Donnerstag, 12. Dezember 2013

2:1 - Großkreutz erlöst seine Borussia

BVB Gruppensieger - Arsenal Zweiter, Napoli raus - Lewandowski und Großkreutz treffen
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geschrieben von Markus Flügel
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"Entspannt" kann Borussia Dortmund einfach nicht. In einem echten Fußball-Krimi spannte der BVB die eigenenen Nerven und die seiner Fans bis zum Schluß auf die Folter. Schließlich blieb es ausgerechnet Kevin Großkreutz vorbehalten, mit seinem erlösenden Tor kurz vor Schluß ganz Schwattgelb in Ekstase zu versetzen. Erinnerungen an Malaga wurden wach. Denn mit dem 2:1-Sieg im ausverkauften Stade Velodrome in Marseille sicherte sich die Borussia nicht nur den Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse - sondern auch den Gruppensieg in der "Todesgruppe" F. Durch den gleichzeitigen 2:0-Sieg von Napoli über Arsenal rutschten die Engländer noch auf Platz zwei ab. Für die Italiener, immerhin mit 12 Zählern punktgleich mit dem BVB und Arsenal, bleibt nur Rang drei und damit nun die Teilnahme an der Europa-League. Erstmals in der Geschichte der Champions League erreichten alle vier deutschen Mannschaften die K.-O.-Runde in Europas Elite-Liga.

PERSONAL

Matchwinner für seinen BVB: Kevin Großkreutz (Foto: kicker)
Die Umbauarbeiten an der Startformation fielen zum Glück nicht so groß aus, wie befürchtet. Dies war der Tatsache geschuldet, daß Nuri Sahin trotz erlittenem Außenbandteilanriss von Beginn an spielen konnte. So ersetzte Kapitän Sebastian Kehl den verletzten Bender als "Sechser" neben Sahin und der 18jährige Marian Sarr erlebte als Innenverteidiger anstelle des nicht spielberechtigten Manuel Friedrich an der Seite von Sokratis seine Feuertaufe. Mit Hummels, Subotic, Schmelzer, Gündogan und Bender fehlten dem BVB somit verletzungsbedingt fünf wichtige Spieler.


SPIELVERLAUF

Borussia spielte von Beginn an auf Sieg. Schon nach vier Minuten traf Lewandowski zur erhofften frühen Führung für den BVB. Einen Traumpaß von Durm vollstreckte der polnische Goalgetter auf seine ihm eigene und unnachahmliche Art und Weise. Danach bestimmte Borussia zunächst das Spiel - doch kamen die Gastgeber bereits in der 14. Minute zum Ausgleich. Nach einem Fehler von Weidenfeller stand Torschütze Diawara dabei jedoch klar im Abseits.

Zweikampf Payet gegen "Kuba" (Foto: kicker)
Dortmund ließ sich von dieser klaren Fehlentscheidung jedoch nicht beirren und bestimmte in der Folge auch weiterhin die sehr zweikampfintensive Partie. Den Akionen der Schwattgelben fehlte es jedoch an Genauigkeit und Präzision im finalen Pass. Die bevorzugt gespielten langen Bälle waren meistens leichte Beute für die Olympique-Abwehr. In der 34. Minute dann eine zu harte gelb-rote Karte wegen angeblicher Schwalbe für Marseilles Payet, der im Dortmunder Strafraum nach einem Zweikampf mit Sahin zu theatralisch zu Fall kam. Der BVB kam kurz vor der Pause nochmal zu einer Chance durch Durm, die aber nichts Zählbares brachte. Mit 1:1 gingen die Teams in die Pause.

Nach dem Wechsel drückte Borussia aufs Tempo und belagerte förmlich das Tor der Gastgeber. Erneut blieb jedoch die Ungenauigkeit im finalen Pass das vorrangige Dortmunder Problem. Mit zunehmender Spieldauer bekam der BVB dann mehr und mehr Sicherheit in seine Offensiv-Aktionen und erspielte sich  folgerichtig einige hundertprozentige Torchancen u. a. durch Blaszczykowski (57.) und Reus (58., Pfostenschuß). Die größten Möglichkeiten vergaben jedoch Lewandowski (67.), der den Ball aus kürzester Distanz nur ans Außennetz beförderte, und Marco Reus (69.). Der Nationalspieler bugsierte das Klasse-Zuspiel des kurz zuvor eingewechselten Hofmann freistehend über das von Mandanda gehütete Olympique-Gehäuse. Passend dazu kam die Nachricht aus Neapel, daß der SSC gegen Arsenal in Führung gegangen war. Borussia war zu diesem Zeitpunkt ausgeschieden.

Lewandowskis Führungstor (Foto: kicker)
Als der schwache kroatische Schiedsrichter Strahonja dem BVB in der 85. Minute einen glasklaren Foulelfmeter verweigerte (Lewandowski wurde von Torhüter Mandanda gefoult), schien sich an diesem Abend alles gegen die Schwattgelben verschworen zu haben. Doch Borussia wäre nicht Borussia, ließe man sich von solch einer Fehlentscheidung entmutigen. Und  so blieb es ausgerechnet dem "Dortmunder Jung" Kevin Großkreutz vorbehalten, die gesamte schwattgelbe Familie mit seinem Treffer in der 87. Minute in Ekstase zu versetzen. Einen Ableger von Schieber schoß "Uns Kevin" im Fallen zur vielumjubelten Erlösung für den BVB ins Netz. Durch den 2:1-Sieg zieht Borussia somit als Gruppensieger ins Achtelfinale der Champions League ein.


ANALYSE / MEINUNG / FAZIT

Totgesagte leben länger! Diese alte Weisheit bewahrheitete sich an diesem denkwürdgen Abend einmal mehr bei einem Spiel mit Dortmunder Beteiligung. Wie schon im letztjährigen Viertelfinale gegen den FC Malaga bewies der BVB auch in Marseille, daß man ihn niemals abschreiben darf. Klopps mehr oder weniger aufgrund von Krankenakten aufdiktierte "Notelf" stand wie schon so oft mit dem Rücken zur Wand. Und wurde einmal mehr ihrem Ruf als "Mentalitätsmonster" gerecht.

Kollektiver Jubel nach dem 1:0 (Foto: kicker)
Trotz des Wegfalls des nahezu kompletten Defensivblocks zeigte die Klopp-Elf von Beginn an, daß sie das Spiel in Marseille gewinnen wollte. Trotz einiger zugegebenermaßen "holpriger" Angriffsversuche in der ersten Halbzeit steigerte sich nahezu die komplette Mannschaft in Durchgang zwei und ließ sich auch vom erneuten Auslassen eingier hundertprozentiger Chancen und durch einige merkwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen nie aus der Ruhe bringen. Klopps Jungs zogen ihr Spiel durch, glaubten an sich und wurden dafür spät aber verdientermaßen belohnt. Es wäre auch an Tragik kaum zu überbieten gewesen, hätte Weidenfellers erster Patzer dieser CL-Saison zum Ausscheiden seiner Mannschaft geführt.

Gemessen an der großartigen Mannschaftsleistung der Borussia verbietet es sich eigentlich, Kritik zu üben. Doch auch die gehört zum Versuch einer sachlichen Spielanalyse. So bleibt festzustellen, daß der BVB weiterhin große Schwächen im Ausnutzen der Torchancen zeigt (Chancenverhältnis 10:1 für Dortmund!!!). Und auch die eigenen Standardsituationen sind meist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Weiteres Manko des BVB (nicht nur an diesem Abend): zu viele unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung und die oft mangelhaften finalen Pässe. An all diesen Dingen muß Borussia dringend weiter akribisch arbeiten. Das teilweise scheinbar abhanden gekommene schnelle Kombinationsspiel wird sich mit der Rückkehr der langsam aber sicher arg fehlenden Hummels und Gündogan wieder einstellen.

Kloppos Dank an "Uns Kevin" (Foto: kicker)
Dann wird auch hoffentlich Henrikh Mkhitaryan zu einer konstanteren Form als im bisherigen Saisonverlauf finden. Die Qualitäten des Armeniers sind unbestritten. Doch wechseln sich bei ihm Licht und Schatten noch zu häufig und zu drastisch ab. In Marseille gingen von ihm außer in der Balleroberung - wie schon gegen Leverkusen - keinerlei Impulse aus. Ebensowenig wie zunächst von Sahin, der in der zweiten Hälfte jedoch besser ins Spiel fand und dem Spiel seiner Mannschaft dann endlich die nötige Balance verlieh.
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Als besonders beeindruckend muß man das Debut des 18jährigen Marian Sarr bezeichnen, der an der Seite des routinierten Sokratis  nach einigen Nervositäten in der Anfangsphase mit zunehmender Spieldauer immer mehr an Sicherheit gewann und eine sehr abgeklärte und solide Partie ablieferte. Wer eine  Nervenschlacht wie in Marseille mit einer solchen Leistung bewältigt, der sollte auch in der Liga seine Chance bekommen. Ich würde es dem Jungen gönnen - und Jürgen Klopp gleichzeitig den Mut wünschen, weiter an Sarr festzuhalten.

Fazit: Vor dieser Mannschaft kann man - nein: MUSS man - einfach den Hut ziehen. Vom Großteil der Medien nach dem 0:1 gegen Bayer Leverkusen nahezu verrissen und vorzeitig abgeschrieben, zeigten die Jungs in Schwattgelb, was in ihnen steckt. Die aus der Not heraus geborene Elf hielt dem immensen öffentlichen Druck eindrucksvoll stand. Und daß ausgerechnet Kevin Großkreutz, der Junge von der "Süd", das entscheidende Tor für seinen BVB erzielte, ist eine der Geschichten, die wohl nur der Fußball schreibt.

Im Namen aller Fans möchte ich abschließend der Mannschaft und ihrem Trainer von dieser Stelle aus für das bisher Geleistete und Erreichte gratulieren und Euch sagen:

Wir sind stolz auf Euch! NUR DER BVB !!!


DIE STATISTIK

Olympique de Marseille: Mandanda - Fanni, Mendes, Diawara, Mendy - Lemina, Cheyrou - Thauvin, Khalifa, Payet - Gignac
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, Sarr,  Durm – Sahin, Kehl – Blaszczykowski, Mkhitaryan, Reus - Lewandowski
Einwechselungen: 46. Abdallah für Mendes, 55. Morel für Khalifa, 79. Imbula für Thauvin - 66. Hofmann für Blaszczykowski, 78. Schieber und Piszczek für Reus und Kehl
Tore: 0:1 Lewandowski (4., Durm), 1:1 Diawara (14., Khalifa), 1:2 Großkreutz (87., Schieber)
Schiedsrichter: Strahonja (CRO)
Gelb-Rote Karte: Payet (34.)
Gelbe Karten: Gignac - Sarr
Zuschauer: 39.790 (ausverkauft)


DIE STIMMEN ZUM SPIEL

Vor dem Spiel nachdenklich: Jürgen Klopp (Foto: kicker)
Jürgen Klopp: „Das Spiel hatte von der Spannung her „Malaga-Qualität“. Am Ende haben wir eigentlich alles richtig gemacht, aber doch so viel falsch, dass wir sehr viele klare Chancen gegen einen leidenschaftlichen und tief stehenden Gegner nicht genutzt haben. Es geht dann so ein „gewürgter“ Ball von Kevin rein, obwohl wir vorher die viel eindeutigeren Möglichkeiten hatten. Marseille war ein schwieriger Gegner, der unter Druck stand. Das hat man ihnen angemerkt, denn sie  haben es uns sehr schwer gemacht. Wir haben aber immer an den Sieg geglaubt und waren alle 30 Sekunden im Strafraum. Da musste dann irgendein Schuss mal im Tor landen. Die Jungs haben alles versucht, waren konzentriert bis in die Haarspitzen. Die Mannschaft hat alles rausgehauen, auch wenn man uns nach der Führung von Neapel den Druck angemerkt hat. Kevin Großkreutz darf heute Abend gerne ein Bierchen trinken. Er ist ein super Junge, hat in diesem Spiel alles richtig gemacht und das entscheidende Tor geschossen. Das war ein sehr schöner Abend, den wir sehr gerne mitnehmen.“

Sebastian Kehl: „Marseille hat sehr kompakt hinten gestanden und nach dem Platzverweis mit zehn Mann verteidigt. Beim letzten Ball haben wir manchmal nicht gut gespielt, aber wir hatten natürlich auch riesengroße Chancen. Eigentlich müssen wir das Spiel früher entscheiden, aber das ist völlig egal. Jetzt sind wir sogar Erster in der Gruppe, von daher ist es ein toller Tag. Wir haben natürlich mitbekommen, dass Neapel führt. Wir brauchten also noch ein Tor, es war sehr, sehr spannend. Kevins Tor ist dann natürlich ein riesiger Knaller. Man darf die Stärke der Gruppe nicht vergessen, alle drei Mannschaften mit zwölf Punkten hätten es verdient gehabt, ins Achtelfinale einzuziehen. Jetzt sind wir sogar Erster geworden, darüber sind wir überglücklich.“

Zweikampf Lewy gegen Diawara (Foto: kicker)
Kevin Großkreutz: "Das war ein geniales Gefühl. Wir wären raus gewesen, und dann knall ich das Ding in den Winkel. Schieber legt ihn perfekt auf, und ich treffe ihn irgendwie richtig. Das war ein sensationelles Gefühl. Jetzt stehen wir im Achtelfinale. Die Mannschaft und alle Fans haben sich das verdient. Ein, zwei Bierchen können wir uns heute gönnen."

Michael Zorc: „Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, weil wir den Ball lange nicht über die Linie bekommen haben. Am Ende ist der Sieg natürlich hoch verdient. Wir hatten Chancen für zwei bis drei Spiele. Nun sind wir sogar als Gruppensieger weiter, das ist ein überragendes Ergebnis. Auch das alle vier deutschen Mannschaften im Achtelfinale stehen, ist großartig. Im Grunde genommen haben wir das Spiel die ganze Zeit kontrolliert, bekommen durch den ersten Ball auf unser Tor dann leider den Ausgleich. In der zweiten Halbzeit haben wir natürlich mitbekommen, dass Neapel führt. Wir mussten also unbedingt noch ein Tor machen und haben es den Spielern auf dem Platz auch relativ schnell kommuniziert. Ich freue mich sehr für den Torschützen Kevin Großkreutz und die ganze Mannschaft.“


MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (4), Großkreutz (2), Sarr (2,5), Sokratis (2,5), Durm (2), Sahin (3), Kehl (3,5), Blaszczykowksi (3), Mkhitaryan (5), Reus (3,5), Lewandowski (2), Hofmann (2,5), Schieber (-), Piszczek (-).

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