Sonntag, 11. Mai 2014

4:0 - BVB und Lewy bereit fürs Finale

71 Punkte, Vizemeister, Ruhrpott-Meister - Borussia Dortmund hat mit dem 4:0-Sieg bei Hertha BSC am 34. Spieltag der Bundesliga alle vor der Saison gesetzten Ziele erreicht. Vor 76.197 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion ballerten sich die Schwattgelben schon mal für das bevorstehende Pokalfinale gegen Bayern München warm. Einer stand dabei besonders im Mittelpunkt: Robert Lewandowski traf in seinem letzten Bundesligaspiel für den BVB zweimal und sicherte sich damit die so heiß ersehnte Torjägerkanone. Henrikh Mkhitaryan und Milos Jojic erzielten die weiteren Treffer für die Borussia.

Torschützenkönig 2013/14: Robert Lewandowski (Foto: kicker)
PERSONAL

Gegenüber dem Sieg gegen Hoffenheim veränderte Jürgen Klopp seine Startformation lediglich auf einer Position. Manuel Friedrich kam zu seinem letzten Bundesliga-Spiel für den BVB und erhielt somit nochmal Gelegenheit, sich durch gewonnene Spielpraxis als mögliche Option für das Pokalfinale gegen Bayern München anzubieten. Der vor allem in der Rückrunde stark beanspruchte Sokratis bekam gleichzeitig eine Verschnaufpause.

SPIELVERLAUF

Es war keineswegs ein Sommerkick, den beide Teams ihren Fans in einem für die Tabelle eher belanglosen letzten Saisonspiel boten. In einer temporeichen Anfangsphase mit beiderseits schnell vorgetragenen Angriffen kamen beide Mannschaften zu guten Torchancen. Die größte bot sich Herthas Wagner, dessen Kopfball Nuri Sahin für den bereits geschlagenen Weidenfeller auf der Linie klären konnte (5. Minute). Dortmund spielte bis zum gegnerischen Strafraum sehr gefällig. Lediglich der finale Pass wollte zunächst nicht gelingen. Die Gastgeber agierten ähnlich wie der BVB - auch ihre Angriffsversuche endeten spätestens am Dortmunder Strafraum.

Nachdem beide Mannschaften zwischenzeitlich das Tempo aus dem Spiel nahmen, drehte der BVB kurz vor der Halbzeit noch einmal auf. Der knapp im Abseits stehende Lewandowski vollstreckte mit seinem 19. Saisontor eiskalt zur Dortmunder Führung (41.), nachdem Hummels ihn mustergültig freigespielt hatte.Kurz darauf eine Doppelchance für den emsigen Reus, die dieser aber nicht nutzen konnte. Besser machte es da Milos Jojic in der 44. Minute. Der junge Serbe schlenzte das Leder zu seinem vierten Saisontor von halbrechts ins lange Eck.

Immer stärker: Milos Jojic (Foto: kicker)
Nach dem Wechsel löste Oliver Kirch den kraft- und ideenlos wirkenden Sahin ab. Und Borussia kam durch den starken, aber diesmal im Abschluß glücklosen Reus zur nächsten hochkarätigen Chance (47.). Nachdem auch Jojic in der 49. Minute das 3:0 verpaßte, verflachte die Partie. Borussia überließ Hertha nun das Geschehen und beschränkte sich darauf, den Vorsprung zu verwalten. Hertha kam lediglich durch einen Ndjeng-Freistoß (64.) und einen Ramos-Kopfball (69.) zu gefährlichen Aktionen.

Zum Ende der Partie zog Borussia nochmal das Tempo an. Und wurde prompt mit dem 3:0 belohnt. Lewandowski versenkte mit seinem 20. Saisontor einen direkten Freistoß aus 18 Metern im linken Torwinkel des Hertha-Gehäuses (80.). Und nur zwei Minuten später setzte Henrikh Mkhitaryan nach einem Querschläger Aubameyangs mit seinem neunten Saisontreffer den Schlußpunkt unter einen hochverdienten Sieg des BVB.

ANALYSE

Borussia setzte die Vorgaben ihres Trainers bemerkenswert konsequent um und präsentierte sich beim Bundesliga-Saisonausklang durchaus bemüht und keineswegs demotiviert. Mit dem deutlichen 4:0-Sieg blieb der BVB in der Erfolgsspur und unterstrich einmal mehr seine derzeit beeindruckende Spätform.

Zwar unterliefen den Schwattgelben einige Konzentrationsfehler und auch die defensive Zweikampfführung war nicht hundertprozentig konsequent - aber das dürfte niemanden ernsthaft verwundern. Schließlich ging es zum einen tabellarisch um nichts mehr. Zum anderen wollten alle Borussen das Risiko einer Verletzung im Hinblick aufs bevorstehende Pokalfinale minimieren.

Zweikampf Reus / Hosogai (Foto: kicker)
Dennoch zuckten wohl alle, die mit dem BVB sympathisieren, in der 70. Minute zusammen. Nach einem Zweikampf mit Herthas Sandro Wagner mußte Marco Reus mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz. Zuvor hatte sich bereits Mats Hummels vorsorglich auswechseln lassen. Und auch Friedrich und Sokratis zogen sich kleinere Blessuren zu. Alle vier dürften aber bis zum Pokalfinale wieder zur Verfügung stehen.

Bemerkenswert einmal mehr der Auftritt von Milos Jojic. Es ist schon beeindruckend, wie schnell sich der junge Serbe an das hohe Bundesliga-Niveau gewöhnt hat und sich mittlerweile zu einem fast schon unverzichtbaren Aktivposten des Dortmunder Spiels entwickelt hat. Nicht von ungefähr gelang Jojic mit einem wunderschönen Treffer bereits sein viertes Saisontor.

Abschließend ein herzlicher Glückwunsch an Robert Lewandowski. Der Musterprofi veredelte seine starke Saison mit zwei Treffern in seinem letzten Bundesligaspiel für den BVB und sicherte sich den Gewinn der  imageträchtigen Torjägerkanone. Lewy ist somit nach Lothar Emmerich und Marcio Amoroso der dritte Borusse, dem dieses Kunststück gelang. Dortmunds Verantwortliche haben alles richtig gemacht, als sie dem Polen vor der Saison einen vorzeitigen Wechsel zum FC Bayern untersagten und dabei bewußt auf eine hohe Ablösesumme verzichteten.

Ab sofort gilt die volle Konzentration dem 17. Mai. Dann will Borussia eine bisher ganz starke Saison  mit dem vierten Gewinn des DFB-Pokals gegen Bayern München krönen. Erinnerungen an das Jahr 2012 werden wach, als der BVB den Rekordmeister in Berlin mit 5:2 demütigte. Ganz Dortmund fiebert nun sieben Tage lang dem absoluten Saison-Höhepunkt entgegen.

DIE STATISTIK

Hertha BSC: Kraft – Ndjeng, Langkamp, Brooks, Pekarik – Hosogai, Kobiashvili – Skjelbred, Mukhtar, Schulz - Wagner
Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Hummels, Schmelzer – Jojic, Sahin – Mkhitaryan, Reus, Großkreutz – Lewandowski
Einwechselungen: 34. van den Bergh für Skjelbred, 58. Niemeyer für Langkamp, 64. Ramos für Kobiashvili - 46. Kirch für Sahin, 56. Sokratis für Hummels, 70. Aubameyang für Reus
Tore: 0:1 Lewandowski (41., Hummels), 0:2 Jojic (44.), 0:3 Lewandowski (80., dir. Freistoß), 0:4 Mkhitaryan (82., Aubameyang)
Schiedsrichter: Stieler (Hamburg)
Gelbe Karten: Schulz, Wagner
Zuschauer: 76.197 (ausverkauft)

HIER SPRICHT KLOPPO

"Ich fand das Spiel extrem schwer, weil der Rasen viel zu trocken war. Das ist gefährlich für die Spieler und schlecht für den Fußball. Ansonsten war ich mit dem Spiel meiner Mannschaft hochzufrieden. Wir haben verdient und auch ziemlich hoch gewonnen, weil wir motiviert waren, die 71 Punkte zu schnappen. Das ist die drittbeste Ausbeute in der Bundesligageschichte von Borussia Dortmund. Und dazu haben wir, unter tatkräftiger Mithilfe seiner Mitspieler, Robert Lewandowski noch zum Torschützenkönig machen können. Von daher ist es ein perfekter Tag.
Nuri Sahin hat eine muskuläre Geschichte. Das ist nicht so günstig. Deshalb haben wir ihn in der Halbzeitpause raus genommen. Die anderen drei haben Schläge abbekommen. Das aber dürfte kein größeres Problem bedeuten für kommenden Samstag.
Von den 8.000 Freistößen, die Lewy im Training geschossen hat, waren maximal zwei drin. Kein Witz. Auf den letzten Drücker nimmt er auch noch diese Qualität mit.
Zweikommairgendwas Millionen Euro an Ablöse sind eine Menge Geld, aber im Fußball kann man sie noch als Schnäppchen bezeichnen. Milos Jojic ist ein Riesentalent, das auf mehreren Positionen im Mittelfeld spielen kann. Dass er torgefährlich ist, hat man vom ersten Moment an gemerkt. Ein toller Junger, der sich prima eingefügt hat.
Wenn man in dieses Stadion hier einläuft und weiß, dass man nächste Woche schon wieder da ist, dann begleiten einen ein paar Gedanken. Ansonsten aber hat das Pokalfinale mit dem heutigen Spiel nichts zu tun gehabt."

MEINE BVB-NOTEN

Weidenfeller (2), Piszczek (3,5), Hummels (2), Friedrich (3), Schmelzer (3), Sahin (3,5), Joljic (2,5), Mkhitaryan (3), Reus (2,5), Großkreutz (2,5), Lewandowski (2), Kirch (3), Sokratis (3), Aubameyang (-).