Freitag, 16. Mai 2014

BVB heiß auf den "Pott"

Der Zeitpunkt des Showdowns ist gekommen. Am Samstag abend treffen im Berliner Olympiastadion mit Borussia Dortmund und Bayern München die beiden nationalen Top-Teams im Finale um den DFB-Pokal aufeinander. 13 Spieler aus Jogi Löws vorläufigem WM-Kader tummeln sich auf dem Rasen, 76.000 Zuschauer bilden einen gebührenden Rahmen, 189 Länder sind live zugeschaltet, 802 Medienvertreter  akkreditiert. Für die zahlreichen öffentlichen und privaten Public Viewings zeigt sich - so die Prognosen -  der Wettergott von seiner besten Seite. Es ist also alles angerichtet für ein echtes Fußball-Fest.

Ein letztes Mal für Schwattgelb: Robert Lewandowski
Aufgrund der typisch hohen eigenen Erwartungshaltung stehen die Bayern unter großem Druck. Eine Saison "nur" mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft zu beenden, entspricht nicht dem Anspruchsdenken des Rekordmeisters und -pokalsiegers. Das "Double" sollte es da schon sein. Auch wenn sich beide Teams sportlich momentan auf Augenhöhe begegnen, liegt der psychologische Vorteil somit auf Seiten des im diesjährigen Wettbewerb noch gegentorlosen BVB. Und auch die Formkurve der vergangenen Wochen spricht klar für die Westfalen. So sehen es scheinbar auch die Leser des "kicker", die Borussia Dortmund in einer Umfrage mit 75 % aller Stimmen für das Finale favorisieren.

Der Umfrage entsprechend - und somit ungewohnt kleinlaut - äußerten sich die Bayern im Vorfeld zum bevorstehenden prestigeträchtigen Duell mit ihrem Erzrivalen, der sich anders als andere Teams in der Vergangenheit, partout nicht abschütteln lassen will. Die sonst so stark dosierten Giftpfeile blieben diesmal (allerdings beiderseits) fast vollständig aus. Thomas Müller sieht im neuen Pokalsieger, auch wenn er BVB heißen sollte, gar die momentan beste deutsche Vereinsmannschaft. Sein Teamkollege Franck Ribery mag nur bei einem Triumph seiner Farben von einer sehr guten Saison sprechen - andernfalls von einer "eher nicht guten".

Kein Wiedersehen in Berlin: Mandzukic, Sokratis
Die Borussen jedenfalls sind heiß auf die Bayern und mehr als gewillt, den Triumph aus 2012 zu wiederholen. Damals gelang den Dortmundern ein beeindruckender 5:2-Erfolg, bei dem Robert Lewandowski einen Dreier-Pack schnürte. Und "Lewy" dürfte diesmal besonders motiviert sein, denn der Pole will sich in seinem letzten Spiel im schwattgelben Trikot mit dem Gewinn des DFB-Pokals von den BVB-Fans verabschieden. Gegen seinen neuen Arbeitgeber. Wäre es nicht ohnehin ums Prinzip gegangen, so könnte sich die klare Verweigerung des BVB, mit Lewandowski ihren Weltklassestürmer schon vergangenen Sommer zum FC Bayern wechseln zu lassen, besonders im morgigen DFB-Pokalfinale nochmals richtig auszahlen.

Da Fußballer zu Aberglauben neigen, übernimmt Borussia die Abläufe zur Vorbereitung aufs Finale quasi eins zu eins aus dem Jahr 2012. "Wir machen alles so wie damals", bestätigte Sportdirektor Michael Zorc. Das gilt auch für die Unterkunft. Wie 2012 residiert der BVB im noblen Schloßhotel Grunewald, dem Quartier der deutschen Nationalmannschaft aus Tagen der WM 2006.


Die Startformation, mit der Jürgen Klopp das Finale angehen wird, ergibt sich quasi von allein. Zwar ist der BVB-Coach immer für eine Überraschung gut. Doch ist das Finale zu bedeutend, als daß Kloppo einen möglichen Triumph durch personelle Vabanque-Spiele gefährden würde. Somit scheint lediglich die Besetzung der Sechser-Position(en) völlig offen. Vertraut Klopp eher der jugendlichen Unbekümmertheit eines Milos Jojic oder der großen Erfahrung und Routine seines Kapitäns Sebastian Kehl? Vertraut er eher dem zuletzt überspielt wirkenden Nuri Sahin oder dem in der Rückrunde sehr präsenten Oliver Kirch?

Fest steht leider, daß Borussia auf seinen etatmäßigen Reservekeeper verzichten muß. Für Mitch Langerak, der sich eine Kreuzband-Dehnung zuzog, sitzt mit Zlatan Alomerovic der Stammkeeper der U23 als Weidenfeller-Ersatz auf der BVB-Bank. Außerdem fehlen der Borussia weiterhin die Langzeitverletzten Subotic, Gündogan, Blaszczykowski und Bender.



Klopps Kollege Guardiola verzichtet dagegen freiwillig und völlig überraschend auf seinen Top-Torjäger Mario Mandzukic. Der Kroate flog nicht mit nach Berlin. Die Gründe für diese Maßnahme wollte Guardiola nicht weiter erörtern. Allerdings sorgt der Coach mit dieser Personalie für neue Unruhe im Bayern-Umfeld und öffnet wild wuchernden Spekulationen Tür und Tor. Neben dem Kroaten fehlen dem Rekordmeister der langzeitverletzte Holger Badstuber sowie Bastian Schweinsteiger und Thiago Alcantara.

Spannend - und für den Spielausgang entscheidend - wird zu beobachten sein, welche der beiden aufeinanderprallenden Spielphilosophien sich durchsetzt. Klopps aggressives Pressing mit extrem schnellem Umschaltspiel oder Guardiolas bis zum Exzess praktizierter und auf eigenen Ballbesitz ausgerichteter Matchplan.



Über mangelnde Unterstützung kann sich Borussia wie gewohnt nicht beklagen. 50.000 BVB-Fans in Berlin sowie zig Tausende in der heimischen Westfalenhalle und der Dortmunder City bilden ein einzigartiges schwattgelbes Band der Sympathie und Begeisterung. Auf der Welle dieses unbezahlbar wichtigen Faustpfands sollen die Borussen zum vierten Gewinn des DFB-Pokals getragen werden. Als gutes Omen könnte man deuten, daß es nun schon jubiläumsverdächtige 25 Jahre her ist, daß der BVB mit einem 4:1-Finalsieg in Berlin gegen Werder Bremen eine bis heute anhaltende Phase der Begeisterung und Euphorie rund um Borussia Dortmund begründete.

Mein Tipp:
Borussia gewinnt mit 3:1. Robert Lewandowski verabschiedet sich mit zwei Toren und dem Gewinn des DFB-Pokals vom BVB.

Die möglichen Aufstellungen:

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Sahin (Kirch), Jojic (Kehl) - Mkhitaryan, Reus, Großkreutz - Lewandowski.
BAYERN: Neuer - Rafinha, Boateng, Dante, Alaba - Javi Martinez, Lahm - Robben, Kroos, Ribery (Götze) - Müller.

SCHIEDSRICHTER: Florian Meyer (Burgdorf)