Mittwoch, 7. August 2013

BVB mit viel "Pep" in die neue Saison

Die Vorbereitungszeit ist zu Ende. Am Freitag startet die Bundesliga in ihre 51. Spielzeit. Und Borussia Dortmund scheint bestens gerüstet, die Jagd auf den vermeintlichen Top-Favoriten Bayern München aufzunehmen.


Die ersten beiden Pflichtspiele wurden gewonnen. Der erste Titel ist durch das 4:2 über Pep Guardiolas "Über-Bayern" eingefahren, die erste Hürde im DFB-Pokal wurde mit dem 3:0 beim SV Wilhelmshaven souverän gemeistert. Der BVB absolvierte eine kurze, aber sehr konzentrierte und intensive Vorbereitung mit zwei Trainingslagern und überwiegend überzeugenden Testspielsiegen.

Wo genau die Schwattgelben aber stehen, wird erst der kommende Samstag zeigen. Dann nämlich wartet mit dem FC Augsburg der erste Bundesliga-Gegner auf die Mannschaft von Jürgen Klopp. Alle vorherigen Ergebnisse und Erkenntnisse sind dann Makulatur.

Daß der BVB sein erstes Meisterschaftsspiel sogar ohne einen seiner drei namhaften Neuzugänge beginnen wird, muß dabei kein Nachteil sein. Schließlich wurden auch die Bayern im Supercup-Finale ohne einen "Neuen" in der Startformation mit begeisterndem Offensivfußball geschlagen. Borussia präsentierte sich eingespielt, ein Rädchen in Jürgen Klopps Pressing-Maschine griff ins andere. Die Laufwege stimmten, das ohnehin schnelle Umschaltspiel erscheint noch schneller als in den Spielzeiten zuvor. Das Team ist eingespielt. Jeder weiß, was der andere tut. Gerade zu Saisonbeginn kann das ein entscheidender Vorteil gegenüber dem großen Süd-Rivalen von der Isar sein, der sich noch nicht gefunden hat und nach wie vor nach dem passenden System sucht und von einer festen Startformation weit entfernt zu sein scheint (wenn es eine solche in dieser Saison überhaupt geben wird). Nicht mal ein festes Gerüst hat sich bisher unter Guardiola herauskristallisiert.
Borussia hingegen muß dringend an den nach wie vor nicht abgestellten Schwächen in der Defensive arbeiten. Insbesondere bei Standardsituationen und hohen Bällen offenbart der BVB weiterhin große Defizite. Das wurde selbst in Spielen gegen "schwächere" oder unterklassige Teams mehr als deutlich.

Hoffnungsträger: Henrikh Mkhitaryan
Den Verlust von Mario Götze scheint Borussia dagegen in jedem Fall gut verkraftet und kompensiert zu haben. Henrikh Mkhitaryan nämlich erweckte durchaus den Eindruck, daß der BVB den adäquaten Nachfolger Götzes gefunden hat. Auch wenn sich eine seriöse Beurteilung momentan eigentlich noch verbietet, so waren die Ansätze des Armeniers doch mehr als verheißungsvoll. Eine Verletzung stoppte den quirligen Edeltechniker vorerst. Mkhitaryan befindet sich zwar wieder im (individuellen) Mannschaftstraining, wird aber für den Bundesliga-Start noch keine ernsthafte Rolle in den Startelf-Überlegungen Jürgen Klopps spielen.
Das gleiche gilt für die beiden anderen Neuzugänge des BVB. Der griechische Abwehrspieler Sokratis wird sich ebenso zunächst mit einem Platz auf der Bank begnügen müssen, wie Pierre-Emerick Aubameyang. Der schnelle Gabuner (oder Jonas Hofmann) dürfte nur dann für die Anfangsformation infrage kommen, sollte Jakub Blaszczykowski nicht rechtzeitig fit werden.
Auch von den zahlreichen Youngstern, die in der Vorbereitung durchweg zu überzeugen wussten, wird voraussichtlich niemand in der Startelf in Augsburg auftauchen. Doch ist vor allem Jonas Hofmann (s.o.) ganz nah dran an der ersten Elf und auch Marvin Ducksch scheint ein sicherer Kandidat für den 18er Kader in der Fuggerstadt zu sein. Ducksch verdrängte zuletzt den eigentlich als Lewandowski-Backup vorgesehenen Julian Schieber aus dem Aufgebot fürs Pokalspiel in Wilhelmshaven. Mehr noch. Das Dortmunder Eigengewächs wurde an der Nordsee durch einen Treffer und eine Vorbereitung zum Matchwinner für Schwattgelb. Nun steht Ducksch vor der Erfüllung seines großen Traums: für den BVB in der Bundesliga spielen!

Nur noch Bayern im Kopf? Robert Lewandowski
Selbst die zuletzt wieder lauter gewordenen Unmutsäußerungen des nach wie vor wechselwilligen Robert Lewandowskis scheinen im Dortmunder Umfeld wenige Tage vor dem Bundesliga-Start niemanden aus der Ruhe zu bringen. Zwar geht das Gejammere des polnischen Torjägers nicht nur Mitspielern und Verantwortlichen sondern auch den Fans mittlerweile arg auf die Nerven. Doch überwiegt bei allen momentan die Vorfreude auf den bevorstehenden Bundesliga-Start. Ein Transfer zu den Bayern noch in diesem Sommer scheint trotzdem noch immer nicht hundertprozentig vom Tisch zu sein. Die Gerüchteküche jedenfalls brodelt nach jedem Statement Lewandowskis neu auf. Allerdings müßte zunächst einmal ein offizielles Angebot des FC Bayern auf dem Tisch des BVB liegen, damit sich die Verantwortlichen überhaupt noch einmal mit diesem Thema befassen. Sollte ein solches Angebot tatsächlich noch bei Borussia "eintrudeln" und sich dem BVB gleichzeitig eine passende Alternative auf dem Transfermarkt bieten, könnte der Wechsel noch im August über die Bühne gehen - allen Versprechungen Watzkes, den Polen unbedingt halten zu wollen, zum Trotz. Fakt ist, daß die ständigen Provokationen Lewandowskis und dessen Berater nicht nur im Umfeld des BVB dauerhaft für Unruhe sorgen werden sondern auch das Binnenklima in der Mannschaft vergiften könnten. Zuletzt gab es Spekulationen, Lewandowski könne mit dem beim FC Bayern immer unzufriedender scheinenden Mario Mandzukic das Trikot tauschen. Plus die ein oder andere Million für den BVB als Dreingabe! Zwar dementierte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge umgehend solche Gedankenspiele...doch auch hier gilt: wen interessiert am 31.August das Gequatsche von "gestern"? Gleichzeitig sollten solche Äußerungen aus München Lewandowski zu Denken geben. Scheinbar will man den Polen dort gar nicht. Jedenfalls nicht sofort.

Am Samstag in Augsburg kristallisiert sich somit eine Mannschaft heraus, die der aus dem Supercup-Spiel sehr nahe kommt. Weidenfeller ist gesperrt. Für ihn wird Langerak das Dortmunder Tor hüten. Rechts wird Großkreutz als Außenverteidiger den langzeitverletzten Piszczek vertreten, links beginnt Schmelzer. Die Innenverteidigung mit Subotic und Hummels ist gesetzt.
Sollte Klopp im favorisierten 4-2-3-1 beginnen, dürften Sven Bender (oder alternativ Kehl) und Nuri Sahin die beiden Sechserpositionen bekleiden. Rechts offensiv startet Kuba, so er denn fit wird. Andernfalls könnte Aubameyang sein Bundesliga-Debut feiern - es sei denn, Klopp honoriert die bestechende Form seines Youngsters Jonas Hofmann. Zentral offensiv führt an Ilkay Gündogan ebensowenig kein Weg vorbei, wie links an Marco Reus. Lewandowski wird wie gewohnt die einzige Sturmspitze sein. Bemerkung am Rande: mit Michell Langerak im Tor kann eigentlich gar nichts schiefgehen. In allen zehn Pflichtspielen, in denen der sympathisch Australier Roman Weidenfeller vertrat, gewann der BVB.

Wer gratuliert am Ende wem? Guardiola und Klopp
Für Borussia wird es ab Samstag darauf ankommen, von Beginn an konzentriert aufzutreten und konstanter zu punkten als im Vorjahr, als man sich selbst in zu vielen Partien durch eigene Nachlässigkeiten und Unkonzentriertheiten (besonders im Defensiv-Verhalten) um den gerechten Lohn der laufintensiven Arbeit brachte. Nicht die Duelle gegen den großen Rivalen Bayern München werden am Ende über die Titelvergabe entscheiden. Sondern - wie es auch schon Jürgen Klopp treffend formulierte: die Spiele gegen die anderen 16 Teams der Bundesliga gilt es mit voller Konzentration anzugehen. Sollte Borussia nur annähernd an ihre Leistungsgrenze kommen, ist man zweifellos 16 Teams der Liga überlegen und mit den Bayern auf Augenhöhe. Dann steht einem spannenden Titelrennen um die Deutsche Meisterschaft zwischen Guardiola und Klopp nichts mehr im Wege.

Mein persönlicher Tipp: Sollte Bayern anfangs stolpern und Borussia gut starten, geht die Schale wieder an den Borsigplatz!

Mehr vom aktuellen BVB-Geschehen auch in meiner reviersport-Kolumne
http://www.reviersport.de/fankurve/markus-bvb-blog.html