Sonntag, 22. Dezember 2013

Borussia scheitert an "Berliner Mauer"

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geschrieben von Markus Flügel
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So hatte sich Borussia Dortmund den Jahresausklang nicht vorgestellt. Mit 1:2 unterlag der BVB am Nachmittag im ausverkauften Westfalenstadion gegen Aufsteiger Hertha BSC. Die Niederlage gegen die Hauptstädter war die dritte Heimpleite der Schwattgelben in Folge. Das hatte es zuletzt im Jahr 2000 unter dem Trainer Bernd Krauss gegeben. Schwerer als diese Statistik wiegt jedoch die Tatsache, daß die Verfolger der Borussia immer dichter auf den Fersen sind. Dortmund und den Tabellensiebten aus der blau-weißen Nachbarstadt trennen nur noch vier Punkte. Am Sonntag droht dem BVB bei einem Gladbacher Punktgewinn gegen Wolfsburg der Rutsch auf Rang Vier der Hinrunden-Tabelle.

PERSONAL

Jürgen Klopp veränderte die Startformation gegenüber dem Spiel in Hoffenheim auf vier Positionen. Weidenfeller kehrte zwischen die Pfosten zurück, Großkreutz spielte für Piszczek, Sokratis für Friedrich. Im Mittelfeld kam Mkhitaryan für Aubameyang zum Einsatz. Für eine positive Überraschung sorgte der Einsatz von Kapitän Sebastian Kehl, der wegen einer Trainingsblessur bis kurz vor Spielbeginn fraglich war.


SPIELVERLAUF

Reus erzielt das frühe 1:0 (Foto: kicker)
Dortmund erwischte den besseren Start und setzte die Gäste mit temporeichen Aktionen sofort unter Druck. Folgerichtig das frühe 1:0 des BVB. Ein feines Zuspiel von Kehl nutzte Reus eiskalt aus und überwand aus spitzem Winkel den herausstürzenden Hertha-Keeper Gersbeck. Der Aufsteiger erholte sich jedoch schnell vom frühen Rückstand und hatte durch Ramos in der 12. Minute die Riesenchance zum Ausgleich. Weidenfeller parierte jedoch in Klasse-Manier. Einen Patzer von Durm nutzte Sami Allagui dann in der 23. Minute für ein Zuspiel zum erneut völlig freistehenden Ramos. Diesmal gewann der Kolumbianer das Duell gegen Weidenfeller und vollstreckte zum Ausgleich. In der Folgezeit störte Hertha das Aufbauspiel des BVB durch aggressives und geschicktes Zweikampfverhalten und kam selbst zu einigen vielversprechenden Angriffen gegen eine völlig verunsicherte BVB-Deckung. In der 45. Minute schlug der starke Allagui aus einem dicken Patzer von Marian Sarr Kapital und überwand den machtlosen Weidenfeller zur 2:1-Pausenführung für die Gäste.

Mit der Hereinnahme von Piszczek für den diesmal überforderten Sarr kam zunächst neuer Schwung ins Spiel der Borussia. Doch es dauerte bis zur 66. Minute, ehe der BVB durch einen Distanzschuss des ebenfalls eingewechselten Hofmann zur ersten nennenswerten und torgefährlichen Aktion kam. Zwar war der BVB weiter um den Ausgleich bemüht, rannte sich jedoch ein ums andere Mal im engmaschigen Abwehrnetz der Berliner fest. Das Dortmunder Spiel über die Außen kam nahezu vollständig zum Erliegen und im Zentrum gab es für die Borussia erst Recht kein Durchkommen. Mit zunehmender Spieldauer packte der BVB die Brechstange aus und suchte sein Heil in langen Bällen, die die Hertha-Abwehr jedoch vor keine großen Probleme stellte. Einzige echte Ausgleichschance der Schwattgelben war ein Großkreutz-Kopfball kurz vor Schluß. Mit Glück und Geschick brachte die Luhukay-Elf den verdienten Sieg über die Zeit.


ANALYSE / MEINUNG / FAZIT

Zweikampf Lustenberger, Lewandowski (Foto: kicker)
War es zuletzt die schwache Chancenverwertung, die den BVB um die Früchte seiner Arbeit brachte, lag es im bisher schwächsten Dortmunder Saisonspiel an der mangelnden Kreativität. Es wurden erst gar keine Chancen herausgespielt, die man hätte vergeben können. Selten hat man eine Dortmunder Mannschaft unter Jürgen Klopp dermaßen plan- und einfallslos erlebt wie an diesem trüben vorweihnachtlichen Nachmittag. Der Wille war dem Team erneut nicht abzusprechen. Doch fehlte des dem BVB an Inspiration, an Ideen, an Zielstrebigkeit und an Genauigkeit im Passspiel. Auf den Punkt gebracht - der Borussia fehlte der "Kopf". Ein Lenker und Denker im Kreativzentrum. Weder Sokratis und Sarr aus der Abwehr heraus noch die davor postierten Sahin und  Mkhitaryan konnten dem Spiel ihrer Mannschaft Konturen verleihen. Während Sahins Fehlpass-Quote mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher anstieg, verzettelte sich Mkhitaryan ein ums andere Mal in Einzelaktionen und verpasste fast permanent den richtigen Moment des Abspiels. Wenn dann der Moment passte, fanden seine Pässe nicht den Weg zum Mitspieler. Dasselbe galt leider auch für den momentan außer Form agierenden "Kuba" Blaszczykowski.

Weiteres Manko der Borussia - das ehemals perfekt praktizierte Gegenpressing funktionierte nur in Ansätzen. Somit fehlte es der kompletten Defensive an entsprechender Kompaktheit. Dazu gesellten sich eklatante individuelle Abspielfehler u.a. von Großkreutz, Durm und Sarr. Kompliment dennoch an "Uns Kevin". Der Dortmunder Jung rückte in Halbzeit zwei anstelle von Sarr in die Innenverteidigung und bot auf einer weiteren für ihn ungewohnten Position eine grundsolide Partie. Der eingewechselte Piszczek belebte zwar das Dortmunder Angriffsspiel, seine Offensiv-Versuche blieben jedoch leider ohne durchschlagenden Erfolg. Reus und Lewandowski rieben sich während der gesamten Spielzeit in von Berliner Seite oft überhart geführten Zweikämpfen auf und strahlten bis auf das Führungstor keinerlei Torgefahr aus.

Unter seinen Möglichkeiten: Mkhitaryan (Foto: kicker)
Fazit: Die Winterpause kommt für unsere Borussia genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Mannschaft wirkt mental mit den Kräften am Ende. Die zahlreichen Spiele der vergangenen Wochen, mehr noch jedoch die immer wieder neu auftretenden und nicht enden wollenden Personalprobleme haben das gesamte Team eine Menge an mentaler Substanz gekostet.

Trainer und Spieler des BVB - davon kann man hundertprozentig ausgehen - werden gestärkt aus dieser von Hindernissen überladenen Hinrunde hervorgehen. Bedenkt man die Probleme, die die Schwattgelben zu bewältigen hatten, ist die Punkteausbeute gar nicht mal schlecht. Zwar wirkt das momentane Tabellenbild aufgrund der geringen Punktabstände auf die nachfolgenden Mannschaften leicht besorgniserregend - doch besteht die berechtigte Hoffnung, daß zum Rückrundenstart die schmerzlich vermißten Kreativspieler Hummels und Gündogan wieder zur Verfügung stehen und der Mannschaft einen kräftigen Schub in puncto spielerischer Qualität geben werden.

Zudem ist nicht auszuschließen, daß die Borussia im Januar auf dem Transfermarkt aktiv werden wird. Lassen wir uns überraschen und dem neuen Fußballjahr optimistisch und positiv entgegenblicken. Das Vertrauen ihrer Fans haben diese Mannschaft und dieser Trainer auf jeden Fall verdient.

Abschließend verbleibe ich wie immer mit dem klaren Bekenntnis:  NUR  DER  BVB  !!!


Die Pressekonferenz nach dem Spiel (präsentiert von SportLive Dortmund): 




DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Sarr, Durm – Sahin, Kehl – Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Hertha BSC: Kraft - Ndjeng, Lustenberger, Kobiashvili, Pekarik - Hosogai - Allagui, Skjelbred, Cigerci, Schulz – Ramos
Einwechselungen: 46. Piszczek für Sarr, 56. Hofmann für Blaszczykowski, 77. Schieber für Kehl - 69. Niemeyer für Skjelbred, 78. Wagner für Ramos, 90. Janker für Cigerci
Tore: 1:0 Reus (7., Kehl), 1:1 Ramos (23., Allagui), 1:2 Allagui (45.),
Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Gelbe Karten: Sarr, Sahin - Cigerci, Kobiashvili, Hosogai
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)


DIE STIMMEN ZUM SPIEL

Nachdenklich: Jürgen Klopp
Jürgen Klopp: "Wir haben Hertha BSC nach dem 1:0 zurück ins Spiel kommen lassen. Das war unnötig. Die sehr gute Anfangsphase hätten wir nutzen müssen, diese Möglichkeit haben wir aber nicht erkannt. Bei den beiden Gegentoren treffen wir vorher zwei Mal eine unglückliche Entscheidung. Und unsere Reaktion auf das erste Gegentor war überhaupt nicht gut: Wir nehmen den Fuß vom Gas. Hertha BSC hat dann natürlich Mut gefasst. Sie haben eine toll auf- und eingestellte Mannschaft. Die hat dadurch gemerkt, dass hier etwas geht. Wir hatten Ballbesitz ohne Ende, aber keine zwingenden Chancen. Irgendwann wurde es hektisch. Das haben wir uns selbst zuzuschreiben, denn wir haben nicht zwingend genug agiert. Es war unser eigenes Fehlverhalten. Damit ist ein Spiel, das sehr gut angefangen hat, sehr bescheiden geendet. So fühlt sich diese Niederlage auch an – sehr bescheiden. Vor allem das letzte Drittel dieses Jahres war unglaublich intensiv für uns. Wir können die Winterpause und die Ruhe sehr gut gebrauchen. Wir haben uns aber auch eingebrockt, dass wir in dieser Pause über sehr viel nachdenken müssen. Ich werde das jetzt tun, und am 5. Januar geht’s wieder von vorne los. Die Rückrunde sollte idealerweise anders losgehen, als die Hinrunde aufgehört hat. Wir haben im ersten Teil der Saison sehr viel geleistet. Wir hinken aber den extrem hohen Ansprüchen, die wir an uns selber stellen, hinterher. Keines der fünf Spiele, die wir verloren haben, hätten wir verlieren müssen. Das muss sich in der Rückrunde ändern."

Jos Luhukay: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Der Sieg ist die Krönung für eine großartige Hinrunde. Es war beeindruckend, wie wir nach dem frühen Rückstand mental auf der Höhe geblieben und dann zurückgekommen sind. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr zu unserer klaren Linie in der Offensive gefunden, aber dann mit allem verteidigt, was wir hatten. Da wir kaum eine Chance mehr zugelassen haben, geht der Sieg meiner Meinung nach in Ordnung.“

Sebastian Kehl: „Wir haben nach der sehr guten Anfangsphase irgendwann mit dem Fußballspielen aufgehört. Durch die Gegentore sind wir ein bisschen aus dem Konzept gekommen und haben Hertha Luft schnuppern lassen. In der zweiten Halbzeit haben wir gegen einen defensiven Gegner nicht die richtigen Lösungen gefunden. Wir haben es uns selbst zuzuschreiben. Diese Niederlage ist sehr, sehr enttäuschend. Es ist die dritte Heimniederlage hintereinander, das wird uns über die Feiertage begleiten. Wir müssen uns deshalb an die eigenen Nase fassen. Wir können deutlich besser spielen, das wissen wir, und das werden wir in der Rückserie – mit dem ein oder anderen wiedergenesenen Spieler – auch beweisen.“

Zweikampf Sahin / Skjelbred (Foto: kicker)
Roman Weidenfeller: „So wollten wir uns nicht in die Winterpause verabschieden. Wir haben nicht unseren besten Tag erwischt. Die Zielstrebigkeit und die Bereitschaft, ein körperbetontes Spiel abzuliefern, sind bei uns auf der Strecke geblieben. Wenn man das Spiel zu Beginn in die richtige Richtung dreht, muss man es auch nach Hause bringen. Wir haben zu wenig Punkte und gegen Berlin erneut vieles vermissen lassen. 2014 müssen wir anders angehen. Wir müssen wieder das alte Borussia-Gesicht zeigen und nicht das der vergangenen Wochen. Wir müssen uns den wichtigen Dingen widmen – und das ist die Bundesliga.“

Nuri Sahin: „Nach der Führung hätten wir direkt nachlegen müssen, stattdessen schalten wir einen Gang zurück. Das darf uns aber nicht passieren. Wir brauchen mehr Killerinstinkt, um solche Spiel schnell zu entscheiden. Hätten wir direkt das zweite Tor nachgelegt, dann wäre Hertha nicht mehr zurückgekommen. In der zweiten Halbzeit haben die Berliner gut verteidigt, in der ersten haben sie gut gekontert und dabei von unseren Fehlern profitiert. So verlieren wir dieses Spiel, wir ärgern uns sehr und haben es uns selbst zuzuschreiben.“


MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2,5), Großkreutz (3), Sokratis (3,5), Sarr (5), Durm (4), Sahin (5), Kehl (3), Blaszczykowski (5), Mkhitaryan (5), Reus (4), Lewandowski (4), Piszczek (3), Hofmann (-), Schieber (-)

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