anzutreten. Deshalb habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, jemanden draußen zu lassen. Lewi ist unser Vielspieler, bei ihm musste es mal sein. Pizszu war ein halbes Jahr verletzt, auch für ihn war es mal an der Zeit zu pausieren. Mats hat selber entschieden, dass er spielen wird."

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2), Großkreutz (2), Sokratis (2), Hummels (1,5), Durm (1,5), Sahin (2,5), Kehl (2,5), Hofmann (2,5), Reus (1), Mkhitaryan (1), Aubameyang (2,5), Lewandowski (-), Friedrich (-), Jojic (-)