Freitag, 29. April 2016

Hummels zerstört sein eigenes Denkmal

Daß Mats Hummels in diesem Sommer Borussia Dortmund verlassen würde, war für mich schon lange klar. Und einen Wechsel vom BVB zu einem Top-Klub des europäischen Auslands wie Barca oder Real Madrid hätte ich Hummels sogar von ganzem Herzen gegönnt. Schließlich sind seine Verdienste für Schwarzgelb unbestritten.

Daß der in Dortmund zu einer Institution und zum Mannschaftskapitän gereifte Weltmeister nun aber ausgerechnet zum ärgsten BVB-Rivalen nach München wechseln möchte, empfinde ich als eine noch größere Enttäuschung als den damaligen Wechsel Mario Götzes zum gleichen Verein.

Neue Kultur kennenlernen, Sprachkenntnisse erweitern usw usw. Diese immer wieder gern genannten "Gründe" für einen Vereinswechsel könnte Hummels jedenfalls nicht anführen. Auch das Geld ist es nicht, daß den Weltmeister zurück in den Freistaat zieht. Nein. Hummels möchte allein aus dem Grunde nach München wechseln, weil er dort größere Chancen sieht, Titel zu gewinnen.

Damit sendet er seinen jetzigen Mannschaftskameraden eine fatale Botschaft, die einer schallenden Ohrfeige gleichkommt. Er signalisiert den Benders, Schmelzers und Reussens nämlich nichts anderes, als daß mit ihnen zuletzt nicht nur keine Titel-Meriten zu holen waren, sondern aus seiner Sicht auch in Zukunft nicht zu holen sein werden.

Gleichzeitig interessiert Hummels scheinbar sein "Geschwätz von gestern" nicht die Bohne. Vor drei Jahren spielte sich der Innenverteidiger öffentlich als Moral-Apostel auf, in dem er Mario Götze bei dessen Transfer zum FC Bayern vehement kritisierte und ihm vorwarf, den "einfachen Weg" zu gehen, um Titel zu gewinnen.

Diesen "einfachen Weg" will Hummels nun offensichtlich selbst beschreiten. Und vergisst dabei scheinbar, daß der BVB allein in diesem Jahr (mit ihm als Kapitän) mindestens zwei realistische Chancen auf Titel hatte, wovon eine bisher (unter reger Beteiligung von Hummels selbst) vergeben wurde.

Daß nicht jeder Profi den "einfachen Weg" geht, zeigt just in diesen Tagen das Beispiel Clemens Fritz. Der Kapitän des SV Werder Bremen wollte nach dieser Saison eigentlich seine Karriere beenden, hat seinen Vertrag allerdings jetzt nochmal um ein Jahr verlängert. Trotz (oder gerade wegen) des drohenden Abstiegs, den er im Falle eines Falles selbst "mitverschuldet" hätte. Echte Liebe - an der Weser vorgelebt!

Ich bleibe grundsätzlich dabei: Reisende soll man nicht aufhalten. Und auch wenn der Transfer noch gar nicht perfekt ist - allein mit seinem Wunsch, ausgerechnet zum größten nationalen Rivalen zu wechseln, hat sich Hummels nicht nur seiner Glaubwürdigkeit in der schwarzgelben Fan-Gemeinde komplett selbst beraubt. Er hat damit auch sein eigenes Denkmal zum Einsturz gebracht und sich zwischen alle Stühle gesetzt. Seine "Bayern-Sehnsucht" kommt einer schallenden Ohrfeige für Verantwortliche, Mitspieler, Trainer und Fans des BVB gleich.

Für eine weitere schwarzgelbe Zukunft hat sich der Nationalspieler selbst disqualifiziert. Diese könnte ihm nämlich bevorstehen, sollte sich der Wechsel nach München zerschlagen. Ein offizielles Bayern-Angebot liegt den BVB-Verantwortlichen nach eigenen Aussagen bis heute jedenfalls nicht vor.

Und auch eine Hummels-Nominierung für den Berliner Endspiel-Kader der Borussia gegen die Bayern käme für meine Begriffe einer Farce gleich.

In diesem Sinne...

Markus Flügel