Donnerstag, 29. Mai 2014

Löws WM-Lotterie: 3 aus 26

Im Passeiertal in Südtirol bereitet sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in diesen Tagen auf die WM in Brasilien vor. Jogi Löws vorläufiges Aufgebot umfasst 26 Spieler, von denen der Bundestrainer nach dem Länderspiel gegen Kamerun am kommenden Sonntag noch drei Spieler streichen muß. Löws WM-Lotterie: 3 aus 26. Natürlich wird Löw dabei vorrangig nach sportlichen Gesichtspunkten entscheiden - allerdings spielen diesmal auch ärztliche Diagnosen und Prognosen eine entscheidende Rolle in den Überlegungen des Bundestrainers. Denn zahlreiche WM-Kandidaten sind angeschlagen und/oder haben weder den notwendigen Spiel-Rhythmus noch die entsprechende Spiel-Fitness.

Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Schmelzer, Khedira lauten die Namen der angeschlagenen bzw. nicht spielfitten Akteure - nimmt man den sehr lange verletzten, inzwischen aber wohl vollständig genesenen Miroslav Klose hinzu, kommt man auf sechs mehr oder weniger dicke Fragezeichen hinsichtlich der für die auch in klimatischer Hinsicht anspruchsvolle WM in Brasilien. Lars Bender erwischte es sogar gleich am ersten Tag des Trainingslagers. WM-aus für den Leverkusener.

Am kommenden Montag, dem 2.Juni, muß Jogi Löw die Katze definitiv aus dem Sack lassen. Das einen Tag zuvor stattfindende Testspiel gegen Kamerun sollte dem Bundestrainer eigentlich schon wichtige Aufschlüsse hinsichtlich einer eventuellen Startformation für den WM-Auftakt gegen Portugel liefern. Nun sieht es eher danach aus, als diene das Kamerun-Spiel überwiegend als Gradmesser und Entscheidungsfinder für den Gesamtkader. Wieviel Risiko kann, will und wird der Bundestrainer bei seiner Kadernominierung hinsichtlich der angeschlagenen Akteure eingehen?

Neuer, Lahm und Schmelzer werden den Test definitiv verpassen. Bei ihnen stellt sich die generelle Frage, ob sie überhaupt bis zum Turnier einsatzfähig sein werden. Bei Schweinsteiger, Khedira und Klose geht es dagegen "nur" darum, einen gewissen Spielrhythmus zu finden. Alle drei Akteure werden mit Sicherheit an der WM teilnehmen.

Während Schweinsteiger, Khedira und Klose gegen Kamerun wohl zum Einsatz kommen und durch dann gewonnene Spielpraxis in einen optimaleren Spielrhtythmus gebracht werden können, fallen Neuer, Lahm und Schmelzer gegen die Afrikaner definitiv aus. Bei allen drei Spielern muß Löw den sportlichen Wert fürs Team gegen das Risiko abwägen, daß alle drei für die ersten WM-Spiele oder gar das gesamte Turnier ausfallen könnten. Es gilt aber als sicher, daß der Bundestrainer Manuel Neuer und erst Recht seinen Kapitän Philipp Lahm definitiv für den endgültigen Kader nominieren wird. Für Schmelzer dagegen könnte es eng werden.

Somit steigen natürlich die Chancen auf eine WM-Teilnahme bei jenen Spielern, die von der Öffentlichkeit von vornherein als logische Streich-Kandidaten eingeschätzt wurden - Mustafi, Ginter, Durm und Kramer. Es ist kein Zufall, daß Löw alle vier mehrmals öffentlich "über den grünen Klee" lobte. Kramer dürfte aufgrund der unsicheren "Sechser"-Optionen ebenso das WM-Ticket lösen wie Erik Durm. Auf dessen Position links in der Vierer-Abwehrkette herrscht nämlich, befeuert durch die neuerliche Schmelzer-Verletzung, das größte DFB-Vakuum. Das widerum könnte Durm sogar unverhofft vom Streich- zu einem sicheren Startelf-Kandidaten für den WM-Auftakt machen.

WM-Kandidat: Erik Durm
Weitere Wackelkandidaten sind Schalkes Julian Draxler (nach einer durchwachsenen Saison), Hoffenheims Kevin Volland und plötzlich auch Kevin Großkreutz. Der Dortmunder, der nach dem Pokalfinale in eine Berliner Hotel-Lobby uriniert und sich mit einem Hotelgast angelegt haben soll, wurde von Löw und Bierhoff ob seiner Vorbild-Funktion völlig zu Recht verwarnt und angezählt - mußte allerdings nach seiner erst mit Verspätung bekannt gewordenen Verfehlung einen völlig überzogenen öffentlichen "Shitstorm" über sich ergehen lassen. Einzig der aufgrund seiner Vielseitigkeit nicht wegzudiskutierende sportliche Wert fürs Team in Verbindung mit den großen personellen Fragezeichen dürften Großkreutz vor einem vorzeitigen WM-Aus durch den Bundestrainer bewahrt haben.

Kevin Volland dagegen profitiert von "der großen Leere" im Sturm. Zwar ist auch der Hoffenheimer kein "echter Neuner", hat allerdings schon überzeugend nachgewiesen, diese Rolle qualititativ hochwertig ausfüllen zu können. Das macht ihn als Alternative zum für den Kader gesetzten Klose eigentlich unentbehrlich.

Sollten sich bis zum 2. Juni nicht noch weitere verletzungsbedingte Ausfälle ergeben, rechne ich damit, daß sich Löw für die Streichung von Ginter und Draxler entscheiden wird. Mustafi und (verletzungsbedingt) Schmelzer "streiten" sich um den letzten verbleibenden Platz im endgültigen WM-Kader. Bei "günstiger" medizinischer Prognose löst Schmelzer das Ticket - Mustafi müßte weichen.