Mittwoch, 24. Juli 2013

Supercup als Standortbestimmung

Noch stecken alle Teams mitten in der Vorbereitung auf die 51. Bundesliga-Saison. Da steht schon die erste Titel-Entscheidung der neuen Spielzeit an. Im Signal-Iduna-Park treffen am 27.Juli 2013 Borussia Dortmund und Bayern München im Finale um den Deutschen Supercup aufeinander. Ein Spiel, das allein schon aus Prestige-Gründen die Massen elektrisiert.

Die Neuauflage des Champions League-Finals von London zwischen den beiden absoluten deutschen Top-Teams von Ruhr und Isar sorgt bundesweit für das erste "Kribbeln" vor dem Bundesliga-Start zwei Wochen später. Weniger der in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ganz so wichtige Titel des Supercups als viel mehr der Kampf ums Prestige steht dabei im Vordergrund. Darüber hinaus ist das Spiel eine echte Standort-Bestimmung für beide Teams kurz vor Beginn der Bundesliga-Saison.

Welche Protagonisten Bayern-Trainer Pep Guardiola dabei ins Rennen schickt, soll hier nicht das Thema sein. Aufgrund des Riesen-Angebots an absoluten Top-Spielern im Edelkader des spanischen Star-Coaches ist es fast schon zweitrangig, wer nun zu den elf Auserwählten gehört, die versuchen werden, den ersten Titel der Saison für die Bayern einzufahren.
Jürgen Klopp jedenfalls freut sich auf den Vergleich mit dem großen Rivalen, wenngleich er den frühen Zeitpunkt der Partie nicht als ideal erachtet. Revanche-Gelüste für das verlorene CL-Finale läßt der BVB-Coach dabei (zumindest öffentlich) außen vor. Kein unnötiges Öl ins Feuer gießen ist das Motto. Das Verhältnis zwischen beiden Klubs ist angespannt genug, die Brisanz kaum zu steigern.

Gespannt sein werden alle Fans der Schwattgelben, welche Formation Dortmunds Trainer aufbieten wird. Die Zeit des "Durchwechselns" ist vorbei. Gelingt es Borussia, die von Klopp angekündigte neue "Pressing-Maschine" bereits jetzt wirkungsvoll "auf den Platz zu bringen"? Königstransfer Mikhitaryan jedenfalls wird definitiv ebenso fehlen wie der langzeitverletzte Lukas Piszczek. Und auch wenn Klopp immer wieder betont, daß nicht die Auf- sondern die Einstellung entscheidend ist, wird interessant sein zu beoachten, für welches Spielsystem sich der BVB-Coach entscheidet. Nach den Eindrücken der bisherigen Vorbereitungsspiele bieten sich für die zwei in Frage kommenden Systeme die folgenden Formationen an.

Variante 1: Klopp läßt im altbewährten 4-2-3-1-System spielen. Also mit zwei "Sechsern" hinter einer offensiven Dreier-Reihe im Mittelfeld. Dann könnte Borussias Startformation so aussehen:

                                                            Weidenfeller

Sokratis                           Subotic                          Hummels                              Schmelzer
(Durm, Großkreutz)
                                            Bender                Gündogan

Blasczykowski                                       Reus                                                   Großkreutz
                                                                                                      (Hofmann, Aubameyang)
                                                        Lewandowski


Variante 2: Klopp testet mit dem 4-3-3 ein für seine Mannschaft neues System. Dabei spielen die zwei "Achter" Kuba und Gündogan (abgesichert durch einen echten Sechser) auf den zentralen Halbpositionen hinter einer Offensivreihe mit drei echten Stürmern.

                                                          Weidenfeller

Großkreutz                   Subotic                              Hummels                             Schmelzer
(Sokratis, Durm)
                                                              Bender
                               Blasczykowski                                 Gündogan
                                 (Sahin)
Aubameyang                                                                                                             Reus
(Hofmann)                                               Lewandowski

Erstes Duell: Guardiola vs. Klopp
 Wahrscheinlich wird Klopp gerade im Giganten-Duell auf das altbewährte 4-2-3-1 zurückgreifen. In beiden Varianten bieten sich aber natürlich auch gestandene Akteure wie Sahin und Kehl ebenso als Alternativen an, wie der bisher restlos überzeugende Jonas Hofmann. Auch Erik Durm konnte in den bisherigen Testspielen als rechter Verteidiger genauso überzeugen wie Bandowski als Schmelzer-Vertreter. Julian Schieber widerum gelang es bisher nicht, seine durchwachsenen Auftritte der letzten Saison positiv zu korrigieren. Der Ex-Stuttgarter blieb bisher ebenso farb- wie glücklos und fand kaum Bindung im schnellen Offensiv-Spiel des BVB. Besonders eklatant auch seine Abschlußschwäche bei hundertprozentigen Torchancen.

Und natürlich wird - ob gewollt oder ungewollt - auch das Wechsel-Thema Robert Lewandowski beim Aufeinandertreffen mit den Bayern wieder "hochkochen". Zwar deutet momentan alles darauf hin, daß sich die Wogen geglättet haben und die Fronten bezüglich eines Transfers des Dortmunder Sturmführers geklärt sind. Doch die Transfer-Periode ist noch lang und bis Ende August kann noch viel passieren. Erst am 1.September wird genaue Klarheit darüber herrschen, ob der Pole wirklich noch die komplette Saison in schwarz-gelb absolviert.

Auf gehts, Jungs! Schnappt euch die Bayern!
Das gleiche gilt für die Personalie Shinji Kagawa. Der Japaner hatte in einem Interview am Sonntag angedeutet, sich eine Rückkehr nach Dortmund vorstellen zu können. Den Zeitpunkt ließ der ehemalige Publikumsliebling des BVB zwar offen, doch legte ihm Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits den roten Teppich aus. "Für Shinji stehen bei uns immer alle Türen auf." Kagawa-Berater Thomas Kroth schließt einen sofortigen Wechsel seines Schützlings zwar momentan noch aus. Doch die Vergangenheit hat gelehrt, daß sich so was sehr schnell ändern kann. Es sei an dieser Stelle nur an die Rückhol-Aktion von Nuri Sahin im Januar diesen Jahres erinnert.

Im Moment liegt jedoch der Fokus sowohl von Mannschaft als auch Fans des BVB nur und ausschließlich auf dem bevorstehenden ersten Saisonhöhepunkt. Dem Gipfeltreffen mit Bayern München. Es wird erste Aufschlüsse darüber liefern, ob Borussia in der Lage sein wird, im kommenden Spieljahr den Abstand auf den großen Süd-Rivalen punktemäßig ein wenig zu verkürzen oder ihm gar bis zum letzten Spieltag Paroli zu bieten. Das Supercup-Finale wird zur ersten Standortbestimmung für Borussia Dortmund.

Was glaubt ihr? Wer gewinnt den Supercup? Nehmt bitte an der Umfrage (rechts oben) teil. Vielen Dank!

Mehr vom aktuellen BVB-Geschehen auch in meiner reviersport-Kolumne
http://www.reviersport.de/meinungen/markus-bvb-blog.html