Sonntag, 4. Mai 2014

3:2 - BVB bleibt in der Erfolgsspur

Im letzten Heimspiel dieser Bundesliga-Saison gelang Borussia Dortmund vor 80.200 Zuschauern im einmal mehr ausverkauften Westfalenstadion ein 3:2-Sieg über die TSG Hoffenheim. Das Duell mit der Gisdol-Elf war zugleich die Abschiedsvorstellung von Robert Lewandowski vor den eigenen Fans. Zwar blieb Lewy ein eigener Treffer verwehrt, doch sorgten Borussias Verantwortliche und vor allem die BVB-Fans für einen gleichermaßen emotionalen wie würdigen Abschied des polnischen Torjägers. Zweimal noch wird einer der erfolgreichsten Stürmer der BVB-Historie das schwattgelbe Trikot tragen - letztmals am 17. Mai im Berliner Pokalfinale gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber Bayern München.

Mit seinem 1:1 brach Großkreutz den Bann. Links Jojic (Foto: kicker)
PERSONAL

Der wiedergenesene Marcel Schmelzer feierte nach sechswöchiger Verletzungspause sein Comeback und kam für den grippeerkrankten Oliver Kirch ins Team. Weil Schmelle seine angestammte Position als Linksverteidiger einnahm, rutschte Klopps Allrounder Kevin Großkreutz vor auf die linke offensive Außenbahn, während Milos Jojic als zweiter Sechser neben Nuri Sahin agierte.

SPIELVERLAUF

Hoffenheim begann erwartet frech, offensiv und ohne großen Respekt. Da sich Dortmunds Defensive in den ersten Minuten vogelwild und unkonzentriert präsentierte, kamen die Gäste zwangsläufig zu ersten guten Torchancen. Eine davon nutzte Firmino in der 5. Minute zur Führung für die TSG. Der Brasilianer verwertete dabei Rudys starke Vorarbeit, nachdem dieser Schmelzer und Hummels regelrecht düpiert hatte. Beinahe hätte die Gisdol-Elf die allgemeine Verunsicherung in Borussias Defensive nur zwei Minuten später zum 0:2 genutzt - doch Hummels klärte einen Volland-Schuß auf der Torlinie.

Danach fing sich der BVB jedoch und fand immer besser ins Spiel. Lewandowski und Reus bot sich in der 10. und 12. Minute die Chance zum Ausgleich. Im Anschluß brachten beide Teams mehr Ruhe in ihr Spiel und vor allem in ihre Defensiv-Reihen. So endeten die beiderseits mit hohem Tempo vorgetragenen Offensivaktionen meistens am gegnerischen Strafraum. In der 29. Minute gelang Borussia aus der zunehmenden optischen Überlegenheit der folgerichtige Ausgleich. Ein Zuspiel von Jojic schlenzte Großkreutz von halblinks gefühlvoll und platziert ins lange Eck des von Grahl gehüteten Gästetores.

Offizielle Verabschiedung: Lewandowski und Zorc (Foto: kicker)
Das 1:1 leitete eine fünfminütige Vollgas-Phase der Hausherren ein. In der 31. Minute das 2:1 für den BVB durch Mkhitaryan, der eine maßgenaue Reus-Flanke per Flugkopfball ins Netz wuchtete. Und nur drei Minuten später gar das 3:1 für die nun wie entfesselt aufspielenden Gastgeber. Einen Reus-Freistoß wehrten die Hoffenheimer zu unkontrolliert ab. Der freistehende Piszczek nahm die Einladung an und schlenzte das Leder per Außenrist in den rechten Torwinkel. Innerhalb weniger Minuten hatte der BVB die Partie gedreht.

Nach dem Wechsel schienen beide Teams den Schwung der ersten 45 Minuten in der Kabine gelassen zu haben. Die Partie verflachte mit fortschreitender Spieldauer. Zwar war Dortmund um weitere Abschlußmöglichkeiten bemüht (Lewandowski, Reus), doch zwingende Gefahr für die Gäste verursachte Borussia dadurch nicht. Lediglich zwei Fernschüße von Großkreutz in der 59. und 60. Minute brachten die TSG nochmal in Bedrängnis.

Die Partie plätscherte nun fast ereignislos dahin - bis ausgerechnet Roman "Mr. Zuverlässig" Weidenfeller in der 62. Minute nochmal für ein klein wenig Spannung sorgte. Einen Fernschuß von Süle ließ Borussias Nationalkeeper zum Anschlußtreffer der Gäste durch die Beine rutschen. Das wars dann allerdings auch schon, denn in der Folgezeit kamen beide Teams nicht mehr zu wirklich zwingenden Torchancen. Einziger Höhepunkt war schließlich noch die Auswechslung von Lewandowski kurz vor Spielende. Der Pole wurde bei seinem letzten Heimspiel für den BVB von den Fans mit Standing-Ovations und Sprechchören würdig verabschiedet.

Rassiger Zweikampf Großkreutz / Johnson (Foto: kicker)
ANALYSE

Eine allzu kritische Analyse verbietet sich für dieses letzte BVB-Heimspiel der laufenden Saison. Zum einen hatten die Schwattgelben bereits vor dem Anpfiff ihr Bundesliga-Saisonziel erreicht. Zum anderen lag der Fokus dieses letzten Saisonauftritts vor eigenem Publikum auf der Person Robert Lewandowski.

Der Pole absolvierte sein letztes Spiel als Borusse im Westfalenstadion und stand bereits vor Spielbeginn im Rahmen seiner offiziellen Verabschiedung logischerweise im Mittelpunkt des Interesses. Seine letzten 90 Minuten als Borusse im Westfalenstadion absolvierte der Torjäger, wie man es von ihm gewohnt ist. Lewy war sowohl Anspielstation als auch Vorbereiter, war Prellbock und Vorlagengeber - aber ein eigener Treffer wollte dem in Dortmund zum Weltklassespieler gereiften Polen partout nicht gelingen. Gelegentlich wirkte Lewandowski ungewohnt eigensinnig. In einigen Situationen wurde regelrecht spürbar, daß er sich unbedingt (verständlicherweise) mit einem Treffer vom Dortmunder Publikum verabschieden wollte.

Nach anfänglichem Tohuwabohu im Defensivverhalten bot die Borussia ihren Fans insgesamt ein recht kurzweiliges und im ersten Durchgang teilweise hochklassiges Spiel. Gelegentliche Unkonzentriertheiten beider Teams (Höhepunkt Weidenfellers Lapsus beim 3:2) waren eindeutig der Tatsache geschuldet, daß sowohl für den BVB als auch für die Gäste nicht mehr so furchtbar viel auf dem Spiel stand.

Erwähnenswert das Comeback von Marcel Schmelzer. Der Nationalverteidiger hatte seinen Faserriß auskuriert und mit der Startelf-Nominierung seine sechswöchige Wettkampf-Abstinenz beendet. Die lange Pause war Schmelle durchaus anzumerken, was jedoch niemanden wirklich verwundern konnte.

Kevin Großkreutz zeigte sich einmal mehr von seiner besten Seite. Borussias Allzweckwaffe entpuppte sich mit zunehmender Spieldauer als diesmal stärkste Dortmunder Offensivkraft. Großkreutz war an fast allen gefährlichen Aktionen seiner Mannschaft beteiligt und krönte seinen starken Auftritt mit seinem ersten Tor in dieser Bundesliga-Saison.

Ein eigener Treffer gelang Marco Reus diesmal zwar nicht. Dennoch war der Nationalspieler einmal mehr ein absoluter Aktivposten des Dortmunder Spiels und erneut an zwei Toren seiner Mannschaft als Vorbereiter direkt beteiligt.

Starker Auftritt: Sokratis gegen Firmino (Foto: kicker)
Aus meiner Sicht ein wenig unverständlich und auch enttäuschend, daß Manuel Friedrich ein letzter Einsatz vor heimischem Publikum verwehrt blieb. Zwar wurde der Routinier (wie Lewandowski) vor dem Spiel offiziell verabschiedet. Doch wird es wohl Jürgen Klopps Geheimnis bleiben, warum er seinem langjährigen Weggefährten in dessen letztem Westfalenstadion-Einsatz nicht wenigstens ein paar Einsatz-Minuten gönnte und  ihn damit um den verdienten Szenen-Applaus brachte.

Abschließend bleibt festzuhalten, daß die Schwattgelben ihre schon während der Saison mehrfach nachgewiesene großartige Mentalität und Charakterstärke auch gegen Hoffenheim unter Beweis stellten. Die Lust am Spiel und der Wille zum Sieg war der Klopp-Elf auch in diesem sportlich relativ bedeutungslosen Duell mit den Kraichgauern jederzeit anzumerken - und fand seine Krönung zwischen der 29. und 34. Minute, als die Mannschaft den frühen Rückstand in einen vorentscheidenden 3:1-Vorsprung drehte. Durch den letztlich verdienten 3:2-Sieg bleibt Borussia Dortmund in der Erfolgsspur der letzten Wochen.

Die Pressekonferenz mit Jürgen Klopp nach dem Spiel gegen Hoffenheim (präsentiert von SportLiveDortmund)



DIE STATISTIK

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski
TSG Hoffenheim: Grahl – Johnson, Abraham, Süle, Beck – Elyounoussi, Strobl, Polanski, Rudy - Roberto Firmino, Volland
Einwechselungen: 76. Aubameyang für Reus, 81. Hofmann für Mkhitaryan, 90.+1 Schieber für Lewandowski - 54. Salihovic fürElyounoussi, 61. Gyau für Polanski, 85. Nazario für Strobl
Tore: 0:1 Roberto Firmino (5., Rudy), 1:1 Großkreutz (29., Jojic), 2:1 Mkhitaryan (31., Reus), 3:1 Piszczek (34., Freistoß Reus), 3:2 Süle (66.)
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)
Gelbe Karte: - Polanski
Zuschauer: 80.200 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

"Zweitletzter Spieltag, Abschiedszeremonien – der undankbarste Gegner, den man zu einem solchen Zeitpunkt in der Saison kriegen kann, ist Hoffenheim. Die lassen sich von einer Atmosphäre, wie wir sie haben, inspirieren, sind schnell, haben einen guten Plan und Lust auf Fußball. Alles, was einem da an Konzentration fehlt, musst du durch Laufen ausgleichen. So kam diese Anfangsphase zustande. Wir hatten Aktien am Gegentor und an der Großchance, da waren wir noch nicht richtig da. Danach waren wir geweckt und im Spiel, haben tollen Fußball gespielt. Die erste Halbzeit war sehr spektakulär, das hat den Leuten, denke ich, richtig Spaß gemacht. Dafür, dass der Druck weg war, war das heute herausragend gut und Werbung für den Fußball."

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (4), Piszczek (3), Sokratis (2), Hummels (3), Schmelzer (3,5), Sahin (4), Jojic (3,5), Mkhitaryan (3), Reus (2,5), Großkreutz (2), Lewandowski (3,5), Hofmann (-), Aubameyang (-), Schieber (-).