Montag, 10. Oktober 2016

Montags-Einwurf #7: Tuchel-Keile und Hotline-Frust

Wochenanfang - Zeit für den neuen Montags-Einwurf. :-)

Heute gehts in meiner kuscheligen Wochenkolumne nochmal um die völlig übertriebene Medienschelte gegenüber Thomas Tuchel. Dazu eine  Vorschau auf das bevorstehende Bundesligaspiel gegen Hertha BSC - verbunden mit dem schwierigen Versuch einer vorläufigen personellen Bestandsaufnahme.

Und natürlich ist auch das für viel verständlichen Fan-Frust sorgende Ticketing-System des BVB ein Thema.

Es gibt wie immer viel zu besprechen. Vom Fan für Fans. Gehen wir´s an :-)



Hallo Borussinnen und Borussen,

zwar liegt ein BVB-freies Wochenende hinter uns. Aber Gesprächsstoff für einen "Montags-Einwurf" rund um unsere Schwarzgelben gibt es immer reichlich. Auch wenn der Ball in Liga, Pokal und Champions League nicht rollt.

Zunächst nochmals - um das Thema dann auch endgültig abzuhaken - ein Wort zur Tuchel-Kritik an der überharten Leverkusener Spielweise. Meiner Meinung nach war die Kritik völlig berechtigt. Überraschend fand ich lediglich, daß unseren Coach außer Aki Watzke niemand in dessen Ausführungen unterstützte.

Im Gegenteil. Den Tuchel-Äußerungen folgte eine völlig übertriebene und unangemessen heftige Medienschelte. Das Thema bestimmte einige Tage die gesamte Medienlandschaft. Jeder noch so abgehalfterte "Experte" (wie Peter Neururer oder Uli Borowka) durfte ungefragt und klugscheisserisch seinen "Senf" dazu abgeben. Die Länderspielpause bot sich nahezu an, mit dem Thema ein "Riesen-Fass aufzumachen". Und endlich - so hatte man den Eindruck - gab es für die Medien einen Anlass, auf den sonst in seinen Äußerungen stets zurückhaltenden BVB-Coach mal so richtig einzuprügeln. Er sei ein schlechter Verlierer und suche nach Ausreden für eigenes Versagen...blablablabla... 

Sprang seinem Coach zur Seite: Aki Watzke
Dabei hatte TT lediglich die überharte Gangart der Leverkusener angesprochen, diese aber nicht als alleinigen Grund für die Niederlage seiner Mannschaft ausgemacht. Und Ansprechen MUSS erlaubt sein, ohne gleich in die Schublade des schlechten Verlierers gesteckt zu werden. In der Vergangenheit erhielten unsere vorderösterreichischen Freunde mit ähnlich geäußerter Kritik durchaus öffentliche Unterstützung - Tuchel nun nicht. Das sagt alles über die nach wie vor bajuwarisch verseuchte Medielandschaft aus.

Und weil es den Medien grad so schön in das sich negativ abzeichnende Tuchel-Bild passte, wurde gleich noch eine andere "Geschichte" hervorgekramt. Der Zoff zwischen TT und unserem Chefscout Mislintat. Dabei ist diese Story so alt, dass sie Staub ansetzt. Seit dem geplatzten BVB-Transfer des Spaniers Oliver Torres herrscht Funkstille zwischen Tuchel und Mislintat. Das war aber bereits lange bekannt, bisher aber nie medienträchtig publik gemacht worden. Nun passte diese Story natürlich wie angegossen ins plötzlich schiefgerückte Tuchel-Bild. Hier könnte man doch glatt eine gezielte Medienkampagne vermuten, mit dem Ziel, ein wenig Unruhe beim sich fast ständig ohne Negativ-Schlagzeilen präsentierenden BVB zu stiften.

So....jetzt aber Schluss mit diesem ganzen Ärgernis. Gab doch noch andere Sachen. Wenn auch keine wirklich Positiven. Gonzalo Castros Enttäuschung über seine Nichtnominierung in Jogi Löws Elitekader hatte sich nämlich noch nicht ganz gelegt, da erwischte es unseren "Gonzo" auch schon. Beim unsäglichen und oben schon angesprochenen Auftritt an alter Leverkusener Wirkungsstätte zog sich Castro eine Adduktorenverletzung zu, die ihn für die nächste Zeit ausser Gefecht setzen dürfte. Ausfalldauer noch unklar.

Fällt vorläufig aus: Gonzalo Castro
Weitere Hiobsbotschaften erreichten den BVB aus dem portugiesischen und polnischen Nationalmannschaftsquartier. Shooting-Star Rapha Guerreiro musste beim 6:0 der Portugiesen gegen Andorra mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden, reiste aber mit seiner Nationalmannschaft weiter auf die Faröer-Inseln. Dort trifft der Europameister morgen auf den krassen Außenseiter.

Lukasz Piszczek hingegen trat nach dem Spiel seiner Polen gegen Dänemark die Rückkehr nach Dortmund an. Dort soll nun festgestellt werden, wie schwerwiegend "Pischus" nach dem Länderspiel aufgetretenen Knieprobleme sind.

Die Vorbereitung auf das Spiel gegen Hertha BSC wird für Thomas Tuchel somit zu einer Gleichung mit mehreren Unbekannten. Zumal heute, morgen und übermorgen noch zahlreiche Borussen für ihre jeweiligen Nationalmannschaften im Einsatz sein werden.

Kleine Lichtblicke gabs am Genesungs-Horizont zweier Langzeitverletzter. Während Marco Reus endlich wieder ein paar Runden in Brackel lief, steht Neven Subotic nach eigenen Aussagen kurz vor der Rückkehr ins Lauftraining. Andre Schürrle und Marc Bartra sind ebenfalls auf dem Wege der Besserung. Ein Einsatz der beiden gegen Hertha BSC ist jedoch weiterhin ungewiss.

Aufsteigende Form: Mario Götze
Eine endgültige personelle Bestandsaufnahme ist jedoch frühestens am Donnerstag möglich, wenn sich der Kader endlich wieder nahezu komplett in Dortmund versammelt.

An dieser Stelle fehlen darf auf keinen Fall, den positiven Auftritt Mario Götzes im WM-Quali-Spiel der Löw-Truppe gegen Tschechien zu erwähnen. Zwar musste unser Borusse einmal mehr auf der ungeliebten Position der "falschen Neun" ran, wusste diesmal aber sowohl durch großes Laufpensum als auch durch einige gelungene Aktionen zu gefallen. Mario ist also weiter in kleinen Schritten auf dem Weg zurück zu alter Form. Sehr gut!

Abschließend muss hier noch der zwischenzeitlich verursachte Fan-Frust angesprochen werden. Dieser ergab sich (berechtigterweise) durch den Mitglieder-Vorverkauf des BVB fürs Revierderby gegen Herne-West.
In den sozialen Netzwerken machten wütende Fans rasend schnell und völlig verständlich ihrem Unmut Luft. Sie hatten nach zahlreichen Versuchen endlich die bekannte Hotline erreicht, wo jedoch ihre jeweilige Mitgliedsnummer vom Ticketing-System nicht "erkannt" wurde.
Der BVB reagierte schnell auf den Fan-Frust und setzte für den nachfolgenden Tag eine neuerliche "Vorverkaufsrunde" an. Aber erneut gab es Probleme mit den Mitgliedsnummern. Zwar wurden alle Karten fürs Derby verkauft, doch hinterließ dieses Ticketing bei einem Großteil enttäuschter Fans riesiges und verständliches Frustpotential.

Nachdem es in der Vergangenheit bereits mehrfach ähnliche Probleme beim Vorverkauf gab, sollte der BVB hier dringend schnellstens reagieren und handeln. Entweder muss das bestehende Ticketing-System optimiert oder aber ein komplett Neues eingeführt werden. Großer Handlungsbedarf, liebe Verantwortliche!

In diesem Sinne und mit großer Vorfreude auf das Tempelbeben gegen Hertha BSC wünsche ich Euch allen eine entspannte Woche! 

Markus Flügel